Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Brennende Schande für einen Wurm“: Science-Fiction aus dem Jahr 1901 mit biblischer und mythischer Besetzung: Matthew Phipps Shiels Die Purpurne Wolke. „Wir brauchen heute die ätzenden Romane von Herman Melville, Joseph Conrad, Jack London über Habgier, Zweifel, Wut, Hass und Einsamkeit. Sie lehren Selbsterkenntnis. Die purpurne Wolke hingegen vernebelt den Verstand.“
- Matthew Phipps Shiel, Die Purpurne Wolke (aus dem Amerikanischen von Peter Torberg, Nachwort von Dietmar Dath; Die Andere Bibliothek)
„Zu Pferd in Troja“: Abschied vom Musenberg: Franz Grillparzer hielt 1843 im Tagebuch seine Reise nach Osteuropa und Asien fest. Jetzt erscheint sie in einem bestens kommentierten Band. „Der schmale Band ist hervorragend kommentiert, noch der kleinsten biographischen, topographischen und literarischen Spur wird nachgegangen, und indem ein Bild nicht nur dieser Reise, sondern auch des damaligen Reisens überhaupt entsteht, liest man die Notate des unzufriedenen Dichters mit Gewinn.“
- Franz Grillparzer, Das habe ich mir anders vorgestellt. Tagebuch auf der Reise nach Griechenland. (Jung und Jung Verlag)
„Jungfräulichkeit wird unterschätzt“: Monika Helfers neuer Roman erzählt von einer nach langer Zeit wiederaufgenommenen Frauenfreundschaft. „Mit Büchern über ihre Familie ist Monika Helfer berühmt geworden. Mit Die Bagage gelang ihr 2020 der literarische Durchbruch. Geschrieben hat die österreichische Autorin aber schon viel länger. Und ihr neuer Roman, Die Jungfrau, handelt nun nicht nur über eine inspirierende Frauenfreundschaft, sondern auch über das, was die Jahre überdauert.“
- Monika Helfer, Die Jungfrau. Roman (Hanser Verlag)
„Begehrtwerden ist die gesellschaftliche Wasserwaage“: Keine schöne Zeit, diese Jugend in Zweifel und Selbsthass: Teresa Ciabattis desillusionierender Romanblick aufs italienische Frauenselbstbild. „Den thematischen und zeitlichen Sprüngen zu folgen, noch dazu in einem Stil, in dem die Erzählerin mal in der zweiten Person mit sich selbst, mal mit ihren Lesern spricht, um dann zur klassischen Erzählung zurückzukommen, strengt an manchen Stellen zwar an. Aber es ist erfrischend, von einer Frau zu lesen, die die gesellschaftlichen Zwänge, die ihr auferlegt werden, nicht als gute Feministin ablehnt, sondern sie zu ihren eigenen Gunsten zu erfüllen versucht und uns damit umso mehr zeigt, wie absurd diese eigentlich sind.“
- Teresa Ciabatti, Die schönen Jahre (aus dem Italienischen von Christiane von Bechtolsheim; dtv Verlag)
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„Werk des Staunens“: Etwas Neues im Leben: Albert von Schirndings atemberaubende Reflexionen über das Alter. „Schirnding wird in zwei Jahren 90, er ist nach Ausweis seines neuesten Buches bei strahlenden Geisteskräften, und er hat jetzt in diesem kleinen, leichten und tiefsinnigen Buch seine Beobachtungschance genutzt. (…) Alter Mann, was nun? ist, und das macht es so großartig, kein Werk der Klage, sondern des Staunens.“
- Albert von Schirnding, Alter Mann, was nun? Gedankengänge auf späten Wegen (Verlag C. H. Beck)
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„Wenn alles trocken ist, müssen wir sterben“: Annie Proulx erzählt in Moorland vom Schicksal der Feuchtgebiete. „Die Beschreibung von Schönheit und Fülle aber kommt bei Annie Proulx, der wortmächtigen Schriftstellerin, in Moorland erstaunlich kurz. Stattdessen verweist sie etwa auf die Fotografien von Wolfgang Bartels. Dafür macht sie mit Nachdruck deutlich, wie überlebensnotwendig Feuchtgebiete nicht nur für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sondern für die Menschheit sind. Aber wie schwierig – unmöglich? – es ist, sie wiederherzustellen.“
- Annie Proulx, Moorland (a. d. Engl. von Thomas Gunkel; Luchterhand)