Seit dem 6. Dezember 2017 (Nikolaustag) fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2018 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“ Heute beantwortet Ursula Bergenthal, Cheflektorin bei Diogenes, unseren „anderen Fragebogen“:

- Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Das Jahr war herrlich ungewöhnlich und gespickt mit schönsten Momenten. Spontan erinnere ich mich an einen, als beim Diogenes Garten-Apéro mein Blick auf Autoren und Kollegen fiel, die ins Gespräch vertieft waren, und ich dachte: Ja, mit euch möchte man jeden Tag Bratwurst essen.
- Worüber haben Sie sich 2017 am meisten geärgert?
Über Miesepeter. Tweets, die leider nicht fake waren. Wie sich manch öffentliche Diskussion in null Komma nichts entzündet – und dann verpufft.
- Was war 2017 Ihr schönster Erfolg?
Nicht meiner, aber ein Highlight fürs gesamte Haus war sicherlich das SONG BOOK: Eine CD mit Liedern des Schweizer Chansonniers Stephan Eicher zu Songtexten von Martin Suter, und ein Buch mit Geschichten aus Suters Feder über ihre Freundschaft. Eine Koproduktion mit Universal. Eine Herausforderung. Ein Kunstwerk.
- Und Ihr traurigster Misserfolg war …?
Man weint immer ein bisschen, wenn ein Buch nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Aber dann geht man in eine Buchhandlung, sorgt für gute Sichtbarkeit, indem man neue Stapel baut, und hofft, dass einen keiner dabei ertappt.
- Ihre schönste Buchhandlung/Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Die Zürcher Buchhandlung Hirslanden, von Eva und Walter Reimann. Im Juni war ich dort auf einer Lesung von Petros Markaris, Dinner und Musik inklusive. Am Ende waren alle beseelt, nicht nur vom Wein.
Und da ich erst seit April hier bin, darf ich mit Inbrunst sagen: Diogenes.
- Von welchem Thema wollen Sie (warum) im neuen Jahr nichts mehr lesen?
Themen würde ich keine ausschließen wollen. Es geht doch vielmehr darum, wie wir uns – auch jenseits der Literatur – gegenseitig Geschichten erzählen und weitererzählen, und ob wir bereit sind, uns in die Geschichten anderer hineinzuversetzen.
- Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Bei Diogenes spricht man von „Stil, Humor und gutem Geist“, den ein Text haben sollte. Davon dürfte es ruhig mehr geben, nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln.
8. Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Den Humor in etwas nicht zu erkennen.
- Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Oben genannten hoffentlich nicht. Zumindest herrschen bei Diogenes die optimalen Bedingungen dafür, in dieser Hinsicht klüger zu werden.
- Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Meine ersten Tage in der Schweiz fielen mit der Vertreterkonferenz zusammen, auf der Klaus Cäsar Zehrers „Das Genie“ vorgestellt wurde. Inzwischen ist viel passiert, gute Gespräche mit Buchhändlern, die Nominierung für den Bayerischen Buchpreis, heitere Begegnungen mit dem Autor. Und Christoph Niemanns „Souvenir“ begeistert mich immer wieder aufs Neue.
- Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Spontan: alle. Haben Sie sich das Programm mal angeschaut?
Weltweit wichtig werden, jede Wette, Bernhard Schlinks großartiger Roman „Olga“ und Anne Reineckes „Leinsee“, ein Debüt, dem man nicht abnimmt, dass es eines ist.
- Von wem würden Sie auch gern mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Tomi Ungerer.
- Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Eine, die Sie auf Schweizerdeutsch, in einem der wunderbaren Dialekte, gestellt hätten. Um mir selbst zu beweisen, dass ich diese inzwischen voll und ganz verstehe.
- Hier können Sie die auch beantworten:
Das hätte ich getan, aber nicht auf Schweizerdeutsch. Verstehen und Schreiben sind zwei Paar Schuhe.
Gestern beantwortete Regina Denk unseren etwas „anderen“ Fragebogen. Morgen sprechen wir mit Markus Sauerwald zu seinem Jahr 2017.