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Feminismus im Fokus: Diese kommenden Literaturveranstaltungen beschäftigen sich mit Vielfalt im Literaturbetrieb

„Wer bekommt eine Bühne?“ lautet der treffende Titel einer Veranstaltung der Bücherfrauen auf der Leipziger Buchmesse. Aber auch in Berlin beschäftigen sich zwei neue Veranstaltungsreihen mit FLINTA*-Literatur.

Aktuelle Entwicklungen im Literatur- und Kulturbetrieb verdeutlichten weiterhin, wie umkämpft feministische Perspektiven, vielfältige Themen und inklusive Räume im Literaturbetrieb sind, schreiben die Bücherfrauen. Die aktuellen Debatten – angestoßen durch Entscheidungen wie die Streichung von Buchhandlungen von Preisträger:innenlisten oder kontroverse kulturpolitische Vorgaben – machten bewusst, dass Fragen der Repräsentation, der Förderung und der Sichtbarkeit feministischer und progressiver Stimmen nach wie vor hochaktuell und umstritten seien.

Wer eine Bühne bekommt, welche Inhalte gefördert werden und welche Stimmen gehört werden, bleibe ein zentraler Streitpunkt.

Vor diesem Hintergrund aktueller kulturpolitischer Debatten diskutieren auf der Leipziger Buchmesse 2026 hochkarätige Frauen aus der Buchbranche: Moderatorin Susanne Krones, Programmleiterin Literatur bei C.H. Beck, sowie die Buchhändlerin Theresa Donner, die Verlegerin Sarah Käsmayr sowie die Autorin und Literaturveranstalterin Oliwia Hälterlein. Sie erörtern, warum feministische Perspektiven und vielfältige Inhalte für die Buchbranche sowie für eine demokratische, offene Gesellschaft unverzichtbar sind und wie wir zukünftige Räume schaffen können, in denen alle Stimmen Gehör finden.

Freitag, 20. März 2026
16.00–17.00 Uhr
Forum Sachbuch: Halle 5, Stand E604

Panel: „Feminismus als Zukunftsvision – Gleichberechtigung als Grundlage einer demokratischen, freien Gesellschaft“

Susanne Krones (Foto: Sandra Garcia Photography)

„Ein Programm zu kuratieren bedeutet immer auch die Frage: Wem gebe ich eine Bühne?“ Susanne Krones, Programmleiterin, C.H.Beck Literatur und sie ergänzt: „Wenn Gegenwartsliteratur sich ihrer Gegenwart nicht stellt, droht sie irrelevant zu werden, genau wie eine Verlagsbranche, die die Gesellschaft nicht widerspiegelt.“ Das Panel fragt gezielt nach der Zukunft der Buchbranche selbst: nach Machtstrukturen, nach Diversität in Programmen und Teams und nach der Verantwortung einer Branche, die gesellschaftliche Wirklichkeit nicht nur abbildet, sondern mitprägt.

„Einer Branche ohne Vielfalt fehlt es an Möglichkeiten und Perspektiven für die Zukunft“, sagt Theresa Donner, Buchhändlerin und Gründerin der Buchhandlung heiter bis wolkig in Halle. Die dreifach mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnete Buchhändlerin engagiert sich als Sprecherin der IG Unabhängiges Sortiment im Börsenverein für unabhängige Buchkultur und setzte sich 2025 im Rahmen des WIR-Festivals gegen die rechtsextreme Buchmesse „Seitenwechsel“ ein.

Auch Sarah Käsmayr, Verlegerin des Maro Verlags und Vorstandsmitglied der Kurt Wolff Stiftung, sieht Vielfalt als entscheidende Voraussetzung für kulturelle Entwicklung: „Leerstellen füllen, Wissen erhalten, bei Bedarf revidieren und erneuern, Wichtiges weitertragen und gründlich aufrütteln, darum: Bücher mit feministischen Inhalten verlegen.“

Autorin Oliwia Hälterlein, deren Debütroman Wir Töchter auf der Buchmesse vorgestellt wird, versteht Literatur als Einladung zu neuen Perspektiven: „Bücher sind ein Beziehungsangebot. Wir können uns committen und einer neuen Welt, einer bisher unbekannten Perspektive und unsichtbaren Lebensrealität in Lesegeschwindigkeit nahe kommen.“ Gleichzeitig müsse Vielfalt konkret gedacht werden, denn sie sagt: „Wir müssen ganz ehrlich über das Wort Vielfalt und ihren Preis sprechen: Welche Themen und Personen bekommen eine Bühne und wer wird für seine Arbeit bezahlt?“

Die Diskussion ist Teil des BücherFrauen-Jahresthemas 2026: „Warum wir Feminismus und Gleichberechtigung brauchen!“ und eine Einladung, Literatur als Labor für gesellschaftliche Zukunft zu denken. Denn die entscheidende Frage bleibt: Welche Geschichten brauchen wir, um uns eine freiere und gerechtere Gesellschaft überhaupt vorstellen zu können?

FLINTA* Literatur macht mit zwei Veranstaltungsreihen in Berlin Künstler*innen in Diaspora und Exil sichtbar

FLINTA* Literatur, Berlins Plattform für FLINTA-Autor:innen in Diaspora und Exil, veranstaltet 2026 zwei Programmreihen: »Girl, Show Me That Body (of Work)« und »FLINTA* KULTUR SALON« bieten in Berlin lebenden FLINTA-Künstler:innen mit Migrations- und Exilerfahrung eine Bühne. Ioana Cristina Casapu, Gründerin von FLINTA* Literatur, skizziert die Zielsetzung der Reihen: »Angesichts der weltweiten Zunahme von Autoritarismus und Zensur muss Literatur ein freier und sicherer Raum bleiben, in dem Autor:innen und Publikum ohne politische Einflussnahme miteinander sprechen können.« Diesen Raum bietet FLINTA Literatur: Pro Programmreihe sind 2026 vier Veranstaltungen geplant, je zwei im April und Mai sowie im September und Oktober. Alle acht Veranstaltungen finden in der Lettrétage in Berlin-Mitte statt, der Eintritt ist frei. Insgesamt nehmen 39 Künstler*innen aus 22 Ländern mit Beiträgen in 5 Sprachen teil.

Die Veranstaltungsreihe »Girl, Show Me That Body (of Work)« fördert seit 2024 durch Lesungen, literarische Performances und Diskussionen den Dialog über Identität, Migration und Geschlechtergerechtigkeit und schafft inklusive Räume sowie kulturelle Teilhabe. Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgt im Anschluss an eine öffentliche Ausschreibung, die auf kuratorischer Ebene Durchlässigkeit und Chancengleichheit sicherstellt.

2026 startet zudem eine zweite Reihe: Der »FLINTA* KULTUR SALON« ergänzt und erweitert die Initiative FLINTA* Literatur, denn neben Literatur und Performance werden auch Kunstformen wie Tanz, Theater, Spoken Word oder Musik einbezogen. In den interdisziplinär angelegten Veranstaltungen verhandeln FLINTA-Künstler:innen Themen wie Identität, Entwurzelung, Autonomie und Solidarität. Der »FLINTA* KULTUR SALON« soll Berlins historische Tradition feministischer Salons als radikale Räume der Begegnung und des Widerstands wiederbeleben und neu denken.

Beide Veranstaltungsreihen finden in Kooperation mit der Lettrétage statt, werden gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie empfohlen von The Reader Berlin und präsentiert von tipBerlin.

Die folgenden Veranstaltungen sind im Frühjahr 2026 geplant:

  1. April 2026, 20:00 Uhr: »Girl, Show Me That Body (of Work)« I
    »Verlust und seine Folgen« ist das Thema des auf Englisch gehaltenen Abends: Über afro-deutsches Erinnern, ökologische und emotionale Überreste von Krieg und Auslöschung, die Verarbeitung der Folgen sexueller Gewalt, Remigration und diasporische Zugehörigkeit sprechen Katarina Gotic, Melody Makeda Ledwon, Giuliana Kiersz und Ioana Cristina Casapu.
  2. April 2026, 20:00 Uhr: »FLINTA* KULTUR SALON« I
    Der erste FLINTA* KULTUR SALON untersucht den postfeministischen female gaze als Ort der Reibung und zeigt, wie geschlechtsspezifisches Sehen durch künstlerischen Ausdruck aufgelöst, gelenkt oder als Widerstand eingesetzt wird. Alle Beiträge setzen sich mit Fragen von Stimme und Sichtbarkeit auseinander – von Performance und Klang über visuelle Narrative bis hin zu hybriden Textformen. Mit Marjan Sareh, Elsa Cailletaud, Flora Karetka, Ruoming Zhao, Zeynep Cekinmez.
  3. Mai 2026, 20:00 Uhr, »Girl, Show Me That Body (of Work)« II / Special Focus Edition Südamerika
    Südamerika hat eine lange Geschichte der Zensur, die bis in die Gegenwart reicht: Werke wurden aufgrund sexueller Inhalte oder politischer Botschaften aus Schulen und Bibliotheken entfernt. Die Veranstaltung konzentriert sich auf posthumanistische und transfeministische Literatur aus Südamerika und stellt dabei Gemeinschaft, Ritual und Zärtlichkeit in den Mittelpunkt der Heilung und Befreiung des verletzten weiblichen Körpers. Mit Marie Álvarez, Camila Rhodi, Elsye Suquilanda, Xueh Magrini Troll. Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch.
  4. Mai 2026, 20:00 Uhr: »FLINTA* KULTUR SALON« II
    Die Veranstaltung steht im Zeichen von transgenerationalem Trauma, psychischer Gesundheit und der Suche nach Zugehörigkeit aus queer-feministischen und postmigrantischen Perspektiven. Poetische Experimente und hybride Formate (Text, Bild, Klang, Performance) werden genutzt, um alternative Narrative zu erforschen. Mit Victoria Hohmann, Meri Koivisto, Ana Rocío Jouli, Julieta Rollhaiser, Ieva Lielā, Cecilia Nercasseau Gibson.

Im Herbst 2026 folgen Veranstaltungen am 18. September, 20. September, 23. Oktober sowie 25. Oktober.

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