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Isabelle Herzogs New-Adult-Reihe „Bookish Game“ soll hinter die Kulissen der Buchbranche führen

Isabelle Herzog am Mikrofon (Foto: privat)
Isabelle Herzog am Mikrofon (Foto: privat)

Die New-Adult-Szene gehört zu den dynamischsten Segmenten des aktuellen Buchmarkts. Bestseller entstehen zunehmend im Zusammenspiel von Verlag, Social Media und Community – oft mit enormer Geschwindigkeit. Mit ihrer neuen Trilogie „Bookish Game“ richtet Isabelle Herzog, selbst New-Adult-Autorin, nun den Blick genau auf diese Mechanismen. Der erste Band, „Bookish Game – Schreib oder stirb, Darling“, erschien Anfang März 2026 und verbindet Branchensatire, psychologischen Thriller und Reality-TV-Setting zu einer Geschichte über Macht, Aufmerksamkeit und den Preis des Erfolgs. Wir haben bei Isabelle Herzog nach den Gründen für ihre „Abrechnung“ gefragt.

Vom Notizbuch zur Vollzeitautorin

Geschichten auszudenken gehört für Isabelle Herzog schon lange zum Alltag. „Ich denke mir Geschichten aus, seit ich denken kann“, sagt sie. Aufgeschrieben hat sie sie zunächst als Teenager – klassisch in Notizbüchern und ohne konkrete Veröffentlichungspläne. Erst viele Jahre später, im Sommer 2022, begann sie ihre Texte zu veröffentlichen.

Seitdem sind mehrere Bücher erschienen, sowohl im Selfpublishing als auch im Verlag. Herzog bewegt sich bewusst zwischen beiden Modellen: Während Selfpublishing schnelles und unabhängiges Arbeiten ermöglicht, bieten Verlage andere Reichweiten und Strukturen. „Gerade diese Mischung finde ich spannend“, sagt sie.

Bevor sie Vollzeitautorin wurde, arbeitete Herzog im Social-Media-Marketing für eine Kosmetikmarke. Die Erfahrungen aus dieser Zeit würden bis heute ihren Blick auf Öffentlichkeit und Kommunikation prägen. Sie habe dort beobachtet, wie Narrative entstehen, wie schnell sich Stimmungen im Netz verändern können – und wie stark Wahrnehmung davon abhängt, welche Version einer Geschichte gerade erzählt wird.

Eine Genredebatte als Auslöser

Breitere Aufmerksamkeit erhielt Herzog bereits mit ihrem Roman „Pupetta“, der rund 30.000 Mal als Printausgabe verkauft wurde und die Bestsellerlisten erreichte. Allerdings löste das Buch auch Diskussionen aus: Es wurde ursprünglich als Dark Romance vermarktet, obwohl Herzog es als Thriller versteht.

Viele Leserinnen und Leser erwarteten deshalb eine romantisierte Beziehung zwischen Täter und Opfer – ein Motiv, das im Genre gelegentlich vorkommt. Genau darauf verzichtet der Roman jedoch bewusst. Stattdessen beschäftigt er sich mit Macht, Manipulation und psychologischen Abhängigkeiten. Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Inhalt führte zu teils heftigen Reaktionen in der Community, so erzählt es Herzog.

Rückblickend bezeichnet sie diese Erfahrung als prägend. Sie habe gezeigt, wie stark Genrezuordnungen Erwartungen steuern und wie schnell Diskussionen im digitalen Raum eskalieren können. Für die Autorin wurde dies zu einem Ausgangspunkt für die spätere „Bookish“-Reihe.

Schreiben als Wettbewerb

Der Auftaktband „Bookish Game“ inszeniert die Buchbranche als eine Art literarische Arena. Vier Figuren aus der Branche – Autorinnen, Blogger und ein Verleger – werden in eine Villa eingeladen, um dort zu schreiben, zu konkurrieren und sich gleichzeitig einem digitalen Publikum zu stellen, das jede Entscheidung kommentiert.

Das Setting erinnert bewusst an Reality-TV-Formate. Doch statt Influencerinnen oder Models stehen Menschen aus dem Literaturbetrieb im Mittelpunkt. Aufmerksamkeit wird zur Währung, Reputation zum Kapital – und manchmal entscheidet ein einziger viraler Moment darüber, welches Buch gelesen wird.

Im Zentrum stehen mehrere Figuren, die unterschiedliche Strategien im Umgang mit diesem System verkörpern. Die erfolgreiche Autorin Blair Monroe hat gelernt, sich vollständig an die Marktlogik anzupassen. Der Blogger und Autor Lio versucht, zwischen künstlerischem Anspruch und Erfolg zu vermitteln, verliert dabei aber zunehmend den eigenen Fokus. Der Verleger Richard Vale betrachtet Bücher vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Vivian Crowd wiederum kehrt nach einem Shitstorm in die Öffentlichkeit zurück und glaubt fest daran, dass Literatur gesellschaftlich etwas verändern kann.

Kritik zwischen den Zeilen

Mit der Reihe greift Herzog Entwicklungen auf, die viele Beobachter:innen im aktuellen Buchmarkt diskutieren: den Einfluss von Social-Media-Plattformen wie BookTok, steigenden Erfolgsdruck und eine zunehmende Orientierung an Trends und Algorithmen.

Herzog formuliert ihre Kritik bewusst literarisch. „Die Branche erzählt unglaublich viele Geschichten über Liebe und Moral – aber erstaunlich selten über sich selbst“, sagt sie. Genau dieser „blinde Fleck“ habe sie interessiert.

In der Romanwelt von „Bookish Game“ fordert der Markt Authentizität, solange sie sich vermarkten lässt. Verletzlichkeit wird zur Währung, Skandale dominieren häufig die Aufmerksamkeit stärker als Texte. Gleichzeitig nimmt die Geschichte auch die Rolle der Leserinnen und Leser in den Blick: In kurzen Kapiteln spiegeln sie das Publikum wider, das den Wettbewerb beobachtet, kommentiert und damit indirekt steuert.

Erfahrungen mit öffentlicher Empörung

Ein Teil der Dynamik speist sich auch aus persönlichen Erfahrungen der Autorin. Herzog geriet selbst einmal in einen massiven Online-Shitstorm, ausgelöst durch die oben angesprochene missverständliche Genreplatzierung eines ihrer Bücher. Besonders belastend empfand sie damals, dass Kritik teilweise aus der eigenen Branche kam.

Diese Erfahrungen fließen in die Trilogie ein: Sie thematisiert die Geschwindigkeit digitaler Empörung, die Macht öffentlicher Meinung und den Druck, unter ständiger Beobachtung zu arbeiten.

Wunsch nach mehr Vielfalt

Für Herzog ist die Reihe zugleich ein Plädoyer für mehr Offenheit im Buchmarkt. Besonders im New-Adult-Segment beobachtet sie eine starke Orientierung an Kategorien und Trends. Dabei seien gerade jene Bücher interessant, die sich nicht leicht einordnen lassen.

Auch im Umgang innerhalb der Branche wünscht sie sich Veränderungen. Da viele Frauen als Autorinnen, Bloggerinnen oder Lektorinnen in diesem Bereich arbeiten, sei es schade, wenn Konkurrenzkämpfe dominieren. „Wir kämpfen im Grunde alle für dasselbe: gute Geschichten“, sagt sie.

Literatur könne mehr sein als ein Produkt. Sie könne ein Raum sein, in dem Strukturen hinterfragt werden – und in dem Figuren auch widersprüchlich, unbequem oder fehlerhaft sein dürfen.

Die nächsten Bände „Bookish Fame – Cancel mich, Darling“ und „Bookish Shame – Empörung steht dir gut, Darling“ erscheinen am 07.07.2026 bzw. am 11.11.2026.

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