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Wie Autor:innen die Buchmesse für ihren Pitch nutzen können: Tipps von der Schriftstellerin Ava Cooper

Heike Hamboch aka Ava Cooper (Foto: privat)
Heike Hamboch aka Ava Cooper (Foto: privat)

Buch-Pitches gehören fest zum Programm der Buchmessen. Verlage nutzen die kurzen Präsentationen, um neue Stoffe und Talente kennenzulernen und für Autorinnen und Autoren sind diese Termine eine seltene Gelegenheit in wenigen Minuten ihre Geschichte direkt bei einem Verlag vorstellen zu können und im besten Fall den ersten Schritt zu einem Buchvertrag machen. So auch geschehen bei der gelernten Journalistin Heike Hamboch, die als Ava Cooper für das Bastei Lübbe Label beHEARTBEAT schreibt und über eine ausgeschriebene Pitchaktion des Verlags auf der Frankfurter Buchmesse zu ihrem Buchvertrag gekommen war und dort die Romance-Reihe „CEOs of Boston“ veröffentlicht hat.

Stephan Trinius, Verlagsleiter Digitales Programm bei Bastei Lübbe, erklärt warum Pitchaktionen für Verlage spannend sind: „Der persönliche Kontakt auf den Messen gibt uns als Verlag mehr Einblick als ein Exposé – und das in einer verhältnismäßig kurzen Zeit. Das ist nicht nur effektiv, sondern auch extrem bereichernd. Denn wir lernen auf diese Weise neue Schreibtalente kennen und bekommen im ersten persönlichen Gespräch auch schon ein Gespür dafür, wie eine künftige Zusammenarbeit aussehen könnte. Für viele bei den Pitchings ist das auch der erste wirkliche Kontakt zu einem Verlag – und da ist es einfach sehr schön für beide Seiten, sich wirklich gegenüberzusitzen.“

Für BuchMarkt hat Heike Hamboch ihre ganz persönlichen Tipps für einen gelungenen Pitch zusammengetragen, die Autorinnen und Autoren mit auf die anstehende Leipziger Buchmesse mitnehmen können:

Werdet zum Profi

Klingt banal, ist aber essenziell: Ihr müsst eure Story in- und auswendig kennen. Arbeitet heraus, was wirklich wichtig ist – und was weg kann. Pitches leben von Kürze (oft hat man nur fünf bis zehn Minuten Zeit). Da darf man nicht mit der dritten Nebenlinie anfangen, sondern muss den Hauptplot klar herausarbeiten und stringent erzählen.

Übt den Pitch

Vorbereitung ist alles, denn nicht jeder ist ein Improvisationstalent. Außerdem verschätzt man sich bei der Zeit schnell. Sprecht euren Pitch daher ein paarmal laut durch und stoppt die Zeit. Ich habe das zum Beispiel auf dem Weg zur Messe im Auto gemacht. Aber übertreibt es nicht – sonst klingt es am Ende, als würdet ihr eine Bibelstelle rezitieren.

Macht euch Notizen

Mir hat es sehr geholfen, die Story in groben Stichworten festzuhalten – keine ganzen Sätze, sondern Schlüsselbegriffe, an denen man sich entlanghangeln kann. Das ist ein bisschen wie ein Spickzettel in der Schule: Was dort steht, kann man meistens ohnehin. Vermutlich schon deshalb, weil man sich intensiv damit beschäftigt hat und die Visualisierung hilft.

Habt keine Angst

Wichtig fürs Selbstbewusstsein: Macht euch klar, warum ihr dort seid. Das Verlagsteam hat eure Grundstory gelesen – und sie fanden sie gut. Es ist nicht ihr Ziel, Fehler zu finden oder euch vorzuführen. Im Gegenteil, sie wollen genau das, was ihr auch wollt: eine tolle Geschichte erzählen.

Nutzt Hilfsmittel bei Bedarf

Wenn ihr merkt, dass ihr euch vor Nervosität verheddert, dann holt ruhig euren Notizzettel heraus. Die Verlagsleute sind keine Lehrer, die euch dafür eine Sechs geben. Sie sind in der Regel ganz liebe Menschen, die mit euch über eure Story ins Gespräch kommen wolle.

Genießt die Zeit

Schwer zu glauben, aber irgendwann habe ich vergessen, dass es eigentlich eine Art Test war. Es war nur noch ein Gespräch über eine Geschichte, die ich liebe und von der ich erzählen wollte. Natürlich wollte ich das Team überzeugen. Aber irgendwann wich die Nervosität und es wurde einfach eine tolle Erfahrung.

Plant Zeit zum Ankommen ein

Eine Buchmesse ist laut, voll und hektisch. Wenn ihr direkt aus dem Gedränge in einen Pitch hetzt, seid ihr automatisch gestresst. Versucht deshalb, mindestens 5-10 Minuten vorher am Treffpunkt zu sein. Dann könnt ihr einmal tief durchatmen und ankommen. Das hilft enorm, um ruhiger zu werden. Außerdem habt ihr einen Puffer, falls ihr euch verlauft. Was mir sehr gerne auf Messen passiert …

Seid offen für Fragen

Ein Pitch ist keine One-Way-Kommunikation. Wenn ihr fertig seid, kommen meist Fragen zu Figuren oder Plot. Seht das nicht als Prüfung, sondern als Chance zu zeigen, wie gut ihr eure Geschichte kennt. Und seid offen, falls einige Details noch nicht ganz passen. Oft findet man gemeinsam Lösungen, die der Story sogar guttun.

Vom Pitch zum Roman

Für Hamboch ging der Weg von der Idee bis zum veröffentlichten Buch überraschend schnell. Weniger als ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung erschien der erste Band ihrer Reihe „CEOs of Boston“. Der Abschlussband der Reihe ist seit 1. März 2026 im Handel. Die Buchreihe erzählt die Liebesgeschichten dreier CEOs in einem US-amerikanischen Biotech-Unternehmen. Im Zentrum stehen Macht, Verantwortung sowie persönliche Beziehungen im Spannungsfeld von Karriere und Gefühl.

Das Pseudonym sei entstanden, als sie vorübergehend bei einer Agentur war, berichtet sie. „Mir wurde damals geraten, ein englischsprachiges Pseudonym zu verwenden, weil sich das moderner anhört. Und meinem Vornamen Heike hört man ja auch deutlich an, dass ich keine 20 mehr bin.“ Auch die Entscheidung zugunsten der englischsprachigen Welt, in der ihre Geschichte spielt, hatte Marketing-Gründe. „Viele Lesenden lassen sich lieber nach Los Angeles, Edinburgh oder London entführen als z.B. in den Ruhrpott“, sagt sie. „Da ich selbst schon einmal in den USA war und das Land sehr gern mag, habe ich mich dafür entschieden. Boston gefiel mir persönlich extrem gut und es passt auch zum Thema Biotech, daher habe ich die Story dort angesiedelt.“

Heute arbeitet sie weiter an neuen Projekten – sowohl mit Verlagen als auch im Selfpublishing – und möchte neben Fantasy vor allem Romance als festen Bestandteil ihres Autorinnenportfolios ausbauen. Am 15. April erscheint ihre Navy-Romance „London Love & Navy Trouble“ im Selfpublishing. „Klar ist für mich: Neben Fantasy möchte ich Romance zu einer zusätzlichen starken Säule im Autorinnenportfolio aufbauen. Denn ich mag diese Abwechslung sehr. Ob in fremden Welten, einer Biotech-Firma oder der Navy – ein wenig Liebe verträgt (fast) jede Story.“

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