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Umgeblättert heute: „Ein kluger Roman, der ein Exempel statuiert“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Natur lässt sich nicht kontrollieren“: Nataša Kramberger lebt als Schriftstellerin in Berlin und als Bäuerin in Slowenien. Ihr Essay Mauerpfeffer, geschrieben unter dem Eindruck der Unwetter im Sommer, hat uns auch angesichts der Bauernproteste in diesem Winter etwas zu sagen. „‚Für Öko ist es einfach zu spät‘, sagt ihr ein Nachbar einmal: Der Produktionsdruck und das Subventionssystem machten diesen Schritt inzwischen unmöglich. Ein Satz, der nicht nur bei der Essayistin auf eine Mischung aus Widerstand und Mitgefühl stößt. In seiner Verzweiflung geht er auch dem Leser angesichts der aktuellen Bauernproteste hierzulande nicht aus dem Kopf.“

  • Nataša Kramberger, Mauerpfeffer. Essay. (aus dem Slowenischen von Liza Lind; Verbrecher Verlag)

„Das ist brutal“: Verspielt, aber keineswegs harmlos: In ihrem Prosaband Minihorror schildert die 1980 in Belgrad geborene Barbi Marković das wahnhafte Erleben eines Liebespaares in Wien. „Wie verspielt, aber keineswegs harmlos die Poetik der 1980 in Belgrad geborenen Barbi Marković ist, zeigt sich auch noch an ‚Bonusmaterial‘, das dann doch Ansätze zur Graphic Novel aufweist. So kurz diese (Miki- und) Miniaturen sind, erzeugen auch sie bisweilen Maxihorror.“

  • Barbi Marković, Minihorror (Residenz Verlag)

„Länger dienen mit Löschsalbe“: Ist nicht sowieso schon immer alles Zitat? Jörg Schiekes neuer Gedichtband Silverman schickt mich spielt mit dieser Erkenntnis gewitzt und hochmusikalisch. „‚Ist nicht sowieso schon / immer alles Zitat?‘ Irgendwie ja. Aber wenn man die Zitate so geschickt neu arrangiert, wenn man mit ihnen spielt und derart in Schwingung versetzt, wie Jörg Schieke es tut, hochmusikalisch und überaus gewitzt, dann tanzen selbst die Lädies auf dem Klingeldraht und rufen: Auf nach Bolivien, Bolafente!“

  • Jörg Schieke, Silverman schickt mich (Verlag Poetenladen)

„Auskunft über einen alten weißen Mann“: Sich häuten und doch dieselbe Schlange bleiben? Annette Mingels hat mit Der letzte Liebende einen klugen Roman geschrieben, der ein Exempel statuiert. „Annette Mingels hat ein kluges Buch geschrieben, das die Chance zur Versöhnlichkeit anbietet.“

  • Annette Mingels, Der letzte Liebende (Penguin Verlag)

„Wirre Maschen und starrer Sinn“: Der Piper-Verlag ändert den aktuellen Best­seller der Kabarettistin Monika Gruber nur minimal. Echte Ruhe dürfte deshalb eher nicht einkehren. „Im Streit zwischen einer Buchbloggerin und der bayerischen Kabarettistin Monika Gruber hat der Piper-Verlag jetzt die angekündigte Konsequenz gezogen. Die neue Auflage von Grubers im November erschienenen Bestseller Willkommen im falschen Film – Neues vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten wurde geändert – allerdings eher minimal. In dem Buch machte sich Gruber über die Bloggerin Roma Maria Mukherjee lustig samt Spekulationen über deren Namen im Zusammenhang mit hanebüchenen Nazireferenzen. Jetzt ist der Name der Bloggerin, die rassistische und ehrverletzende Behauptungen beklagte, geschwärzt. Inhaltlich bleibt sonst alles im Grunde gleich.“

„Lebenslänglich im Exil“: Jean Amérys Essays zum Neuen Antisemitismus mit Texten aus den 1970er Jahren lesen sich markerschütternd aktuell. „Im Klett-Cotta Verlag ist gerade unter dem Titel Der neue Antisemitismus ein Band mit sieben Essays von Jean Améry erschienen, die er zwischen 1969 und 1978 zu der Frage des Judentums und des Judeseins verfasst hat. Hat man sie gelesen, so scheinen sie wie für den heutigen Tag verfasst, vermerkt Irene Heidelberger-Leonhard in ihrem Vorwort zu dem Band. In der Tat wirken sie so, als wären sie ein Kommentar zu den neuen antijudaischen und antisemitischen Äußerungen einerseits und zu den Bekenntnissen, die Existenz des Staates Israels bedingungslos verteidigen zu wollen andererseits.“

  • Jean Améry, Der neue Antisemitismus (Klett Cotta)
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