Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Ordnung ins Naturreich bringen“: Klassifizieren kommt vor erzählen: Gunnar Brobergs Biographie Carl von Linnés beleuchtet alle Facetten des Lebens eines Forschers von großer Wirkung. „Seine Lebendigkeit gewinnt Brobergs Porträt dadurch, dass es durchgehend Linné und seine Zeitgenossen selbst zu Wort kommen lässt.“
- Gunnar Broberg, The Man Who Organized Nature. The Life of Linnaeus. (aus dem Schwedischen von Anna Paterson; Princeton University Press)
„Auf dem Weg zu einem sehr diversen Angebot“: Episoden einer langen Geschichte: Hubert Locher versammelt und erläutert kunsttheoretische Texte. „In der damit benannten Zeitspanne von 2.500 Jahren entwickelte sich eine europäische Tradition des Nachdenkens über die Kunst, die uns heute in der Gestalt von unzähligen Texten zur Verfügung steht. Aus diesem Fundus hat Locher um die hundert ausgewählt und erläutert. Dabei bemüht er sich, den Gehalt der jeweiligen Theorien ohne modischen Jargon klar und deutlich zu rekonstruieren, sodass seine Ausführungen auch von Laien ohne Weiteres verstanden werden können.“
- Hubert Locher, Kunsttheorie. Von der Antike bis zur Gegenwart. (C. H. Beck Verlag)
„Illusionen locken überall“: Statt Liberalismus: Der Philosoph Raymond Geuss im Clinch mit Weltanschauungen. „Der amerikanisch-britische Philosoph, der eine fein geschliffene Feder führt, hat sich als skeptischer Freigeist einen Namen gemacht hat. Darum mag es verwundern, dass die Antwort auf die Titelfrage beinahe so etwas wie eine anthropologische Wesensaussage einschließt. Das menschliche Leben, so lässt sich dem älteren Buch entnehmen, sei durch das stets wiederkehrende Bedürfnis charakterisiert, in einer „imaginären Einheit“ aufgehoben zu sein, und durch das ebenso immer wiederkehrende Scheitern aller Bemühungen, dieses Bedürfnis zu befriedigen.“
- Raymond Geuss, Nicht wie ein Liberaler denken (aus dem Englischen von Karin Wördemann; Suhrkamp Verlag)
- Raymond Geuss, Über die Arbeitr. Ein Essay. (aus dem Englischen von Martin Bauer; Hamburger Edition)
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„Höre, Europa“: Im Syrienkrieg ging die behütete Bibliothek seines Vaters in Flammen auf. Eines der wenigen Bücher, die er gerettet hat, macht Rafik Schami jetzt zu einem neuen Roman. Auf einen Kaffee mit einem leidenschaftlichen Erzähler. „Gedacht war das Buch als Liebeserklärung an seinen Vater. Doch es ist auch eine Liebeserklärung an die hohe Kunst der Hakawatis, der mündlichen Geschichtenerzähler. Schami erinnert an die Ursprünge des mündlichen Erzählens (…)“
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Rafik Schami, Wenn du erzählst, erblüht die Wüste. Roman. (Hanser)
„Wie in einem Gemälde“: Die „Colombe d’Or“ im Hinterland der Côte d’Azur verfügt über eine erlesene Kunstsammlung. Dass berühmte Maler mit den Werken ihr Essen bezahlten, dürfte wohl eine Legende sein.
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Martine Buchet/Prosper Assouline, Prosper Assouline La Colombe d’Or. (Saint Paul de Vence Relié)
„Sie hört zu“: Ein Bilderbuch zum 50. Geburtstag von Momo erzählt zauberhaft von Achtsamkeit – lässt den berühmten Kampf mit den „grauen Herren“ aber einfach weg. Geht das? „Man muss hier gar nicht mangelnde Werktreue beklagen, aber einfach die ‚grauen Herren‘ wegzulassen und damit alles zu eliminieren, was es uns so schwer macht, allzeit achtsam und gegenwärtig zu leben, wirkt auch für ein Kinderbuch ein wenig entrückt.“
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Michael Ende, Momo. (Textbearbeitung von Uwe-Michael Gutzschhahn, mit Bildern von Simona Ceccarelli; Thienemann-Esslinger)
„Und Krähen krächzen winterkalt“: Ein neues Hörspiel zeigt, wie klangvoll Momo ist. „Die Jubiläumsproduktion Momo – Das Hörspiel ist nach der gleichnamigen WDR-Produktion von 2013 die zweite Adaption von Endes Buch. Dem hochkarätigen Sprecherensemble von damals rund um Karin Anselm und Rufus Beck steht das jetzige in nichts nach. Steffen Scheumann und Pascal Houdus sind als Momos erwachsene Freunde neben Andreas Fröhlich als wunderbar altersweisem Meister Hora die männlichen Sympathieträger.“
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Michael Ende, Momo – Das Hörspiel. (mit Friedhelm Ptok, Paula Drescher, Andreas Fröhlich u.a.. Silberfisch im Hörbuch Hamburg Verlag)
„Polyphonie des Grauens“: Emmanuel Carrères Reportage über den gigantischen Gerichtsprozess zu den Pariser Attentaten von 2015 lässt konsequent allein die Opfer zu Wort kommen. „Auf manche Frage gibt Carrères Buch Antworten, bei anderen bleibt das Fragezeichen unvermeidlich stehen. Viel mehr als ein Buch der Antworten ist Carrères Buch nämlich eines des Zuhörens. Mit tastender Sensibilität schreibt er sich Woche für Woche, Monat für Monat in das blutende Herz dieses Prozesses hinein.“
- Emmanuel Carrère, V13. Die Terroranschläge in Paris. Gerichtsreportage. (a. d. Franz. v. Claudia Hamm; Matthes und Seitz)
„Die Hoffnung stirbt“: Christoph Nix’ Kongotopia, ein nachtdunkler Burundi-Roman. „Kongotopia ist ein nachtdunkler Roman, selbst die kleinen Räume für Hoffnung scheinen sich alle zu schließen. Es gibt nur Machthaber, die schlimm oder etwas weniger schlimm sind. Gierig oder etwas weniger gierig. Aber besonders mörderisch, wenn sie Angst haben um ihre Pfründe und ihr Leben (Ähnlichkeiten mit Russland sind gewiss rein zufällig).“
- Christoph Nix, Kongotopia. Roman. (Edition Königstuhl)