Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Heilige Säulen wirft man nicht weg“: Hans-Rudolf Meier zeigt, wie verbreitet das Recycling von Bauteilen in der abendländischen Architekturgeschichte ist. „Zugunsten einer strengen Systematisierung ordnet der Autor sein Material nicht nach historisch-geographischen, sondern funktionslogischen Kategorien wie Bedeutungszweck, Objektcharakter, Materialität und Kulturpraktiken.“
Hans-Rudolf Meier, Spolien. Phänomene der Wiedervereinigung in der Architektur (Jovis Verlag) - „Am Eigensinn der Körper vorbei“: Christoph Türcke seziert die Widersprüche der Gender-Theorie. „Dass eine schiefe Theorie blinden Entscheidungen Vorschub leistet, ist dagegen nach der Lektüre dieses glänzenden Buches nicht zu verkennen. Wer in der Geschlechterdebatte nach einem unabhängigen Standpunkt sucht, sollte es lesen.“
Christoph Türcke, Natur und Gender. Kritik eines Machbarkeitswahns (C.H. Beck) - „Der talentierte Mr. Swift“: John Boynes mit behaglichem Sarkasmus ausgebreitete Literaturbetriebssatire Die Geschichte eines Lügners. „Wer mit behaglichem Sarkasmus Geheimnisse des Literaturbetriebs ausplaudert, hat bei Kritikern meist mehr Erfolg als beim Publikum: Man liebt den Verrat, nicht die Verräter, und der ehrliche Erzähler gilt mehr als der raffinierte Lügner. Boynes Kunst besteht darin, dass er mit erfundenen und gestohlenen Geschichten die Dämonen in der eigenen Brust beschreibt.“
John Boyne, Die Geschichte eines Lügners (Piper)
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- „Was uns ergreift“: Warum sind Verschwörungstheorien so erfolgreich? Nicola Gess und Ingrid Brodnig wissen Rat. „Brodnig rechnet wie Gess mit der Gefühlskraft von „Verschwörungsmythen“ und Fake News. Aber Rhetorik können die anderen auch, und womöglich besser. Wer die beiden kleinen Bücher nacheinander liest, wird sich ein nächstes Level der Kritik wünschen, das in Selbstkritik mündet.“
Ingrid Brodnig, Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online (Brandstätter Verlag)
Nicola Gess, Halbwahrheiten. Zur Manipulation von Wirklichkeit (Verlag Matthes & Seitz)
- „Supermans Hochzeitsnacht“: Ein Gedicht von Vladimir Nabokov ist wieder aufgetaucht. „Dieses Gedicht, das das Times Literary Supplement mit einem Begleittext des russischen Gelehrten Andrej Babikov bekannt macht, wird den Blick auf Nabokovs Werk nicht gleich verändern. Es bietet aber einen Nabokov, mit dem niemand gerechnet hätte: der Feingeist hat die triviale Literaturgattung nicht als Schund abgetan, sondern sie als Material genutzt.“
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„Ein ansehnlicher Schwede“: Überraschungserfolg aus den USA: In Hernan Diaz’ naturschwerem Western In der Ferne klafft der größte Canyon zwischen der Sprache und der Wirklichkeit. „Der Autor erzählt von einem verheerten, staubigen, brutalen Land, in dem Menschen herumirren, die nirgendwo einen Platz finden und überall fremd sind. Diaz, 1973 in Argentinien geboren, in Schweden aufgewachsen, mittlerweile in Brooklyn zu Hause, Professor für Hispanistik an der Columbia University, kennt Erfahrungen von Entwurzelung.“
Hernan Diaz, In der Ferne (Hanser Berlin)
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- „Im hellen Licht der Jugend“: Benedict Wells’ bittersüße Geschichte vom Erwachsenwerden. „Benedict Wells, diesem großen schriftstellerischen Talent, ist ein Coming-of-Age-Roman geglückt, der all die Träume und Wünsche in uns wieder wachkitzelt, die das Leben allzu gern über die Jahre zurechtschleift, bis sie kaum noch zu erkennen sind. Niemand kann den ersten verliebten Sommer wiederholen. Doch in diesem Büchlein scheinen die Sonnenstrahlen der Jugend eingefangen zu sein und noch einmal hell zu leuchten.“
Benedict Wells, Hard Land (Diogenes) - „‚Was für Kanaillen'“: Frida Kahlo 1939 über die Pariser Kunstszene. „Das Buch (…), stammt von dem 1951 geborenen Marc Petitjean, dem Sohn des Mannes, dem Frida Kahlo zwei Wochen lang ihre Aufmerksamkeit, ihren geschundenen Körper und danach ein Bild schenkte.“
Marc Petitjean, Das Herz – Frida Kahlo. Eine Liebesaffäre in Paris, Frühjahr 1939 (Schirmer/Mosel)