Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Keine Seefahrt, die ist lustig“: Die Latte liegt nach Mittagsstunde sehr hoch: Wagt sich Dörte Hansen mir ihrem neuen Roman zu weit raus auf die See? „Dörte Hansen ist auch deshalb ein erzählerisches Schwergewicht, weil ihr Blick grundsätzlich auf Desillusion aus ist. Unerbittlich, zuweilen nur stichwortartig protokolliert sie Lebensenttäuschungen und sieht hinter alle Fassaden. Es ist ein nicht nur von Wortkargheit geprägtes Dasein, in dem es wenig zu lachen gibt und dessen Vorstellungen und Gewohnheiten tief in die Grönlandfahrer- und Walfängervergangenheit der Vorfahren zurückreichen. Dass das Leben nicht immer so verläuft, wie man sich das vorstellt, ist freilich keine insulare Spezialität. Aber hier, in unaufhebbarer Einsamkeit, herrschen noch andere Fatalitäten.“
- Dörte Hansen, Zur See. Roman (Penguin Verlag)
„Man hüte sich vor dem falschen Post zur falschen Zeit“: Emily Weinstein und Carrie James untersuchen, wie sich die Nutzung sozialer Netzwerke auf Jugendliche auswirkt. „Im Detail diskutieren die Autorinnen die ’süchtig‘ machende Nutzung sozialer Medien, Cyberbullying, Identitätsfindung und Sexualität im Digitalzeitalter. Es geht um den nicht löschbaren digitalen Fußabdruck (was man postet, bleibt für die Ewigkeit) sowie politischen Aktivismus von Teenagern. Das Buch zeichnet ein ausgewogenes Bild der Vor- und Nachteile der Nutzung sozialer Netzwerke, die durch zahlreiche Fallberichte veranschaulicht werden.“
- Emily Weinstein und Carrie James, Behind Their Screens. What Teens Are Facing (and Adults Are Missing) (The MIT Press)
„Lebt wohl, lebt wohl, ihr seid mir zu frivol“: Willkommen im echten Leben! Aravind Jayan banalisiert sich in Teen Couples Have Fun Outdoors auf global verständliche Weise durchs indische Familiendasein. „Der Roman führt eine Jugendsprache vor, die dem Jargon hiesiger Jugendlicher erstaunlich ähnlich sieht; sie werden sich mit dem Lebensstil ihrer indischen Generationsgenossen gut identifizieren können. Über den Gebrauch von Internet, Videospielen, Mobiltelefonen entsteht eine Schnittmenge ähnlicher Erfahrungen, die global verbinden.“
- Aravind Jayan, Teen Couple Have Fun Outdoor. Roman (aus dem Englischen von Daniel Beskos; Suhrkamp Verlag)
„Kein Wort von Hein“: Vom farbigen Abglanz des Lebens in der Literatur: Volker Hage setzt seine lesenswerten Schriftstellerporträts fort. „Was wir euch erzählen lädt auf diese Weise wie schon der Vorgängerband Schriftstellerporträts (2019) zur Relektüre oder zur Entdeckung hervorragender Literaten ein, diesmal mit einem etwas stärker auf die Bundesrepublik und die DDR (…) gerichteten Fokus als der erste Band (…). Bis zu den höchst gegenwärtigen Autoren Daniel Kehlmann und Terézia Mora spannt sich der profunde Überblick dieses aller Schwurbelei immer schon abholden Autors, der wärmstens empfohlen sei.“
- Volker Hage, Was wir euch erzählen. Schriftstellerporträts. (Wallstein Verlag)
„Besser mordet’s sich mit Worten“: Die Idee für ihren ersten Krimi kam ihr in der Oper: Donna Leon erfand den venezianischen Commissario Brunetti, die deutsche Übersetzung machte sie berühmt. „Geschichten um Commissario Brunetti erfindet sie weiterhin, im vergangenen Jahr erschien sein dreißigster Fall auf Deutsch (Flüchtiges Begehren). Nur die Touristenmassen in Venedig meidet Leon zunehmend. Sie lebt nun in einem kleinen Dorf in den Schweizer Bergen. Heute wird Donna Leon achtzig Jahre alt.“
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„Brief an die Nachwelt“: Die Bibliothek von Oslo bittet Autoren um Texte, die erst im Jahr 2114 veröffentlicht werden. Ein Gespräch mit der Schriftstellerin Judith Schalansky, die ihren Beitrag demnächst überreichen wird. „
„Die Virtuosin der Neugier“: Sie hat Venedig neu erfunden: Donna Leon wird 80. „Das Ansinnen, ihre Memoiren zu schreiben, hat sie bis jetzt standhaft abgewehrt – vielleicht, weil sie es wenig spannend findet, sich an das Faktische zu halten. Ersatzweise ist als Hommage zum Achtzigsten ein Band mit kurzen autobiografischen Geschichten erschienen. Darin kann man viel über sie erfahren, aber man sollte sich das Körnchen Salz der kreativen Umgestaltung von Tatsachen dabei immer mitdenken, unterscheidet die Autorin doch eigenmächtig zwischen ‚truth and real truth‘, Wahrheit und wirklicher Wahrheit.“
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„Es ist wirklich nicht seine Schuld“: Ian McEwans Lektionen über einen, der wie die meisten von uns die Welt nicht veränderte. „Lektionen ist ein traditioneller Roman, insofern er vom ganz normalen, vom unspektakulären Leben erzählt. Von Erwartungen und Enttäuschungen. Von Schulsorgen und Pubertätsträumen, in denen man die Rolle eines Weltveränderers hat. Von Sex und Rock’n’Roll und von der Ernüchterung der Elternschaft und Gewohnheit. Unausweichlich irgendwann die Abrechnung mit den Eltern. Und das Sterben der Eltern.“
- Ian McEwan, Lektionen. Roman. (a. d. Eng. v. Bernhard Robben; Diogenes)
„Die Visionen des Eichhörnchens“: Auf Klimawandel und Massentierhaltung reagiert Ulla Hahn mit einem herrlich utopischen Roman, der sich als Buch der Stunde liest. „Er ist laut, er ist kompromisslos, und er ist gänzlich unverblümt: Ulla Hans neuer Roman Tage in Vitopia, in dem sich all die vom Kapitalismus ausgebeuteten Tiere Gehör verschaffen.“
- Ulla Hahn, Tage in Vitopia (Penguin)