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5 to watch, Wortmeldungen, Best Book Design und weitere: Über diese Awards kann sich die Branche aktuell freuen

Während eine zentrale Auszeichnung der Branche, der Deutsche Buchhandlungspreis, weiterhin für Furore sorgt, werden viele weitere Buchmenschen glücklicherweise regulär prämiert. Ein Überblick über die jüngsten Gewinner:innen.

5 to watch

Zum zweiten Mal verleihen die BücherFrauen in diesem Jahr die Auszeichnung „5 to Watch“. Mit der Initiative werden FLINTA-Persönlichkeiten (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen) der Buchbranche gewürdigt, die mit ihrem Engagement, ihren Ideen und ihrer Arbeit neue Impulse für den Literaturbetrieb setzen. Die Auszeichnung lädt dazu ein, diese Stimmen im Laufe des Jahres besonders im Blick zu behalten und ihr Wirken aufmerksam zu verfolgen. Die Auszeichnung wurde im Jahr 2025 gemeinsam mit dem Netzwerk The Female Publisher initiiert und wird seit 2026 von den BücherFrauen und Andrea Cisnado Schultheis, Referentin für Berufsbildung beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, weitergeführt. „5 to Watch macht sichtbar, was in der Branche längst passiert: FLINTA-Personen prägen Programme, entwickeln neue Vertriebswege und schaffen Netzwerke. Diese Auszeichnung verstehe ich weniger als individuellen Titel, sondern als Teil einer kollektiven Bewegung. Gerade im unabhängigen Verlegen bewegen wir uns in wirtschaftlichen Realitäten, die Kompromisse verlangen. Entscheidend ist für mich nicht Perfektion, sondern bewusstes Handeln und die Bereitschaft dazuzulernen.“ –  Harriet Dohmeyer, Verlegerin und 5 to Watch 2026.

Diese fünf Menschen prägen 2026 die Literaturszene:

Elisa Diallo (Foto: privat)

Elisa Diallo leitet seit 2023 den Lizenzverkauf der S. Fischer Verlage und nutzt diese internationale Bühne, um diverse Perspektiven sichtbar zu machen. Dass sie den Literaturbetrieb aktiv mitgestalten möchte, zeigt auch ihr vielseitiges Engagement abseits des Schreibtischs. Ob als Jurorin für den Caine Prize for African Writing, den Deutschen Buchhandlungspreis oder beim Festival für Schwarze Literatur Resonanzen: Elisa Diallo setzt sich konsequent für neue Blickwinkel und mehr Repräsentation in der Branche ein.

Harriet Dohmeyer Ankerwechsel Verlag (Foto: Jonas Langmaack)

Harriet Dohmeyer ist Gründerin und Verlegerin des unabhängigen Hamburger Ankerwechsel Verlags mit Schwerpunkt auf Kultur und Gesellschaft. Sie gründete den Verlag 2017 mit 22 Jahren und prägt seither ein Programm, das von Graphic Novels über Kinderbücher bis zu gesellschaftspolitischen Sachbüchern reicht. Neben ihrer verlegerischen Arbeit ist sie auch beratend tätig und engagiert sich für einen vielfältigen Literaturbetrieb. 2024 und 2025 war sie Jurymitglied im Wettbewerb Die schönsten Deutschen Bücher der Stiftung Buchkunst. Seit 2026 ist sie Teil des Organisationsteams der ham.lit, der Nacht für junge Literatur und Musik in Hamburg. Zudem ist sie aktiv in der Liste unabhängiger Verlage Hamburg und im Aktionsbündnis Verlage gegen Rechts.

Oliwia Hälterlein (Foto: SPiNNENFLUG by MiNZKUNST)

Oliwia Hälterlein ist Autorin, Dramaturgin, Moderatorin sowie Kunst- und Kulturschaffende, die sich mit Feminismus, Herkunft, Mehrsprachigkeit und Körper beschäftigt. Sie studierte Slawistik, Vergleichende Literatur-, Kultur-, Theater- und Filmwissenschaft in Salzburg, Krakau, Berlin und ist Absolventin des renommierten Deutschen Literaturinstituts in Leipzig (DLL). 2020 erschien ihr Essay “Das Jungfernhäutchen gibt es nicht” im Maro Verlag. 2026 ist ihr Debütroman “Wir Töchter” bei C.H. Beck erschienen, über Polen, Bäuerinnenalltag, Mehrsprachigkeit und Migration. Dazu entstand CÓRKOWOŚĆ, ein partizipatives & performatives Schreib- und Leseprojekt, welches sich mit Herkunftsscham, Muttermalen, Großmutterzungen & Transitgehirnen auseinandersetzt und im öffentlichen Raum zum anonymen Schreiben einlädt sowie „Die Stimmen der Töchter“, ein Live-Hörspielstück. Sie ist Mitbegründerin der Freiburger feministischen Aktionswoche „Aufgeklärt?!“ sowie der Lesereihe CLITERATUR.

Roya Soraya (Foto: Christian Doeller)

Roya Soraya studierte an der Folkwang Universität der Künste und arbeitet als freischaffende Illustratorin und Comic-Autorin in Wuppertal. Sie erzählt Geschichten gern mit feministischer Haltung und legt ihren Fokus auf die Vielfalt und Menschlichkeit der Figuren. Ihr Comic-Debüt hatte sie 2022 mit der Graphic Novel „Faust“ (Zwerchfell Verlag), in der sie den deutschen Literaturklassiker aus moderner und queerfeministischer Sicht neu erzählt. Ihre autobiografische Graphic Novel „Wind in meinem Kopftuch“ (Carlsen Verlag) erscheint im April 2026 und handelt von der Reise, die eine jungen Frau in den Iran unternimmt, um ihre Wurzeln kennenzulernen. Für ihre Comic-Arbeit wurde Roya Soraya u. a. mit Stipendien des Berliner Senats und des Goethe-Instituts gefördert und lehrte zeitweise selbst an der Folkwang Universität der Künste. Neben Graphic Novels erstellt Roya Soraya illustrative Auftragsarbeiten, gibt Workshops und Lesungen.

ZORALIT (Foto: Jacintha)

Die zoraLit eG wurde 2025 gegründet. Unter dem Dach der Genossenschaft denken, diskutieren und solidarisieren sich über 150 Personen, die im deutschsprachigen Raum Literatur schreiben, begleiten, besprechen, vermitteln oder fördern. Die Angestellten der zoraLit eG, Sabina Everts, Alyssa Fenner, Zoë Martin und Laura Weber, waren vor Gründung in unterschiedlichen Bereichen der Literaturbranche tätig: im Buchhandel, in Literaturagenturen sowie unabhängigen Verlagen und Publikumsverlagen. Gemeinsam mit den Mitgliedern der Genossenschaft schaffen sie vielseitige Angebote zur professionellen Weiterbildung – und zum Banden-Bilden! Denn das größte Anliegen der zoraLit eG ist es, dem Gatekeeping, der Vereinzelung und Konkurrenz innerhalb der Branche ein starkes, leicht zugängliches, hierarchieloses Netzwerk entgegenzusetzen. Die Gründerinnen führen neben der Genossenschaft eine Literaturagentur, die die Vertretung einzelner Autorinnen übernimmt, sowie eine Eventagentur. Die Gewinne beider Agenturen fließen vollständig in die Genossenschaft.

Zur Jury gehörten Andrea Cisnado Schultheis, Referentin für Berufsbildung beim Börsenverein, Marianne Eppelt, Geschäftsführerin des Verlags w_orten und meer sowie Turì Bankwitz, Ansprechperson für die Presse bei den BücherFrauen.

Marie Rüscher erhält OffSpring Award der lit.COLOGNE 2026

Marie Rüscher in der Mitte beim OffSpring Award (Foto: Hiernoymus Rönneper)

Am Donnerstag (12.03.) wurde in Köln der OffSpring Award für junge Schreibende im Rahmen der lit.COLOGNE 2026 zum sechsten Mal verliehen. Für den Beitrag „Wie immer“ wurde Marie Rüscher am Ende der Veranstaltung vom Publikum als Gewinnerin gekürt und mit dem von Flossbach von Storch initiierten und geförderten Preis ausgezeichnet.

Eine Fachjury hatte im Vorfeld aus zahlreichen Einsendungen, unter anderem aus Wien, Paris und Prag, die Texte der drei Finalistinnen İrem Demirci, Klara Felixberger und Marie Rüscher zum Thema „Echo“ nominiert. Im Vorfeld der Preisverleihung erhielten alle drei die Gelegenheit, an einem professionellen Schreib-Workshop mit der Autorin Rasha Khayat teilzunehmen und gemeinsam an ihren Einreichungen zu arbeiten. Bei der Preisverleihung im Rahmen der lit.COLOGNE berichteten die Teilnehmerinnen in einem Werkstattgespräch über ihren Schreibprozess. Ihre Texte wurden im Anschluss wunderbar vorgetragen von Schauspielerin Nellie Thalbach. Der OffSpring Award der lit.COLOGNE wird jährlich vergeben, um jungen Schreibenden im Alter von 16 bis 26 Jahren einen Einstieg in den Literaturbetrieb zu erleichtern. Zu den Gewinner:innen zählte in der
Vergangenheit u.a. die Autorin Marie Menke, die in diesem Frühjahr ihren Debütroman „Spielverderberin“ bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht hat.

Schreiben über Long Covid: Ivna Žic wird mit dem WORTMELDUNGEN-Literaturpreis 2026 ausgezeichnet

Ivna Žic (Foto: Benedikt Schnermann)

Die Autorin Ivna Žic wird für ihren Essay „Die Unversehrten“ mit dem „WORTMELDUNGEN Ulrike Crespo Literaturpreis 2026“ ausgezeichnet. Der Preis ist mit 35.000 Euro dotiert und zeichnet exzellente kurze literarische Texte aus, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Themen und Diskursen der Gegenwart auseinandersetzen. Er wird zum neunten Mal von der Crespo Foundation verliehen. Die Preisverleihung findet am 12. Juni 2026 in Frankfurt am Main statt.

Ivna Žic (*1986 in Zagreb) lebt als freie Schriftstellerin und Theaterregisseurin in Wien und Zürich. Sie schreibt Prosa, Essays, Texte für das Theater und übersetzt aus dem Englischen und Kroatischen. Ihr Debütroman „Die Nachkommende“ (Matthes & Seitz Berlin, 2019) war für den Schweizer und den Österreichischen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Anna-Seghers-Preis 2020 und dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis 2022 ausgezeichnet. Der Essayband „Wahrscheinliche Herkünfte“ (Matthes & Seitz Berlin, 2023) wurde 2024 mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Ihre Theaterarbeiten sind im gesamten deutschsprachigen Raum zu sehen.

In ihrem eindringlichen Essay „Die Unversehrten“ setzt sich Ivna Žic literarisch mit einer Erkrankung an Long Covid auseinander. Vor dem Hintergrund dieser existenziellen Erfahrung reflektiert sie über Themen wie Migration, Kapitalismus und neoliberale Gesundheitspolitik – und über das Schreiben als sorgende Praxis, die eine Verbindung zur Welt aufrechterhält.

Der Essay „Die Unversehrten“ erscheint im Juni 2026 als Buch in der Reihe WORTMELDUNGEN des Verbrecher Verlags und kann hier gelesen werden: https://www.wortmeldungen.org/literaturpreis/preistraegerin

In der Jury saßen: Alice Hasters (Autorin und Podcasterin), Bernadette La Hengst (Musikerin), Kathrin Röggla (Autorin), Christoph Steier (Literaturwissenschaftler), Gerhild Steinbuch (Theaterautorin und Dramaturgin), Felix Trautmann (Philosoph und Soziologe) und Beate Tröger (Literaturkritikerin).

Auf der Shortlist des Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026

Nina Bußmann, Marius Goldhorn und Ozan Zakariya Keskinkılıç stehen auf der Shortlist für den Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026. Aus zwölf Autor:innen der Longlist wählte die Jury drei Autor:innen aus, deren Werke durch eine mutige und raffinierte Sprache geprägt sind und ihre Wirkung besonders im bewusst Ausgelassenen entfalten. Ausschlaggebend für die Auswahl waren sprachliche Präzision und ästhetische Originalität.

Zur diesjährigen Jury unter Leitung von Dr. Marcella Prior-Callwey gehören die Fachberater:innen Maryam Aras (Literaturkritikerin und Autorin), Dr. Ronald Düker (Literaturkritiker) und Barbara Mundel (Intendantin, Münchner Kammerspiele) sowie Mitglieder des Gremiums Literatur des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und richtet sich an Autor:innen bis zu 45 Jahren, deren Werke durch literarische Qualität, sprachliche Innovation und ästhetisches Wagnis herausragen. Am 7. Mai 2026 werden die nominierten Werke in den Münchner Kammerspielen von den Autor:innen und Schauspieler:innen des Ensembles auf die Bühne gebracht. Die Jury tagt unmittelbar im Anschluss an die Lesung und entscheidet über die Vergabe des Preises.

Nina Bußmann, Marius Goldhorn und Ozan Zakariya Keskinkılıç (Fotos: Heike Steinweg, Tanita Olbrich, Max Zerrahn)

Best Book Design from all over the World

Stiftung Buchkunst / Fotos: Attila Hartwig, Florian Lamm

Die Goldene Letter des internationalen Buchgestaltungswettbewerbs »Best Book Design from all over the World« geht 2026 an die Publikation Ourouboros Wings. Das Buch wurde von Benaiah French an der Königlichen Akademie der Künste in Den Haag (KABK) gestaltet und zuvor im niederländischen Buchgestaltungswettbewerb prämiert.

Die Jury überzeugte besonders die innovative gestalterische Umsetzung des Themas: »Ourouboros Wings führt die Leser:innen mit innovativer Gestaltung und subtilen Drucktechniken zu einer neuen, differenzierten Perspektive auf das in den Niederlanden heiß diskutierte Thema der Fatbikes und lässt dabei die Grenze zwischen Inhalt und Form verschwimmen. Durch geschicktes Falten der Druckbögen wandern die bedruckten Farbflächen in das Innere der japanischen Bindung, wo sie im Dialog mit ›klassisch‹ gedruckten Elementen zu einer neuen charakteristischen Komposition finden.«

Neben der Goldenen Letter – der höchsten Auszeichnung des Wettbewerbs – vergab die Jury 13 weitere Auszeichnungen. Eine Goldmedaille, zwei Silbermedaillen, fünf Bronzemedaillen und fünf Ehrendiplome gingen an Bücher aus China, Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Portugal, der Schweiz, Südkorea und Taiwan. Weitere 21 Bücher schafften es auf die Shortlist des Wettbewerbs und verfehlten eine Auszeichnung nur knapp. Die Auszeichnungen sind undotiert und sollen den internationalen Dialog in der Buchgestaltungsszene anregen. Alle eingereichten Bücher sind zuvor bereits in den nationalen Wettbewerben ihrer Herkunftsländer prämiert worden.

Die diesjährigen 14 Prämierten werden am Buchmessen-Freitag, dem 20. März 2026, um 16 Uhr am Stand der Stiftung Buchkunst (Leipziger Buchmesse, Halle 5 Stand A300) geehrt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Publikation »Best Book Design from all over the World 2026«, gestaltet von Lamm & Kirch, erscheint zur Leipziger Buchmesse 2026.

Mara Cassens Preis

Der Mara-Cassens-Preis ist ab 2026 mit 25.000 Euro dotiert. Er ist damit nach eigenen Angaben der höchstdotierte Preis für einen bereits veröffentlichten deutschsprachigen Debütroman. Die Ausschreibung
für 2026 publizierte Romane richtet sich direkt an die Verlage und läuft ab sofort.

Der Mara-Cassens-Preis ist der einzige Literaturpreis für einen deutschsprachigen
Romanerstling, der von einer Leser:innenjury vergeben wird. Die 15-köpfige Jury besteht ausschließlich aus Mitgliedern des Literaturhaus-Vereins, die nicht professionell im Literaturbetrieb tätig sind. Die Hamburger Stifterin Mara Cassens (1944–2015) wollte mit dem Preis Autorinnen ermöglichen, »sich für eine gewisse Zeit ganz dem Schreiben zu widmen«. Lange war er mit 15.000 Euro dotiert, bis die Mara und Holger Cassens-Stiftung 2020 das Preisgeld erhöhte. Mit der aktuellen Ausschreibung erhöhte die Stiftung um weitere 5.000 Euro. Ende November entscheidet die Jury über den bzw. die Preisträger:in. Die feierliche Preisverleihung im Januar des Folgejahres eröffnet traditionell das Lesungsjahr im Literaturhaus Hamburg. Den Mara-Cassens-Preis 2025 erhielt Jina Khayyer für ihren Roman »Im Herzen der Katze«, der im vergangenen Jahr bei Suhrkamp erschienen ist.

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