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Umgeblättert heute: „Wie ein grausames Märchen“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Wienern traut man nicht“: Bernadette Reinhold fördert in ihrer Biographie Oskar Kokoschkas bisher größtenteils Unbekanntes über den Maler als Homo politicus zutage. „Die ‚Facetten‘ des Untertitels werden dem großen Bogen kaum gerecht, den diese ehrgeizige Studie zu ziehen versucht – von dem brisanten, die Kunstwelt Wiens polarisierenden Anfang in der Kunstschau 1908 und der Internationalen Kunstschau 1909 über den Militärdienst und die Beteiligung an Propaganda-Initiativen im Ersten Weltkrieg, die bisher kaum bekannte Annäherung an den aus­trofaschistischen ‚Ständestaat‘ sowie antifaschistisches Engagement in Prag und in England bis zum zögerlichen Mitmachen an der zunehmend konservativen Kulturpolitik Österreichs nach 1945.“
  • Bernadette Reinhold, Oskar Kokoschka und Österreich. Facetten einer politischen Biographie. (Böhlau Verlag)

„Stadt von Städten“: Ein Band versammelt lesenswerte Texte über das Ruhrgebiet aus fünfzig Jahren. „Die vielen Namen und Umschreibungen widersprechen dem Bild einer eintönigen, grauen Wirklichkeit und erzählen, das ergibt sich aus der Zusammenschau (und spricht für die Qualität und Komposition der Auswahl), von der Herausforderung, diese ‚andere‘ Großstadt, das Neue und das Unvergleichliche, das Staunen und den Schrecken zu erfassen und einzuordnen: Keine ‚richtige‘ Stadt und zugleich viele Städte, ohne Zen­trum, Peripherie und Geschichte, unfertig und ungeordnet, da schnell mit der Industrie gewachsen.“

  • Dirk Hallenberger (Hrsg.), In Sachen Stadtschaft. Literarische Reportagen und Aufzeichnungen zum Ruhrgebiet 1923 bis 1973. (Henselowsky Boschmann Verlag)

„Beim Thema Gendern wird dann doch Politik gemacht“: Heißt es „diesen Jahres“ oder „dieses Jahres“? Die neue Duden-Grammatik bietet fundierte linguistische Informationen auf dem aktuellen Forschungsstand. „Wer auf die Schnelle wissen will, ob er ‚Weder der Deutschlehrer noch der Germanistikprofessor weiß die Antwort‘ oder besser ‚wissen die Antwort‘ schreiben sollte oder ob es „diesen Jahres“ oder „dieses Jahres“ heißt, findet die Informationen, ohne sich den Weg über Fachbegriffe wie ‚Kongruenz‘, ‚Demonstrativpronomen‘ oder ’schwache Flexion‘ bahnen zu müssen. Der Umfang der Neuausgabe ist gegenüber der letzten Auflage um ein gutes Viertel geschrumpft und mit ihren fast tausend Seiten ein vergleichsweise schlankes Werk.“

  • Duden. „Die Grammatik“. Struktur und Verwendung der deutschen Sprache. Sätze – Wortgruppen – Wörter. (10., völlig neu verfasste Auflage. Herausgegeben von Angelika Wöllstein und der Dudenredaktion; Dudenverlag)
„Treffen sich Lanz und Lütz beim Papst“: Der XVI. Benedikt ist noch nicht heiliggesprochen, da kriegt er schon ein Buch an die Rewe-Kasse: Unser letztes Gespräch. Verfasst haben es ein Talkshow-Superstar plus ein Sachbuchgott. „Reine Stimmen, gegossene Zeit, geronnene Sätze, dazu ein offenes Hemd, das wäre die Ausbeute für das letzte Gespräch. Das Fazit der Messdiener: ‚Wir saßen da, in Gedanken versunken, und horchten dem Nichts hinterher.’“
  • Markus Lanz, Manfred Lütz, Benedikt XVI. Unser letztes Gespräch. (Kösel)

Kinder- und Jugendliteratur

„Ich bin sehr widerwillig Brite geworden“: Der Illustrator und „Grüffelo“-Zeichner Axel Scheffler lebt seit 40 Jahren in England. Ein Gespräch über Kindheit, Lieblingstiere und seinen Frust über den Brexit.

„Mit Dinosauriern am Strand“: Zwei Sachbücher stellen Forscherinnen und Forscher vor, die Skelette aus einer alten Zeit fanden.

  • Birk Grüling, Ein T-Rex namens Sue. Dinosaurier und ihre Entdeckerinnen. (mit Illustrationen von Lucia Zamolo; Klett Kinderbuchverlag)
  • Silke Vry, Der Dinosaurier im Fels. Die abenteuerlichen Geschichten der ersten Knochenjäger. (mit Illustrationen von Claudia Lieb; Gerstenberg Verlag)
„Für sie sieht alles gleich aus“: Otessa Moshfegh dreht mit Lapvona ihr Schreiben der Grausamkeit noch höher. „Schon vor Lapvona war es Otessa Moshfeghs Alleinstellungsmerkmal, der Leserin, dem Leser nichts zu ersparen. Kein Blatt vor den Mund zu nehmen, keine Drastik zu mindern. Dezenz war nichts für sie. Dabei ließ sie oft in der Schwebe, was davon sich nur im Kopf ihrer Figuren abspielen könnte. Lapvona aber ist geradlinig erzählt, tatsächlich wie ein grausames Märchen.“
  • Otessa Moshfegh, Lapvona. Roman. (a. d. Englischen von Anke Caroline Burger; Hanser Berlin)
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