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Schweizer Literaturpreise vergeben

Das Schweizer Bundesamt für Kultur würdigt das Werk der Schriftstellerin Corinne Desarzens mit der höchsten Auszeichnung für Literatur in der Schweiz. Der Spezialpreis Übersetzung geht in diesem Jahr an Christian Viredaz. Weitere sieben Werke, die im vergangenen Literaturjahr erschienen sind, werden mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

Die Preisverleihung findet am Freitag, 15. Mai 2026, im Rahmen der Solothurner Literaturtage in Anwesenheit der Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider statt.

Der Schweizer Grand Prix Literatur geht an die französisch-schweizerische Schriftstellerin und Journalistin Corinne Desarzens (geboren 1952 in Sète, Frankreich, lebt in Onnens, VD). Sie hat Russisch studiert und ist fasziniert von Sprachen. Corinne Desarzens schreibt Romane, Kurzgeschichten und Reiseberichte, darunter Un roi (Grasset, 2011) und L’Italie, c’est toujours bien (La Baconnière, 2018). 2021 wurde sie für La lune bouge lentement mais elle traverse la ville (La Baconnière, 2020) mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Für Un Noël avec Winston (La Baconnière, 2022) erhielt sie den Prix Michel-Dentan. In ihrem neusten Buch Le petit cheval tatar (La Baconnière, 2025) spürt Corinne Desarzens dem symbolträchtigsten unserer Sinne, dem Sehsinn, nach. Dabei untersucht sie anhand von Wissenschaft, Kunst und Geschichte die unerschöpflichen Spielereien und Kunstgriffe des Blicks.

Seit 30 Jahren erfinde Corinne Desarzens die Autobiografie neu, indem sie ausschweifend erzähle und dabei auf zahlreiche Anekdoten, unnötiges Wissen und Zitate zurückgreife. „Das Ich verschwindet, damit die Welt in Fragmenten aufleuchten kann. Die kurz- und altersweitsichtige Schriftstellerin hat sich das Verschwommene zum Stilmittel gemacht, um das Wesentliche zu erkennen. Für die Originalität ihres Blicks, ihre umfassende Neugier und das Funkeln ihres Stils, aber auch für das unerwartete Glück, das sie uns beim Lesen immer wieder schenkt, wird Corinne Desarzens mit dem Schweizer Grand Prix Literatur ausgezeichnet“, heißt es in der Begründung.

Spezialpreis Übersetzung 2026 an Christian Viredaz

Christian Viredaz (geboren 1955 in Oron-le-Châtel, lebt in Les Rasses, VD) hat Sprachen und Literatur in Cambridge, Perugia und Lausanne studiert. Als Journalist, Literaturkritiker, Dichter und Übersetzer hat er dem französischsprachigen Publikum zahlreiche Tessiner und italienische Autorinnen und Autoren nähergebracht, darunter Giorgio und Giovanni Orelli, Remo Fasani, Plinio Martini, Alberto Nessi, Piero Bianconi oder auch Fabio Pusterla und Dubravko Pušek. Seine Vorliebe für die italienische Sprache hindere Christian Viredaz aber nicht daran, auch deutschsprachige Autoren wie Francesco Micieli oder Franz Hohler zu übersetzen.

„Christian Viredaz ist auch mit der neuen Generation eng verbunden und widmet sich etwa den Werken von Dichterinnen und Dichtern wie Pietro Montorfani, Lia Galli oder Mercure Martini, dessen Texte der Slam-Poetry nahestehen. Er begleitet Übersetzerinnen und Übersetzer bei ihren ersten Arbeiten und ist in der Schweizer Übersetzungslandschaft sehr präsent, sei es an Fachtagungen oder an Literaturveranstaltungen, wo er Austausch und Weitergabe pflegt“, so die Würdigung der Jury.

Schweizer Literaturpreise

Neben dem Schweizer Grand Prix Literatur und dem Spezialpreis Übersetzung hat die Eidgenössische Jury für Literatur die folgenden 2025 erschienenen Werke mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet:

  • Martina Clavadetscher (*1979, Zug, lebt in Brunnen), Die Schrecken der anderen, C.H. Beck
  • Begoña Feijoo Fariña (*1977, Spanien, lebt in Poschiavo), Come onde di passaggio, Gabriele Capelli Editore
  • Asa Hendry (*1999, Val Lumnezia, lebt in Giessen und in Graubünden), archiv, Chasa Editura Rumantscha
  • Jonas Lüscher (*1976, Schlieren, lebt in München), Verzauberte Vorbestimmung, Carl Hanser Verlag
  • Sandro Marcacci (*1963, Neuenburg, lebt in Chézard-Saint-Martin), Me taire, Éditions d’en bas
  • Nora Osagiobare (*1992, Zürich, lebt in Zürich), Daily Soap, Kein & Aber
  • Antoine Rubin (*1990, Saint-Imier, lebt in Biel), Calcaires, Éditions La Veilleuse

Das Bundesamt für Kultur vergibt jedes Jahr die Schweizer Literaturpreise. Der Schweizer Grand Prix Literatur zeichnet das Gesamtwerk einer Autorin oder eines Autors aus. Der Spezialpreis Übersetzung wird im Wechsel mit dem Spezialpreis Vermittlung alle zwei Jahre vergeben. Zusätzlich zu diesen mit je 40.000 Franken dotierten Auszeichnungen werden jährlich mit 25.000 Franken dotierte Preise für im vergangenen Jahr erschienene Einzelwerke ausgeschrieben.

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