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Frankfurter Buchmesse schließt mit 238.000 Besuchenden ab

„Frankfurt Calling“: Die Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa (links) und der Autor und ehemalige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg (rechts) bei der Veranstaltung „Sicherheitspolitik und Menschenrechte – Handlungsspielräume in Zeiten von Krieg und Krisen“ am 17.10.2025 auf der Centre Stage. Moderation: Sebastian Puschner (der Freitag) (Foto: Gian-Luca Heiser, Frankfurter Buchmesse)

Die 77. Frankfurter Buchmesse (15.–19. Oktober 2025) wurde in diesem Jahr von 118.000 Fachbesucher:innen und 120.000 Privatbesucher:innen (2024: 115.000 Fachbesucher:innen und 115.000 Privatbesucher:innen) aus 131 Ländern (2024: 153 Länder; 2023: 130 Länder) frequentiert.

4.350 Aussteller:innen (2024: 4.300) präsentierten sich in den Messehallen. Mit insgesamt 591 Tischen im früh ausgebuchten Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) sowie im Publishers Rights Centre (PRC) waren beide Zentren nach Aussage der Veranstalter:innen stark nachgefragt (Vorjahr: 593 Tische). Mit Rechtehändler:innen von insgesamt 357 Agenturen und Verlagen aus 33 Ländern sowie mit 44.900 Eintritten seien auch die beiden Arbeitszentren für den internationalen Rechtehandel stark ausgelastet gewesen (Vorjahr: 355 Verlage und Agenturen und 38.000 Eintritte). 7.800 Medienvertreter:innen (Vorjahr: 7.500) registrierten sich, um über die mehr als 3.500 Veranstaltungen an den Fach- und Publikumstagen (2024: 3.300 Events) zu berichten.

„Wir schauen zurück auf fünf erfolgreiche und intensive Tage. Die Frankfurter Buchmesse bleibt auf Wachstumskurs. Wir haben erneut mehr Besucher:innen und mehr Aussteller:innen als im Vorjahr. Unsere Stärke ist, dass in Frankfurt Buchprofis und Literaturliebhaber:innen aus aller Welt zusammenkommen. Wir vereinen Marktplatz und Festival der Literatur“, sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

„In den letzten fünf Tagen war eine immense Lesebegeisterung zu spüren – besonders bei jungen Besucher:innen. Zugleich wurden zentrale Fragen der Zeit verhandelt, etwa der Umgang mit Künstlicher Intelligenz und der Verantwortung der Politik dabei. Diese einzigartige Verbindung von Wirtschaft und Kultur, Lesefest und Diskurs macht die Buchmesse zu einem Ort, der weit in die Gesellschaft wirkt,“ sagt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Frankfurt Calling als globaler Resonanzraum

Eindringliche Stimmen zu drängenden Themen: Das kulturpolitische Programm der Frankfurter Buchmesse, Frankfurt Calling, brachte an allen Messetagen auf der neuen Centre Stage internationale Perspektiven zusammen. Hier diskutierten u.a. Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa und der ehemalige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg über digitale Desinformation im Zeitalter von Social Media und KI. Ressa sagte: „Wir befinden uns in den letzten zwei Minuten eines Informations-Armageddon.“ Stoltenberg betonte: „Wir alle tragen Verantwortung, unabhängige Medien zu unterstützen.“

Der Book-to-Screen Day 2025 unterstrich die wachsende Bedeutung von Stoffentwicklungen zwischen Verlagen, Agenturen, Games-Studios und der Film- und Serienbranche. Über 500 Teilnehmer:innen diskutierten bei Panels, Pitchings und Matchmaking-Formaten über erfolgreiche Adaptionen. Besonders gefragt war die Session zu „22 Bahnen“ mit Caroline Wahl. Der große Zuspruch zeigte: Der Austausch zwischen Buch, Film und neuen Erzählformaten wird intensiver – und die Frankfurter Buchmesse stärkt ihn gezielt, so die Veranstaltenden. Das anhaltende Wachstum des globalen Hörbuchmarkts spiegelte sich im erweiterten Frankfurt Audio Areal wider. Beim Fachprogramm stießen vor allem die Sessions von Spotify und Audible auf großes Interesse. Auf der Fabely Hörbuchbühne sowie weiteren Bühnen trafen bekannte Stimmen und Autor:innen wie Rufus Beck, Sebastian Fitzek und Josi Wismar Hörbuch- und Podcastfans.

Von Workflows bis Wirklichkeit: Die Buchbranche im KI-Diskurs

„Mensch und / oder Maschine?“ – dieser Frage wurde auf der Messe aus allen Blickwinkeln nachgegangen: praktisch, ethisch und politisch. Im Fachprogramm zeigte sich der Diskurs rund um KI im Verlagswesen lösungsorientiert und optimistisch. So wurden auf der Innovation Stage neue Lizenzierungsmodelle und effizientere Workflows dank KI diskutiert. Dagegen standen im Zentrum Wort – Bühne für Literatur und Übersetzung – Fragen nach Regulierung und fairer Vergütung im Fokus. Dort ließen sich Übersetzer:innen mit und ohne KI über die Schulter schauen. Im Forum Bildung wurde Medienbildung im Zeitalter von KI als zentrale Zukunftskompetenz hervorgehoben. Und auf der Centre Stage stellte sich die große Frage: „Who controls reality?“ Melissa Fleming (Under-Secretary-General for Global Communications, United Nations) warnte: Wer verstehe, wie man Algorithmen für sich nutzt, könne Stimmen verstärken, Narrative verzerren und so die gemeinsame Wirklichkeit verschieben.

Ehrengast Philippinen

Von zeitgenössischer Literatur über indigene Erzähltraditionen bis hin zu mutigen literarischen und journalistischen Stimmen, die zu gesellschaftspolitischen Themen sprachen: Das Programm des Ehrengasts 2025, den Philippinen, zeigte in Frankfurt Kreativität, Mut und Widerstandskraft philippinischer Autor:innen und Illustrator:innen.

Mit der „Jeepney Journey“ brachten das Stadtmarketing Frankfurt und die Frankfurter Buchmesse Straßenfest-Stimmung in die Frankfurter Innenstadt. Der einzige Jeepney Deutschlands wurde zum Publikumsmagneten: Mehr als 10.000 Menschen, viele aus den philippinischen Communities, kamen in der Buchmessewoche auf den Frankfurter Roßmarkt. Bei Hip-Hop, Streetfood und Lesungen entstand rund um das ikonische Fahrzeug ein internationales Straßenfestival.

Am Messesonntag endete der Ehrengast-Auftritt der Philippinen mit der GastRollen-Übergabe an Tschechien, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026, die unter dem Motto „Tschechien: ein Land an der Küste“ ihre Literatur und Kultur präsentieren werden.

„An den Publikumstagen zeigte sich die Frankfurter Buchmesse erneut als lebendiges Literaturfestival für alle Generationen“, so das Fazit der Messe. Autor:innen und Fans kamen dort überall in den direkten Austausch. Die Begeisterung für Geschichten war auf dem gesamten Messegelände spürbar. Besonders in Halle 1.2 und der Festhalle zeigte sich der Convention-Charakter: Zahlreiche Signierstunden führten zu langen Schlangen. Einige Fans sicherten sich schon früh mit Klappstühlen ihre Plätze. So wurde die Buchmesse erneut zum Zentrum lebendiger Lesekultur.

Die 78. Frankfurter Buchmesse findet vom 7. bis 11. Oktober 2026 statt.

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