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„Kunst ist an sich widerständig“

Die Teilnehmer:innen, Referent:innen und Organisator:innen des 15. Workshops der Stiftung Illustration vor dem Bilderbuchmuseum in Troisdorf

Am vergangenen Freitag und Samstag fand im Bilderbuchmuseum in Troisdorf der 15. Workshop der Stiftung Illustration unter dem Titel „Weiter hinschauen! Noch mehr denken! Besser machen?“ statt. Rund 40 Teilnehmerinnen hörten den Beiträgen der Referentinnen zu und konnten bei einem Tagungspunkt auch selbst kreativ werden. Wie im Vorjahr ging es darum, zu hinterfragen, wie das Politische sich in Illustrationen entfalten und etwas bewirken kann, wie im Vorjahr hatte die Journalistin und Autorin Christine Knödler das Programm zusammengestellt und die Moderation übernommen.

Anna-Lisa Plettenberg, Anne Leichtfuß

Zum Auftakt sprach Ohrenkuss-Redakteurin Anne Leichtfuß (www.ohrenkuss.de) über Leichte Sprache. Das Buchangebot in Leichter Sprache sei bislang überschaubar, obwohl die Zielgruppe etwa 17 Millionen Menschen umfasse. Und die Illustrationen in den vorhandenen Büchern seien leider häufig „ein Trauerspiel“. Anne Leichtfuß stellte einige Illustrator:innen vor, mit denen das Ohrenkuss-Team bereits zusammengearbeitet hat bzw. die ihr positiv aufgefallen sind, darunter Vincent Burmeister, Simone Fass und Diana Schackow. Ohrenkuss-Autorin Anna-Lisa Plettenberg las Texte aus dem Magazin.

Alea Horst

Alea Horst (www.alea-ev.org) gab Einblick in ihre Arbeit im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos und in vielen anderen Krisengebieten der Welt. Sie sei naiv an ihre dortigen ehrenamtlichen Aufgaben herangegangen, mit der Intention, einfach etwas tun zu wollen. Bis zu ihren ersten Einsatz hatte sie als erfolgreiche Hochzeitsfotografin gearbeitet. Und ihr gelerntes Handwerk setzte sie dann für ein Buch ein, das bei Klett Kinderbuch erschienen ist: Manchmal male ich ein Haus für uns, mit Vignetten von Mehrdad Zaeri.

Applaus für Barbara Yelin

Barbara Yelin (www.barbarayelin.de) inspirierte die Teilnehmer:innen am Freitagnachmittag mit Impulsen für eigene kreative Arbeiten. Vom Selbstporträt-Zeichnen mit geschlossenen Augen bis hin zu kleinen Comicprojekten, die in Tandems entstand, verstand sie es, auch Menschen, die sonst nicht zeichnen, zu ermutigen, einfach loszulegen: „Kunst ist an sich widerständig“, erklärte sie, und „Das Zeichnen kann uns einen Raum geben, um uns zuzuhören.“

Markus Lefrançois, Claudia Pecher

Der Freitagabend gehörte der Eröffnung von zwei Ausstellungen in Troisdorf: Zum einen werden Werke gezeigt, die in zehn Jahren des Nachwuchs-Illustrator:innenwettbewerbs Serafina (https://www.akademie-kjl.de/preise-auszeichnungen/serafina/) nominiert und ausgezeichnet wurden, zum anderen gibt es einen Einblick in ausgezeichnete Werke des internationalen Wettbewerbs Picture this! (https://wwpbic.com), der ebenfalls zehnjähriges Jubiläum feiert. Rund um die Erfahrungen mit dem Serafina-Wettbewerb sprach Claudia Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendlteratur in Volkach mit Illustrator Markus Lefrançois. Literaturagentin Paula Peretti, die die deutschsprachige Sektion von Picture this! koordiniert, freute sich, dass alle drei Preisträger:innen mit Unterstützung der Stiftung Illustration in Troisdorf mit dabei waren: Mandy Dziubek, Susanna Koglin und Marc Ramage. Einen Überblick über alle Ausgezeichneten findet man hier: https://wwpbic.com/winners-2024/

Mandy Dziubek, Marc Ramage, Paula Peretti, Pauline Liesen, Susanna Koglin

Der Samstag startete mit Barbara Yelin, die Einblick in ihre Arbeit an der Graphic Novel Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung (Reprodukt) gab. Dafür hatte sie zahlreiche Interviews mit der in Israel lebenden Holocaust-Überlebenden Emmie Arbel geführt.

Merav Salomon

Merav Salomon (www.meravsalomon.com) schilderte eindrucksvoll, was der 7. Oktober 2023 für sie als israelische Illustratorin bedeutet: Nichts sei mehr wie zuvor, monatelang habe sie nicht arbeiten können, dennoch könne gerade das Bild eine wichtige Rolle übernehmen in Zeiten, in denen Worte versagen. Sie stellte eine Reihe von „Artivisten“ vor wie Zeev Engelmayer und Or Yogev sowie Projekte wie Innocence Disrupted und Wrapping Memories.

In der Remise des Bilderbuchmuseums

Vor allem bei den Vorträgen von Alea Horst, Barbara Yelin und Marev Salomon hätte man zeitweise eine Stecknadel fallen hören können in der Remise des Bilderbuchmuseums. Es waren immer wieder auch hoch emotionale Momente, die miteinander geteilt wurden. Dass dies in diesem Raum vertrauensvoll möglich war, dafür hatte Gastgeberin und Museumsdirektorin Pauline Liesen mit ihrem wunderbaren Team die Grundlage gelegt.

Lucia Zamolo

Lucia Zamolo (luciazamolo.de) fiel nach dem samstäglichen Mittagessen die Aufgabe zu, wieder zu alltäglicheren Herausforderungen überzuleiten, die in den Büchern eine Rolle spielen, die sie sowohl geschrieben als auch gezeichnet hat und die bei Bohem erschienen sind. Bei Titeln wie Rot ist doch schön oder zuletzt Und dann noch … Wie STRESS weniger stresst – fast ohne TOXIC TIPPS! rede sie im Grunde zunächst mit sich selbst, um das Thema dann auch für andere zu öffnen. Wie wichtig auch diese Arbeit ist, machte ein Wortbeitrag aus dem Publikum deutlich: Junge Menschen seien derzeit mit solch großen, globalen Problemen konfrontiert, dass ihnen die persönlichen Herausforderungen zuweilen bedeutungslos vorkämen – Bücher wie die von Lucia Zamolo aber gäben ihnen die Möglichkeit zu erkennen, dass diese ernstgenommen werden sollten und wichtig sind.

Tanja Raich

Den Abschluss bildete Tanja Raich, die seit zwei Jahren das Programm des Leykam Verlags leitet, der seither auch ein Kinder- und Jugendbuchprogramm hat. „Kunst muss dort hinschauen, wo es wehtut“, ist ihre Überzeugung.

Brauchen wir mehr engagierte Kinder- und Jugendbücher? So lautete eine der Fragen einer Abschlussrunde. Bilderbuchforscherin Eva Blickle antwortete: „Wir brauchen nicht mehr engagierte Bücher, sondern mehr Vermittlung.“ Nach einem Workshop wie dem in Troisdorf habe sie ganz neue Anregungen, um Bilder neu zu betrachten. Mehr über diese Tagung lesen Sie auch im Special Junge Zielgruppe im Oktober-BuchMarkt.

Text und Fotos: Susanna Wengeler

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