Der James Krüss Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur 2026 geht an die niederländische Autorin Anna Woltz sowie an ihre deutsche Übersetzerin Andrea Kluitmann für ihr Gesamtwerk. Der Preis wird alle zwei Jahre für ein Werk vergeben, das durch sprachliche Brillanz, Originalität, fantasievolles Erzählen, Formenvielfalt und Humanität überzeugt. Bei ausländischen Preisträger:innen wird auch die deutschsprachige Übersetzung des Werks gewürdigt. Stifterin des Preises ist dieJames Krüss Erbengemeinschaft, die ihn 2012 ins Leben rief und die Internationale Jugendbibliothek mit der Durchführung beauftragt hat. Der James Krüss Preis ist mit 8.000 Euro dotiert.

Auszug aus der Jurybegründung:
„Blut, Spinnen, ausbrechende Vulkane, küssende Eltern – ich mach nie die Augen zu. Ich will alles sehen.“ – So beginnt die 12-jährige Fitz den Bericht über einen einzigen kalten Wintertag, an dem ihre Familie so durchgeschüttelt wird, dass sie „dringend eingegipst werden muss“. Erzähleinsätze bei Anna Woltz sind kein Honigschlecken: Da gibt es Herz- und Beinbrüche, einen Krieg, der alle ohne Rücksicht auf Stand oder Bildung in den Tunnel zwingt, da legt ein Schneesturm eine Stadt lahm und ein Shitstorm bringt ein Mädchen aus dem Tritt. Anna Woltz schaut mit offenen Augen auf die gegenwärtige Lebensrealität jener, für die und über die sie erzählt.
Die Autorin, die schon als Jugendliche erste Schreiberfahrungen sammelte, hat innerhalb eines guten Jahrzehnts ein beeindruckendes Werk geschaffen. Mit außergewöhnlicher Präzision, einer exzellenten Figurengestaltung und wunderbar pointierten Dialogen erzählt sie von Kindern und Jugendlichen, deren Welt aus den Fugen geraten ist. Ob sie eine Geschichte in nur 24 Stunden im Krankenhaus, in sieben Tagen Familienurlaub oder im Rahmen einer Tour de Force auf dem Fahrrad rund um das IJsselmeer entfaltet – die Erzählkoordinaten sind stets klar und klug gewählt, verdichten die Handlung und sorgen für emotionale Spannung. Bei aller Schwere der Themen bewahrt Anna Woltz eine überraschende Leichtigkeit und einen feinen Witz. Ihre Figuren stattet sie nicht nur mit Eigensinn, Mut und Zuversicht aus, sondern auch mit unverwechselbaren Erzählstimmen. Sie wählt die sprachlichen Register je nach ihrer Figur mit Bedacht und ist dort nah am Werk des Preisgebers James Krüss. Erzählen heißt bei Anna Woltz zur Sprache bringen, was wiederum der Beginn eines jeden Heilungsprozesses ist – mit oder ohne Gips. Nicht zuletzt diese Erzählhaltung macht die Autorin zu einer würdigen James Krüss-Preisträgerin, die im Carlsen Verlag erscheint.
Mit Anna Woltz wird ihre Übersetzerin Andrea Kluitmann gewürdigt, die den soghaften Sprachduktus der Autorin und die unterschiedlichen Stimm- und Gefühlslagen der Figuren meisterhaft ins Deutsche überträgt. Seit mehr als zehn Jahren ist sie nicht nur eine sprachlich herausragende Brückenbauerin für Anna Woltz‘ Werk, sondern auch freundschaftlich der Autorin eng verbunden.
Die Jury-Mitglieder des James Krüss Preises 2026
Prof. Dr. Ute Dettmar, Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe Universität Frankfurt/Main, Franz Lettner, Institut für Jugendliteratur Wien und Chefredakteur von ‚1000 & 1 Buch‘, Eva-Maria Magel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Dr. Christiane Raabe, Stiftung Internationale Jugendbibliothek, München
Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger
2013: Joke van Leeuwen (Autorin) / Hanni Ehlers und Mirjam Pressler (Übersetzerinnen)
2015: Frank Cottrell Boyce (Autor) / Salah Naoura (Übersetzer)
2017: Andreas Steinhöfel
2019: Frida Nilsson (Autorin)/ Friederike Buchinger (Übersetzerin)
2021: Tamara Bach
2022: David Almond (Autor)/ Alexandra Ernst (Übersetzerin)
2024: Nils Mohl
Die Preisverleihung findet am Donnerstag, den 2. Juli 2026, um 19.00 Uhr in der Internationalen Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg in München im Rahmen der Festaktivitäten zu ‚100 Jahre James Krüss‘ statt.