Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Dieser unverwechselbare Ton“: Seine literarische Karriere hob an mit einem Paukenschlag: Früher begann der Tag mit einer Schußwunde hieß sein Debüt. Seitdem ist Wolf Wondratschek eine unverwechselbare Stimme der deutschen Literatur. Heute wird er achtzig. „Seit Ende Juli gibt es sein jüngstes Buch. Einige Gedichte heißt es, aber es lässt sich eben nicht sagen, er wäre jetzt zum Dichter-Sein zurückgekehrt. Denn die Gedichte bleiben bei diesem Ton, diesem Tonus, der ihn so unverwechselbar gemacht hat. Die Sprachbilder, die Wondratschek formt, gehen verströmen Sinnesreize, die den Lesern – und, es sei ausdrücklich gesagt, den Leserinnen – Komplizenschaft auftragen und zutrauen. Wer Wondratschek ohnehin schätzt, wird sie mit Aufmerksamkeit und Hingabe lesen, als ein Glück. Allen anderen können sie die Augen öffnen.“
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„Dichter in Volksausgabe“: Er betrieb die Literarisierung der Welt, ganz einfach, weil er es so wollte: dem jungen Genie Wolf Wondratschek zum 80. Geburtstag. „Zweitausendeins gibt es nicht mehr, den Volksdichter Wondratschek auch nicht, ein Dichter ist er geblieben. Gut vierzig Jahre nach den Letzten Gedichten sind jetzt gerade bei Ullstein, sehr viel bescheidener, Einige Gedichte mit angemessen großem Platzanspruch erschienen. Ein Band, ein Bändchen wie ein Debüt. In den frühen Nachkriegsjahren wären die Verse bei der Eremitenpresse und vielleicht sogar auf Bütten herausgekommen. Jetzt ist es FSC-Papier aus nachhaltiger Waldwirtschaft, aber für kräftige 18 Euro bei 76 Seiten.“
„Mord mit Buschklee im Mondlicht“: Seishi Yokomizos raffinierter Whodunnit aus dem Jahr 1971. „Der Japaner Seishi Yokomizo war ein Vielschreiber, 77 Bände gibt es allein um den verstrubbelten, lässig gekleideten, darum von den meisten unterschätzten Kosuke Kindaichi.“ Es ist „verdienstvoll, dass Blumenbar eine so kundige Japanisch-Übersetzerin wie Ursula Gräfe engagierte und keine sprachlichen Begradigungen von ihr verlangte. So wird das Bild einer traditonellen Gesellschaft plastisch, ob es um die mühevolle, gefährliche Arbeit der Fischer geht, um Fragen der Erbfolge und Verheiratung oder das hoch angesehene Schreiben von Haikus, die mit drei Zeilen eine ganze Welt eröffnen.“
- Seishi Yokomizo, Mord auf der Insel Gokumon. Kriminalroman. (a. d. Jap. von Ursula Gräfe; Blumenbar)