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Home > Leute > Martin Hielscher (60)
  • Juni 20, 2017
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Martin Hielscher (60)

Martin Hielscher wird heute 60 Jahre alt. Hans Pleschinski gratuliert dem Literatur-Programmleiter  bei C.H.Beck zum runden Geburtstag:

Martin Hielscher

 

Martin Hielscher ist ein Magnetpol des Südens. Und darüber hinaus. Wie Eisenpläne streben ihm die Manuskripte zu. Viel Geschriebenes sinkt wieder von ihm ab. Aus dem, was haften bleibt, dann gehämmert und verschweißt wird, entstehen die Bücher, die das Literaturprogramm des Verlags C.H.Beck unverwechselbar und so exquisit machen. 2001 wechselte Martin Hielscher, Doktor und Professor gar, von Köln und dem Kiepenheuer&Witsch Verlag nach München und zur edlen Verlagsadresse in Schwabing. Martin Hielschers Beruf und Arbeiten umfasst weit mehr als die Pflichten eines Programmleiters.Er sichtet und bearbeitet Manuskripte, noch ungedruckte Bücher nicht nur und macht sie weltfein. Neben den einzelnen Werken, die er betreut  – Romane, Gedichtbände, Essayistik – hat er zudem ein literarisches Programm aufgebaut, das jederzeit auf seine Qualität abklopfbar bleibt.

Verkaufserfolge von Büchern sind selbstverständlich erwünscht und finden kontinuierlich statt. Aber nicht die Hatz nach reißerischen Ex-und-Hopp-Tieln, dem Müll von morgen, prägen den Stil des Hauses und seiner Literatursparte. Bekannte Namen prominenter und zeitengeprüfter Autoren finden sich im Literaturprogramm. Doch mindestens so wichtig sind dem Entdecker und Umsorger Martin Hielscher junge, neue Schriftstellertalente. Die Zahl der belletristischen Neuerscheinungen bei C.H.Beck ist angenehm überschaubar, die Schriftsteller bleiben hier Individuen, denen sich Hielscher mit einer geradezu sensationell ruhigen Hingabe widmet. Innerlich mag es in jedem aus allen möglichen Gründen bisweilen brodeln. Martin Hielscher ist jedoch fast rund um die Uhr gesprächsparat und weiß noch nach Jahren, in welchem der von ihm betreuten Bücher welche Figur eine Vase aus dem Regal nimmt.

Er wahrt den Überblick und den Durchblick durch insgesamt Tausende von Buchseiten, wobei er überdies die ausländische Literatur im Auge behält, die sich in sein Programm fügen könnte. Was wünscht sich Martin Hielscher von der Literatur, die wie zu seinem Atem geworden ist?

Dass sie stilsicher Geschichten entfaltet, neue, alte, die den Menschen berühren, ihm Wissen vermitteln und sein Gemüt und Herz bilden. Die Stimmen der Erzähler dürfen dabei die unterschiedlichsten sein, das überzeugende Anliegen des Autors, seine Lust am Wort sind das Entscheidende. Eine überflüssige lektorische Anmerkung Hielschers ist mir nie untergekommen: Bisweilen sitzt er bei der Manuskriptarbeit kurz wie abwesend, entrückt, und dann kommt plötzlich, stets besonnen, der Hinweis: „Hier ist der Begriff Gefühl zu stark, vielleicht wäre Regung angemessener.“ So arbeiten Genfer Uhrmacher an ihren Kostbarkeiten.

Als Programmleiter begleitet Martin Hielscher Bücher vom Entstehen bis zu ihrer Geburt im Umschlag.  Die Inhaltsangaben, die er zu seinen Titeln verfasst, halte ich für die besten im Lande: Sie sind nicht schreierisch, sondern intensiv, sie verfälschen keinen Inhalt wegen eines kurzatmigen Effekts, sondern vertiefen sofort ein Buchgeschehen, ordnen es in den Gesamtkanon von Literatur ein. Der Respekt vor Dichtung steht in der Beck’schen Literaturabteilung niemals infrage, ist vielmehr der Arbeitsantrieb. Das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit im Literaturbetrieb.

Manchmal sehe ich uns Autoren auf der Fensterbank von Martin Hielschers Büro gleich Pflanzen in ihren Töpfen sehen, einige noch zart, andere mit ein paar welken Blättern, einige dornig, manche vielleicht sogar giftig, wieder andere in schönster Blütenpracht. Martin Hielscher gießt sie, lockert die Erde, streut geistigen Dünger dazu, ermuntert zum Gedeihen und erfreut sich an so mancher Frucht. So sieht sie aus, die Orangerie, das Treibhaus der Literatur bei C.H.Beck, das die Delikatessenhändler der Republik beliefert.

Martin Hielscher wird sechzig Jahre alt. Was heißt das? Er ist jugendlich, hellen Sinns und kampfbereit: Gute Bücher heißt sein Panier. Wir gratulieren!

Kontakt: martin.hielscher@beck.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstag

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Tags:Prof. Dr. Theo Schäfer
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