Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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- „Aufwachsen in Avalon“: Untergehende Sonnen: Der 1984 geborene Rudi Nuss debütiert mit einem Roman über virtuelle Realität, die schon recht nah an unserer scheint. „Durch die Absurdität der erzählten Welt und die verschrobenen, aber liebenswürdigen Charaktere wird teils Komik erzeugt – als Handlungsmotiv reicht beispielsweise einfach die ‚Hoffnung, dort würde sich durch eine random Kausalkette alles zum Besseren wenden‘ –, teils regen die dadurch entstehenden Situationen aber auch zur Reflexion an. Dem 1984 in Berlin geborenen Rudi Nuss gelingt es so, in seinem Roman vom Scheitern einer voll digitalisierten kapitalistischen Welt zu erzählen, ohne in einen technophoben und kulturpessimistischen Duktus abzudriften.“
Rudi Nuss, Die Realität kommt (Diaphanes) - „Stadt unter“: Die Erosion hat ihr Werk vor der Flutkatastrophe vollendet: In Norbert Scheuers Roman Mutabor suchen die Bürger von Kall ihre verschollenen Schicksalsgenossen wie im platonischen Mythos der Liebe die halbierte Menschheit ihre bessere Hälfte. „Eine Schicksalsgemeinschaft stiften in Kall gekappte Verbindungen; Personen suchen einander wie die entlang der Geschlechtergrenze halbierten Menschen im platonischen Mythos der Liebe, nur dass man sich angesichts der Alltäglichkeit von Inzest, Ehebruch und Nötigung die Wiedervereinigung kraft Vervollständigung der Stadtgeschichte nicht harmonisch vorstellt.“
Norbert Scheuer, Mutabor (mit 33 Zeichnungen von Erasmus Scheuer; Verlag C.H. Beck) - „Ein Stierkämpfer als manischer Leser“: Das Leben als Abenteuer und die Zwänge der Routine: Manuel Chaves Nogales’ Biographie des Toreros Juan Belmonte erscheint erstmals auf Deutsch. „Die hier erstmals in deutscher Übersetzung vorgelegte Lebensgeschichte von Juan Belmonte ist eine Autobiographie nur in dem Sinne, dass Belmonte sein Leben dem Journalisten Manuel Chaves Nogales (1897 bis 1944) erzählt und ihn mit dem Schreiben beauftragt hat. In gewisser Weise haben sie das Buch gemeinsam geschrieben: Es ist schwer zu sagen, wie sich die in der ersten Person erzählende Stimme Belmontes vom Stil des Verfassers trennen ließe.“
Manuel Chaves Nogales, Juan Belmonte – Stiertöter (aus dem Spanischen von Frank Henseleit; Friedenauer Presse)
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- „Aufruf zur Beunruhigung“: Für den Architekturkritiker Niklas Maak sind die riesigen Serverfarmen das, was früher die Schlösser waren: der Sitz der Macht. „Zumindest eine Forderung, die der Autor quer durch sein lesenswertes Manifest stellt, nämlich die, dass Datenzentren von der Peripherie der Städte wieder mehr in ihr Zentrum rücken sollten, ist übrigens gerade der heißeste Trend in der Industrie.“
Niklas Maak, Servermanifest – Architektur der Aufklärung. Data Center als Politikmaschinen (Hatje Cantz)
- „Tricks und Täuschungen“: Das Buch Die Schatzjäger des Kaisers erzählt hoch spannend, wie skrupellos sich der Westen im Orient antike Kunst besorgte. „Grundsätzliches ist bekannt, aber Teile des Buches lesen sich wie ein Kriminalstück, das den Schluss zulässt: Auch bei formal legalen Erwerbungen der großen Berliner Museen spielten politische Erpressung und ‚koloniale Arroganz‘ keine geringe Rolle.“
Jürgen Gottschlich, Dilek Zaptçıoğlu-Gottschlich, Die Schatzjäger des Kaisers. Deutsche Archäologen auf Beutezug im Orient (Christian Links Verlag)
- „Was lesen Sie … Hadija Haruna-Oelker?“: „Nordstadt, das Debüt von Annika Büsing. Es ist die Geschichte der Bademeisterin Nene, die sich in den gehbehinderten Boris verliebt, mit dem sie die Erfahrung von Krisen der Kindheit im sozial prekären Milieu teilt. Beide werden ein Paar, aber die Vergangenheit belastet ihr Zusammensein. In diesem Buch, das zeitlich mal vor und zurückspringt, schwingen unterschiedliche Ungleichheitserfahrungen mit. In Nordstadt spiegelt sich die Wohlstandsgesellschaft in gefühlvollem und rauem Ton.“
- „Von SZ-Autoren“: „Der Journalist Peter Laudenbach, Berliner Theaterkritiker der SZ, (…) hat Kluge über 20 Jahre immer wieder zu langen Interviews getroffen und einfach immer weiter gefragt – zum Beispiel danach, woher Kluge die Gewissheit nimmt, dass es immer einen Ausweg gibt. (…) Jetzt sind die Interviews, in denen Alexander Kluge über sein Leben und seine Überzeugungen Auskunft gibt, als Buch erschienen.“
Peter Laudenbach, Alexander Kluge, Zum Himmel. Zur Hölle. Zum Mehrwert. Interviews 2021 – 2001 (Starfruit)
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- „‚Die Zurückhaltung der großen Verlage gegenüber ukrainischer Literatur erstaunt mich schon’“: Der Übersetzer Alexander Kratochvil über Walerjan Pidmohylnyj und seinen Roman Die Stadt.
Walerjan Pidmohylnyj, Die Stadt (übersetzt von Alexander Kratochvil, Lukas Joura, Jakob Wunderwald und Lina Zalitok; Guggolz Verlag)