Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Ich war ein Sohn, jetzt bin ich keiner mehr“: Perspektivenwechsel bei Didier Eribon: Sein neues Buch prangert am Beispiel seiner Mutter die gezielte Vernachlässigung alter Menschen an. „Eribon sieht in der strukturellen Misshandlung und institutionellen Gewalt schwere Verletzungen der Grundrechte alter Menschen.“
- Didier Eribon, Eine Arbeiterin. Leben, Alter und Sterben (aus dem Französischen von Sonja Finck; Suhrkamp Verlag)
„Das Wachs der rosigen Zeiten“: Ausgewählte Gedichte von Jürgen Theobaldy, der heute achtzig wird. „Hier wird schmucklos, ohne Kommentar, ein soziales Faktum referiert: Was Theobaldy zu sagen hat, steht nicht zwischen, sondern in den Zeilen, und die gleichwohl spürbare poetische Aura wird nur durch das Wort ‚Arbeiterklasse‘ gestört – ein Fingerzeig auf die Entstehungszeit um 1968.“
- Jürgen Theobaldy, Nun wird es hell und du gehst raus. Ausgewählte Gedichte. (Nachwort von Helmut Böttiger; Wallstein Verlag)
„Selbste in Lebendhirn“: Keine Offenbarung nach der Enthüllung: Marcia Nardis Gedichte. „Nur weil eine Dichterin vergessen wurde, ist sie noch keine gute Dichterin. Mit den großen Dichterinnen der „confessional poetry“ hat Nardi nichts zu tun, auch wenn ihre Lyrik sehr ich-zentriert ist. Stellenweise, und da verschlimmert die Übersetzung dann nur wenig, tragen ihre Verse und Bilder eher pubertäre Züge (…). Man kann auch bei der Lektüre dieser Gedichte einen gewissen Fluchtimpuls nicht unterdrücken.“
- Marcia Nardi, Gesammelte Gedichte. (aus dem Englischen von Stefan Ripplinger; Zero sharp Verlag)
„Was Blurbs uns verraten – und verschweigen“: Der Spruch auf dem Buchrücken oder auf der Umschlagklappe soll werben und informieren. Aber der „Blurb“ ist eine Geheimsprache. Hier folgt die Auflösung. „Klappentexte – ‚blurbs‘ auf Englisch – sind ein Genre für sich. Sie befinden sich auf Buchumschlägen, werden von der Presseabteilung der Verlage, von Kollegen oder Kritikern verfasst und erfüllen einen doppelten Zweck: Sie sollen über den Inhalt informieren und zum Buchkauf animieren. Doch sagen diese Texte denn immer, was sie meinen? Hier ein Glossar als Übersetzungshilfe.“
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„Das Leben geht schon ziemlich oft schlecht aus“: Joy Williams’ großartiger Roman In der Gnade erscheint auf Deutsch mit 50-jähriger Verspätung, aber in einer knallfrischen Übersetzung von Julia Wolf. „Vor mehr als 50 Jahren, im fernen 1973, ist der Roman State of Grace von Joy Williams in den USA veröffentlicht worden. Jetzt taucht er – zu ihrem 80. Geburtstag Mitte Februar – wie eine Sternschnuppe auf dem deutschen Buchmarkt auf. Und gleich drängt sich eine vertraute Frage auf: Wie viele gute Bücher aus New York-Rio-Tokio mögen täglich unerkannt vorüberziehen, wenn selbst ein solch sehr gutes Werk derart lange Zeit ignoriert werden kann.“
- Joy Williams, In der Gnade. Roman. (a. d. Engl. von Julia Wolf; dtv)