Home > News > Alibri Verlag kritisiert Deutschen Verlagspreis und fordert „faire Verlagsförderung“

Alibri Verlag kritisiert Deutschen Verlagspreis und fordert „faire Verlagsförderung“

Der Geschäftsführer des Alibri Verlags Gunnar Schedel hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in einem Brief aufgefordert, den „Deutschen Verlagspreis“ abzuschaffen und stattdessen eine faire Verlagsförderung einzurichten. Die ungleiche Vergabepraxis der vergangenen Jahre habe bereits zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft geführt und gefährde damit die Vielfalt kleiner, unabhängiger Verlage. Es sei eine Anmaßung, wenn der Staat davon ausgehe, dass Jurys „innerhalb von Minuten über die Förderungswürdigkeit von Verlagen, von denen sie in der Regel nicht mal ein Buch gelesen haben dürften“, seriös entscheiden könnten.

Rund 60 Verlage wurden in den vergangenen sieben Jahren mit Beträgen zwischen rund 50.000 und 100.000 Euro subventioniert, während zahlreiche andere aus dem Topf „Verlagspreis“ überhaupt nichts erhielten.

Beim „Deutschen Verlagspreis“ handelt es sich nach Auffassung des Alibri Verlags nicht um einen Preis im eigentlichen Sinne, sondern um eine „Subvention“. Als Argument wird angeführt, dass die Vergabe an die 80 Preisträger:innen, die 18.000 Euro erhalten, mit keinerlei Begründung versehen ist, also völlig intransparent erfolge. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass eine echte Prüfung der Verlagsleistung überhaupt stattfinde. „Selbst wenn die Jury nur eine Stunde pro Verlag aufwenden würde, wären das bei etwa 250 Bewerbungen mehr als sechs Vollzeit-Arbeitswochen“, schreibt Schedel. Ganz abgesehen davon, dass in einer Stunde ohnehin nur eine oberflächlichste Bewertung verlegerischer Arbeit möglich wäre, erschiene nicht einmal eine zeitliche Investition in diesem Umfang für glaubwürdig.

Als Gegenmodell hat der Alibri Verlag bereits 2020 die Ablösung der Jury durch einen Zufallsgenerator ins Spiel gebracht. [Link: https://www.alibri.de/Blog/ArticleID/9]

Den vollen Wortlaut des Briefes an Dr. Wolfram Weimer finden Sie auf der Webseite des Verlags: https://www.alibri.de/Blog/ArticleID/404/Deutscher-Verlagspreis–Abschaffen.

Anzeige

3 Antworten

  1. Lieber Herr Schedel, Tipp lassen Sie es einfach, Bücher machen, Briefe schreiben oder anders ausgedrückt „Ihren typisch deutschen Neid und UnzufriedensFaktor auf Ego-Basis“

    1. Vielen Dank für Ihren Hinweis, aber wenn Sie unsere Kritiken seit 2020 gelesen und die dort angeführten Daten geprüft hätten, wäre Ihnen vielleicht eine qualifiziertere Stellungnahme gelungen, als der etwas primitive Ruf „Neid-Debatte“. Eine durch ungleich vergebene hohe fünfstellige Subventionsbeträge erzeugte Wettbewerbsungleichheit sollte in einer Demokratie zumindest begründet werden, am besten aber gar nicht auftreten.

    2. Es gibt außer Herrn Schedel viele Verlage (sowie andere im Buchmarkt), die ebenso überhaupt nicht nachvollziehen können, warum manche oft und viele gar nicht prämiert werden. Natürlich wünscht sich jeder den Preis – denn er ist bei vielen etwas, was ein Überleben und neue Innovation möglich macht. Die Tatsache, dass es in den letzten Jahren weniger Bewerbungen wurden, liegt nicht nur an weniger potentiellen Verlagen, sondern auch an der Frustration, nach dem xten Versuch wieder leer ausgegangen zu sein. Dann bewirbt man sich eben nicht mehr. Unter denen, die sich nicht erfolgreich beworben haben, sind Verlage, die von anderen Stellen für Ihre Bücher zahlreich ausgezeichnet wurden und auch die Kriterien der Ausschreibung (z.B. 4 Bücher/Jahr) eher erfüllen. Und enorm viele, die durch ihr Arbeit und Engagement soziales Engagement zeigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige