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Milan Kundera

Der große europäische Schriftsteller Milan Kundera ist gestern in Paris nach langer Krankheit im Alter von 94 Jahren gestorben. Dies teilt der Hanser Verlag heute mit. Milan Kundera, am 1. April 1929 in Brünn/Tschechoslowakei als Sohn eines Musikprofessors und Janácek-Schülers geboren, lernte früh Klavierspiel und Komposition. Bekannt wurde er durch den Roman Der Scherz. Nach dem sowjetischen Einmarsch in die ČSSR am 21. August 1968 verlor Milan Kundera seine Dozentur für Musik und Dramatik an der Prager Filmakademie, seine Bücher wurden aus den Bibliotheken des Landes entfernt und nicht mehr verlegt. 1975 erhielt Milan Kundera eine Gastprofessur für Literatur an der Universität Rennes. 1979 entzog ihm die tschechische Regierung als Reaktion auf Das Buch vom Lachen und vom Vergessen die Staatsbürgerschaft. 1981 nahm Milan Kundera die französische Staatsbürgerschaft an und schrieb seit 1993 in französischer Sprache. Sein Werk erschien seit 1984 in deutscher Übersetzung im Hanser Verlag, zuletzt 2015 der Roman Das Fest der Bedeutungslosigkeit. „Milan Kunderas Werk zeigt den Menschen in seiner Schönheit und in seinem Schrecken. Die Literatur des 20. Jahrhunderts wäre unvollständig ohne ihn“, so Hanser-Verleger Jo Lendle.

Die Taschenbuch-Ausgaben sind bei S. Fischer lieferbar, darunter auch sein wohl bekanntestes Werk Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, aus dem Tschechischen übersetzt von Susanna Roth. Der Roman wurde von Philip Kaufman mit Juliette Binoche und Daniel Day-Lewis in den Hauptrollen verfilmt.

Ein neues Buch von Milan Kundera erscheint am 21. September im Kampa Verlag. Es handelt sich um sein Essay Der entführte Westen. Die Tragödie Mitteleuropas – erstmals auf Deutsch in Buchform, in der Übersetzung von Uli Aumüller. Der Text aus dem Jahr 1983 sei im Kontext der russischen Aggression auf die Ukraine hochaktuell und von bemerkenswerter Weitsicht. Eine Neuausgabe von Kunderas Gesamtwerks ist im Kampa Verlag in Vorbereitung. Die ersten vier Bänden erscheinen am 12. Oktober.

Verleger Daniel Kampa: „Einer der schönsten Romane von Milan Kundera ist Die Unsterblichkeit. Dort heißt es: ,Der Mensch rechnet mit der Unsterblichkeit und vergisst mit dem Tod zu rechnen.‘ Von seiner Frau Věra wussten wir, dass es Milan Kundera gesundheitlich nicht gut ging, und hofften dennoch, ihm die ersten Bände der neuen deutschsprachigen Gesamtausgabe persönlich in Paris überreichen zu können. Vor allem lag ihm sein Essay Der entführte Westen am Herzen, der im September erscheinen wird. Umso trauriger macht uns sein Tod. Als neuer Verlag von Milan Kundera wollen wir, zusammen mit Fischer als Taschenbuchpartner, sein unsterbliches Werk in der bestmöglichen Art und Weise lebendig halten.‘

Im Jahre 2011 wurde Milan Kunderas Gesamtwerk in die Klassikeredition Bibliothèque de la Pléiade aufgenommen und 2017 in erweiterter Ausgabe vorgelegt. Milan Kundera, der zu den großen Romanciers des Jahrhunderts zählt, wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Staatspreis der ČSSR (1964), dem Preis des Schriftstellerverbandes der ČSSR (1968), dem Prix Médicis (1973), dem Premio letterario Mondello (1978), dem Prix Jérusalem pour la Liberté (1985), dem Nelly-Sachs-Preis (1987), dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur (1987), dem Herder-Preis der Universität Wien (2000), dem Grand Prix de littérature de l’Académie française (2001), dem Staatspreis für Literatur der Tschechischen Republik (2007), dem Prix mondial de la Fondation Simone et Cino del Duca (2009), dem Prix de la Bibliothèque nationale de France (2012) und dem Franz-Kafka-Preis (2020).

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