Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Unsere Reisebegleiter: Hemmungslos palavern an der Bushaltestelle“: Mit einem Buch des amerikanischen Schriftsteller David Sedaris im Gepäck nach Italien: Ich ein Tag sprechen hübsch macht Ferienlaune. „Sedaris, der es wie wenige andere beherrscht, Beobachtungen des Alltags so zu beschreiben, dass man über ihn und, weil man vieles darin wiedererkennt, auch über sich selbst lachen kann, ist der optimale Chronist dieser oft sehr komischen Situationen, die entstehen, wenn Erwachsene wieder in die Schule zurückversetzt werden. Da sitzt man nun, als die nicht ganz auf den Kopf gefallene Person, für die man sich hält, und kommt mit seinen Fähigkeiten kaum an das Niveau eines Kleinkinds heran.“
- David Sedaris, Ich ein Tag sprechen hübsch (Heyne; epub oder antiquarisch
„Was verschafft dem Gletscher Achtung?“: Neue Rechte für den Schutz der Natur: Sacha Bourgois-Gironde denkt über Ökosysteme als juristische Personen nach. „Bourgeois-Gironde entwirft eine gelehrte Natur-Rechts-Philosophie, und man muss ziemlich konzentriert bei der Lektüre bleiben, um seinem dichten Gedankengang zu folgen. Wo er Fragen formuliert, ist nicht immer ganz klar, ob die Antwort noch offen ist oder ob sie zur rhetorischen Verstärkung seiner eigenen Argumentation dienen werden. Im Laufe des Büchleins wird man mit einer akademische Fachgrenzen lässig überschreitenden Bricolage an Ideen konfrontiert. Er kombiniert Versatzstücke antiker Stoa, talmudischen Rechts und Māori-Kosmologie, ist sich dabei aber ihrer kulturellen Gebundenheit bewusst. Konzeptionelle Differenzen bei den verschiedenen Zugängen zur Rechtspersönlichkeit der Natur beschäftigen ihn besonders.“
- Sacha Bourgeois-Gironde, Wie uns das Recht der Natur näherbringt. (aus dem Französischen von Gustav Roßler; Matthes & Seitz Verlag)
„Geschickter Netzwerker“: Jasmin Welke über die Karriere des Altertumswissenschaftlers Helmut Berve. „Helmut Berve ist heute nur noch im Fach Alte Geschichte ein geläufiger Name. Seine einst viel gelesene Griechische Geschichte, die in zwei Bänden am Ende der Weimarer Republik herauskam und nach dem Krieg im Taschenbuch weite Verbreitung fand, ist aus dem Lektürekanon verschwunden, und Studenten können mit der zugleich herben und durch Ergriffenheit erhobenen Prosa, die Glauben und Gefolgschaft erheischt, zugleich wundervolle Vignetten enthält, kaum mehr etwas anfangen. Umso mehr bedarf es historischer Klärung und Kontextualisierung. Beides leistet die gediegene, auf gründliche Archivarbeit gestützte Biographie von Jasmin Welke.“
- Jasmin Welte, Helmut Berve und die Alte Geschichte. Eine deutsche Biographie. (hrsg. von C. Güthenke, D. Barbu, K. Schlapbach; Schwabe Verlag)
„Ein langer Kampf an vielen Fronten“: Benno Gammerl schreibt eine Geschichte der Emanzipation queerer Menschen in Deutschland seit dem Kaiserreich. „Die Komplexität des Themas bricht Gammerl zu einem verständlichen, gut lesbaren Text herunter. Das hat jedoch zur Folge, dass sein Buch, so als solle man ja nichts missverstehen, an einigen Stellen redundant wirkt, wohingegen man sich an anderen etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.“
- Benno Gammerl, Queer. Eine deutsche Geschichte vom Kaiserreich bis heute. (Carl Hanser Verlag)
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heute nichts
„Wir und unser Halbtagsgrauen“: Kathrin Röggla wählt in Laufendes Verfahren eine glücklose Konstruktion, um vom NSU-Prozess zu erzählen. „(…) Kathrin Röggla weiß zu formulieren, aber sie verliert sich gegen ihre Gewohnheit in einem Rollenspiel, das nicht in Fahrt kommt. Und wenn doch, dann droht peinlicher Humor. So sinnvoll es ist, einen Betroffenheitston zu vermeiden, und das ist sicher ein Ziel des Konstrukts, so glücklos bleibt hier die leichte Hand.“
- Kathrin Röggla, Laufendes Verfahren. (S. Fischer)