
Ein guter Blick auf die eigenen Finanzen ist vor allem bei angespannter Kostensituation und daher auch für Buchhändler:innen wichtig. Saidi Sulilatu, Chefredakteur von finanztip hat ein Buch darüber geschrieben, wie man sich schon mit einfachen Mitteln gut aufstellt und steht damit seit Wochen auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Wir haben ihn gefragt, was sich daraus für Buchhändler:innen ableiten lässt.
BuchMarkt: Buchhändler:innen kommen vor allem beim Verkauf Ihres Buches mit diesem in Kontakt. Warum lohnt sich für diese Berufsgruppe selbst aber unbedingt der Blick ins Buch oder anders gefragt: Warum ist finanzielle Vorsorge vor allem für Buchhändler:innen ein wichtiges Thema?
Saidi Sulilatu: Wer einen Laden betreibt, steckt viel Energie und Geld in diesen. Dabei kommen manchmal die eigenen, privaten Finanzen etwas zu kurz. Und bei der eigenen Vorsorge ist das Finanztip-Prinzip für Ladeninhaberinnen und Ladeninhaber noch essentieller als für andere Menschen: Gerade wenn ich auf mich selbst gestellt bin, sollte ich meine Finanzen mit möglichst einfachen Mitteln selbst im Griff haben und erst recht keine überzogenen Kosten an etwaige Berater zahlen.
Eine gute Rendite bei vernünftigem Risiko ermöglicht langfristig ein wachsendes finanzielles Polster, das mich absichert, egal ob der Laden irgendwann nicht ganz so viel abwirft oder ich selbst nicht mehr so viel leisten kann oder will. Ruhestandsplanung als Selbstständige ist in erster Linie Vermögensaufbau und -absicherung – mit möglichst niedrigen Kosten. Und das Ganze geht mit dem Finanztip-Prinzip so einfach, dass ich alles selbst ohne Stress in der Hand habe.
Welche Bereiche lassen sich von der Privat-Finanzierung auf die Unternehmensfinanzierung übertragen?
Zum einen ist ein Laden auch ein Haushalt, der solide geführt werden will. Ich brauche einen guten Überblick über meine Umsatz- und Kostensituation, natürlich in der Regel viel genauer als in einem privaten Haushalt. Aus dem Finanztip-Prinzip lässt sich übertragen: Rücklagen, ob für die Steuer oder künftige Investitionen, kann ich automatisch bilden – durch Daueraufträge bzw. Sparpläne auf eigene Rücklagenkonten. Und muss nicht hoffen, dass vom Umsatz „schon irgendwie etwas übrig bleibt“. Das gilt besonders für starke Monate wie das Weihnachtsgeschäft: Hier konsequent eine bestimmten Anteil zurückzulegen schafft ein stabiles Polster und ein gutes Gefühl von Sicherheit.
Die Sparquote meines Ladens sollte ich getrennt sehen von dem, was ich an mich als Ladeninhaber privat ausschütte. Und erst von letzterem bestreite ich dann meine Altersvorsorge wie auch meine privaten Versicherungen. Letztere sehen im wesentlichen nicht anders aus als bei allen anderen – und die wichtigsten Grundabsicherungen nenne ich in meinem Buch.
Sollte man in ETFs investieren, auch wenn man sich nicht gut auskennt bzw. wie ließe sich das niederigschwellig ändern?
Das nötige Grundwissen über ETFs ist weder umfangreich noch kompliziert – das entsprechende Kapitel in meinem Buch ist keine wissenschaftliche Lektüre 😊 Und der Start fällt ebenfalls nicht schwer: Zunächst braucht man ein (kostenloses) Wertpapierdepot – zum Beispiel als App auf dem eigenen Smartphone. Entsprechende gute Depots findet man bei uns auf finanztip.de. Und dann setzt man einen Sparplan auf einen weltweit anlegenden Aktien-ETF auf, den wir ebenfalls empfehlen. Und zwar erstmal aus dem Bauch heraus mit einem Sparbetrag, den man sich aller Wahrscheinlichkeit langfristig leisten kann. Die Höhe lässt sich jederzeit ändern, und erfahrungsgemäß fangen die meisten erstmal relativ niedrig an. Einmalige Einzahlungen, wenn das Geschäft mal richtig gut lief, sind jederzeit möglich. Aber ich halte es für wichtig, dass man sich selbst auf einen regelmäßigen Sparbetrag für den eigenen Ruhestand verpflichtet.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg