
Tobias Milbrandt ist Content Creator und betätigt sich seit 2023 als Veranstalter und Moderator von Lesungen in und um Berlin. 2025 gründete er sein Unternehmen kapado GmbH. In seinem Podcast »Sach Mal« führt Tobias seit 2023 Interviews mit verschiedenen Autoren. Sein erstes Buch Lesen ist deine Superkraft erscheint am 19.08. beim Redline Verlag. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie er zum Lesen gekommen ist und wie das seiner Ansicht nach auch andere Menschen mit begrenztem Zeitbudget schaffen können.
BuchMarkt: Sie erklären in Ihrem neuen Buch wie man im hektischen Alltag Zeit und Motivation zum Lesen findet. Haben Sie ein paar Tipps wie das gehen soll?
Tobias Milbrandt: Was mir hilft ist, Lesen in meinem Alltag fest zu integrieren. Abends vor dem Schlafengehen lese ich immer. Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer ein Buch dabei. Selbst die 10 Minuten in der Bahn oder in einem Wartezimmer sind gute Möglichkeiten, die heutzutage viele nicht nutzen. Auch die verschiedenen Möglichkeiten Bücher zu konsumieren kann jeder für sich zum eigenen Vorteil machen. Menschen die viel im Auto unterwegs sind, können Hörbücher hören, E-Books ermöglichen es in Welten einzutauchen und trotzdem mit leichten Gepäck zu reisen. Ehe Lesen bei mir zur Gewohnheit geworden ist, habe ich mir feste Zeiten in den Kalender eingetragen. Somit war Lesen für mich ein Termin wie ein Arztbesuch.
Trotzdem verteufeln Sie Ablenkungen wie Social Media nicht, sondern sagen, dass diese sogar zum Lesen beitragen können. Können Sie das genauer erläutern?
Social Media hilft uns, neue Menschen kennenzulernen, auf Themen zu stoßen, die wir bislang nicht kannten oder neue Impulse zu sammeln. Bücher sorgen weiterhin für Tiefe. Die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen für ein Thema, für das sich mein persönliches Umfeld nicht interessiert, ist durch Social Media deutlich einfacher geworden. Dadurch entdecke ich Bücher, von denen ich sonst nie etwas erfahren hätte. Gerade im Romance Bereich sieht die gesamte Branche sehr gut, mit welcher Begeisterung die Menschen das Lesen wieder für sich entdecken, alles vor allem durch BookTok.
Wenn ich mich bewusst zu einem bestimmten Thema informieren möchte und mich nicht von Katzen oder unsinnigen Videos ablenken lasse, ist die Kombi ein wirklich tolle Symbiose.
Wie sind Sie ganz persönlich zum Lesen gekommen und wie kommen Sie immer wieder dazu?
Tatsächlich erst sehr spät mit Ende 20. Hauptgrund war die Geburt meines ersten Kindes. Ich wollte finanziell vorsorgen, ohne auf dubiose Berater angewiesen sein zu müssen. Gleichzeitig wollte ich eine Vorbildrolle einnehmen und habe erkannt, da gibt es noch einige Baustellen. Als ich die ersten Finanzbücher gelesen hatte, habe ich erstmals bemerkt wie krass Bücher sind. In der Schule war Lesen ein notwendiges Übel, was mir aufgezwungen wurde, aber mit dem Lesen von Büchern zu Themen, die mich interessieren, war für mich ein großer Gamechanger. Ich kann ein Buch für wenig Geld erwerben und damit finanziell für mein restliches Leben solide vorsorgen. Durch das Thema Finanzen bin ich dann auf Themen wie Psychologie und weitere Themen gestoßen und seitdem bin ich vor allem ein sehr begeisterter Sachbuch-Leser und liebe es in verschiedene Themen einzutauchen. Alleine durch das Lesen von Büchern hat sich mein Leben komplett verändert. Früher war ich unglücklich in meiner Beziehung, unzufrieden in meinem Job als Beamter und hab wenig Perspektiven gehabt. Mittlerweile bin ich nicht mehr Beamter, sondern Unternehmer. Ich liebe es jeden Tag aufzustehen, weil mich das begeistert, was ich jeden Tag tue.
Darum ist es für mich auch ein Leichtes mich immer wieder zum Lesen zu motivieren.
Was möchten Sie noch ergänzen?
Mit meinem Buch möchte ich vor allem Werbung für das Lesen an sich machen. Früher war ich eher der Typ, der ins Fußballstadion gegangen ist und ein bis zwei Bier zuviel getrunken hat. Damals war Lesen für mich so weit weg, ebenso die Themen, die mich heute umtreiben. Daher hoffe ich auch Menschen zu erreichen, die bislang nicht die Superkraft vom Lesen erkannt haben. Darum ist es mir auch wichtig, auf Social Media vor allem locker und mit Humor an das Thema ranzugehen. Auch mit dem Veranstalten von Lesungen und der Kooperation mit den Bibliotheken hier in Berlin-Köpenick will ich möglichst viele Anknüpfungspunkte schaffen. In den letzten Jahren konnte ich schon einige Menschen bekehren, ich hoffe, dass es noch viele weitere in den nächsten Jahren werden.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg