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Umgeblättert heute: „Bedenkenswert und bisweilen alarmierend“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Groteske Vorstellung von der Güte des Menschen“: Als hätte Sigmund Freud das Exposé geschrieben: Arnon Grünbergs Roman Gstaad über einen Hochstapler. „Was Grünberg berichtet, geht aber über den Charakter der Provokation hinaus; die psychologischen Motive hinter den Ereignissen sind erkenntnisreich. Sie schlüsseln den Lebenslauf des Subjekts auf.“

  • Arnon Grünberg, Gstaad. Roman. (aus dem Niederländischen von Rainer Kersten; Die Andere Bibliothek)

„Von weißen Feministinnen gab es nichts zu lernen“: Natasha A. Kelly legt eine Kulturgeschichte schwarzer Frauen in Deutschland vor. „Es ist schade, dass diesem Buch seine Rechercheleistung so wenig anzusehen ist. Zunächst meint man, „Schwarz. Deutsch. Weiblich“ sei womöglich eine weitere Autobiografie zum Thema Rassismus, wogegen ja nichts spricht. Dennoch steckt viel mehr drin. Natasha A. Kelly, Wissenschaftlerin mit politischer Erfahrung, hat nicht bloß ein feministisches Buch vorgelegt, sondern eine von persönlichen Erlebnissen angeregte, aufwendig recherchierte Kulturgeschichte schwarzer Frauen in Deutschland vom siebzehnten Jahrhundert bis heute.“

  • Natasha A. Kelly, Schwarz. Deutsch.Weiblich. Warum Feminismus mehr als Geschlechtergerechtigkeit fordern muss. (Piper Verlag)

„Täterschaftskontinuität“: Paul Brodowsky stellt in seinem Roman Väter die Frage nach dem Fortwirken des NS-Erziehungserbes. „Paul Brodowskys beunruhigte Frage nach dem Fortwirken des NS-Erziehungserbes ist (auch literarisch) hoch­relevant, und die Antworten, die er gibt, sind bedenkenswert und bisweilen alarmierend. Als Roman funktioniert der Text, dessen Entstehung als ‚Faltengebirge‘ der Leser ebenso metanarrativ mitverfolgen kann, indes nicht richtig: Es fehlt recht eigentlich an einem Plot, oft gerät das Erzählen darüber etwas zu akademisch, und die Sprünge zwischen den Zeitebenen sind hin und wieder nicht ganz nachvollziehbar.“

  • Paul Brodowsky, Väter. Roman. (Suhrkamp Verlag)

„‚Erinnerungskultur birgt auch Gefahren’“: Der palästinensische Autor Raja Shehadeh könnte den National Book Award gewinnen. Ein Gespräch mit seiner Verlegerin Judith Gurewich.

„Die Raucher-WG“: In Monika Marons Roman Das Haus zieht eine Gruppe Senioren aufs Land. Ihre Lebensrückblicke sind oft bitter, aber der Ton der Erzählung ist sanft. „Vertraut sind diese Gestalten und ihre Erlebnisse, vor allem für Menschen desselben Alters. Ein Buch für junge Leute ist Das Haus kaum, für Ältere wird das Wiedererkennen groß sein, so wie es in allen späten Büchern Monika Marons der Fall ist.“

  • Monika Maron, Das Haus. Roman (Verlag Hoffmann und Campe)

„Wir dulden einander“: Unser Leben im Passagierstatus: Marlene Streeruwitz’ aufschlussreicher Versuch über die Toleranz. „Ich hatte natürlich erwartet, ein Lamento zu lesen über den immer offensiver proklamierten Verzicht auf Toleranz zugunsten der Durchsetzung der eigenen Meinung. Aber Marlene Streeruwitz setzt ganz anders ein: Mit einem Flug nach New York. Sie erinnert mich daran, dass Toleranz, die Fähigkeit den anderen zu ertragen, keine besondere Tugend ist, sondern das Allerselbstverständlichste. Wir praktizieren sie auf jedem Flug.“

  • Marlene Streeruwitz, Gedankenspiele über die Toleranz (Droschl Verlag)
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