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Gendern mit &-Zeichen: Ein Vorschlag zur Güte

Christian Stang ist Fachbuchautor und Rechtschreibexperte. In einem Leserbrief in der österreichischen Zeitung „Die Presse“ hat er zuletzt einen Vorschlag gemacht, welchen Kompromiss es in der Gender-Debatte geben könnte. Bei BuchMarkt erläutert er diesen ausführlich:

Die Befürworter und Gegner der geschlechtersensiblen Sprache – des Genderns – stehen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber. In der hitzig geführten Debatte scheint sich jedoch abzuzeichnen, dass beide Lager in der Verwendung von Doppelformen wie Leserinnen und Leser, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Bürgerinnen und Bürger – um nur einmal drei typische Beispiele im Plural zu nennen – eine Art Modus Vivendi finden könnten … jedoch wohl (nur) unter der Voraussetzung, dass sich auch das dritte Geschlecht in derartigen Doppelformen widerspiegelt.
Hier könnte meines Erachtens eines der vom Rat für deutsche Rechtschreibung im aktuellen Amtlichen Regelwerk genannten „Sonderzeichen“ Abhilfe schaffen, nämlich das kaufmännische Und (auch Kaufmanns-Und oder Et-Zeichen genannt).

(Foto: typolexikon.de)

Das typografische Zeichen wird heutzutage zur Verbindung zweier Firmennamen verwendet. Lindt & Sprüngli mögen als Beispiel genügen. Auch bei der Wiedergabe von Rechtsformen ist es anzutreffen: XYZ GmbH & Co. KG.
Aus typografischen Gründen erlebt das kaufmännische Und jedoch auch eine Renaissance in Titeln und Überschriften wie Elefant, Tiger & Co., wobei hier anzumerken ist, dass im Falle von und Co[.] das aktuelle Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung den Verzicht auf das „Sonderzeichen“ vorsieht, was wohl nur wenigen bekannt sein dürfte. (Dass die Fernsehserie der Eigennamenregelung unterliegt, die ersten Folgen bereits weit vor dem Inkrafttreten des aktuellen Amtlichen Regelwerks ausgestrahlt worden sind und die derzeitigen „Schreib- und Gestaltungsregeln für die Text- und Informationsverarbeitung“ – DIN 5008:2020 – nichts gegen den Gebrauch in derartigen Fällen einzuwenden haben, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.)

Friedrich Forssman & Ralf de Jong (das Et-Zeichen sei an dieser Stelle gestattet) weisen in ihrer verdienstvollen „Detailtypografie“ auch auf den „offiziellen“ Gebrauch des Et-Zeichens in Firmennamen hin – jedoch nicht um auf die allgemeine Anmerkung zu verzichten, dass es nach ihrer Ansicht „auch sonst, wo es Spaß macht“, benutzt werden dürfe.

Das kaufmännische Und ist wohl ausnahmslos kürzer als das ausgeschriebene Wort und; durch das Drücken zweier Tasten kann es auf jeder gängigen Tastatur problemlos und schnell erzeugt werden.

Und: Es ist so weit verbreitet, dass man wohl davon ausgehen darf, dass die Bedeutung der Ligatur großen Teilen der Schreibgemeinschaft bekannt ist.
Jan Tschichold bemerkt in seinen „Formenwandlungen der &-Zeichen“, dass diese „nur lose“ mit dem Alphabet verknüpft seien. Vielleicht trägt (auch) diese Eigenschaft dazu bei, dass das kaufmännische Und zukünftig nicht mehr nur zwei Firmennamen, sondern auch die zu Beginn dieses Artikels beispielhaft genannten Doppelformen miteinander verbindet.

Es könnte den kleinsten gemeinsamen Nenner bilden – eine Kompromisslösung, die sowohl von den Befürworterinnen & Befürwortern als auch von den Gegnerinnen & Gegnern der geschlechtersensiblen Sprache akzeptiert und in der Schriftsprache verwendet wird. Wäre das nicht einen Versuch wert?

Christian Stang, www.christian-stang.de

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Eine Antwort

  1. Danke für diesen konstruktiven Vorschlag, der etwas Rationalität zurückbringt in eine überhitzte Diskussion. Vielleicht sollte man den Vorschlag mit genau deiner Argumentation in die Sozialen Medien hineintragen und testen, was passiert? Nur mal so als Anregung.

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