Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
![]()
- „Lyrik ist Einmischung“: Kein Zimmer im Elfenbeinturm für diese Dichterinnen: Audre Lorde und Claudia Rankine haben an Aktualität nichts eingebüßt. „Worum es geht ist dies: die Fähigkeit auszubilden, sich bei allen Unterschieden gleichberechtigt aufeinander zu beziehen. Audre Lorde war schwarz, lesbische Mutter und Ehefrau eines weißen Mannes und dann Partnerin einer weißen Frau – immer gab es einen Anteil von ihr, der in den verschiedenen Gemeinschaften für Anstoß sorgte.“
Audre Lorde, Sister Outsider (Hanser) - „Den Stinkhahn mochten sie besonders gern“: Lob der Erdanziehung, Sein ohne Zeit: In glänzenden Essays verortet Jan Wagner sich in der Tradition der ungespreizten Diesseits-Dichtung. „Die farb- und bilderprächtigen Prosagedichte sprechen von Alltäglichem (mutigen Graffiti in Iran; noch mutigeren Suppen in Vietnam), zielen aber auf das Überzeitliche, allen Menschen Gemeinsame ab.“
Jan Wagner, Der glückliche Augenblick (Hanser Berlin) - „Hedonisten erwünscht“: Manfred Enzenspergers lyrische Pensionsnotate. „Angehenden Pensionären kann dieses hübsch ausgestattete Buch als Vademecum nur empfohlen werden.“
Manfred Enzensperger, tage, mäuse, himmelfahrt (Verlag Ralf Liebe)
![]()
- „Das Schicksal kennt keine Zeit“: Von der Landlust zum wahnsinnigen Welterzählungsunternehmen: Mathias Énards bombastischer Roman Das Jahresbankett der Totengräber. „Es ist ein großes Wimmelbild, aus dem man einzelne Geschichten hervor- und zurücktreten lassen kann. (…) Ein großes heiteres Kunststück, das gutwillige und mitunter hartnäckige Leser braucht.“
Mathias Énard, Das Jahresbankett der Totengräber (Hanser Berlin)
![]()
- „Das Ich, ein endlos Ploppen!“: Die Entdeckung der „Luftwurzler“: Anna Baars Roman Nil ringt um die verwandelnde Kraft des Erzählens. „Dieser avantgardistische Roman mag samt seiner zahlreichen Perspektivwechsel und gezielten Erschütterungen unserer Wahrnehmung reichlich überkonstruiert anmuten. Nichtsdestotrotz lässt er sich als eine Feier auf die Literatur beschreiben, als ein Rausch an Bildern und Fabulierlust, mit unzähligen Anspielungen, etwa auf Gedichte von Schiller, Goethe und nicht zuletzt die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, in denen Scheherazade ihrem Fürsten allabendlich eine Erzählung darbieten muss, um nicht getötet zu werden.“
Anna Baar, Nil (Wallstein Verlag)