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Umgeblättert heute: „Ein mutiges und tiefes Debüt“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „In einer Reihe von Frauen“: Antje Rávik Strubel bekommt den Deutschen Buchpreis 2021 für den Roman Blaue Frau. „„Blaue Frau“ ist eine formal und ästhetisch anspruchsvolle Erzählung, die in einer von der Metoo-Bewegung sensibilisierten Öffentlichkeit wahrscheinlich besser verstanden wird, obwohl sie der Selbstreflexivität ihres Schreibens wegen in jüngeren Debatten nicht aufgeht.“
  • „Die Legende bleibt gewahrt“: Sein Leben lang erzählte John le Carré von Geheimagenten und Spionen. In Wahrheit aber ging es ihm immer um die Liebe. Auch in seinem letzten Roman Silverview. „Das Undenkbare denken, das ist aktueller denn je, seitdem Boris Johnson mit seinen Brexitvisionen alte britische imperiale Großmachtträume reaktivierte – John le Carré ist ein vehementer Brexit-Gegner gewesen.“
    John le Carré, Silverview (aus dem Englischen von Peter Torberg; Ullstein)
  • „Rettung in letzter Minute“: Was, wenn es auf der Erde keine Wildnis mehr gibt? Lothar Frenz macht in seinem Buch Wer wird überleben? einen Vorschlag. „Fallgeschichten dieser Art sind es, die den Kern des Buchs von Lothar Frenz, Wer wird überleben?, ausmachen. Dabei ist es gar kein pessimistisches und händeringendes Buch, sondern spricht von vielen Rettungen in letzter Minute.“
    Lothar Frenz, Wer wird überleben? Die Zukunft von Natur und Mensch (Rowohlt Berlin)
  • „Depressive Dissidenten“: Te-Ping Chen erzählt vom Preis der Anpassung. „Chen erzählt in sehr klarer Sprache, ohne Schnörkel und Effekte, was den Geschichten manchmal etwas Märchenhaftes gibt und schön kontrastiert mit dem Zynismus, der in vielen von ihnen schwelt. Ein mutiges und tiefes Debüt.“
    Te-Ping Chen, Ist es nicht schön hier? Storys (aus dem Englischen von Anke Carolin Burger; Aufbau Verlag)

 

  • „Spielen erwünscht“: Antje Rávik Strubel gewinnt den Buchpreis und wünscht uns so viel Beweglichkeit, wie die Sprache schon hat. „Sprache für die Sprachlosigkeit: Das ist zugleich ein Thema des Romans Blaue Frau, einem Buch, in dessen Kern das traumatische Erlebnis einer Vergewaltigung steckt, auf das eine junge Tschechin nur mit einem rigorosen Rückzug reagieren kann.“
  • „‚Ein Zerfall der EU zeichnet sich ab'“: Der Soziologe Wolfgang Streeck über die Entstehung einer bipolaren Weltordnung und die künftige Rolle Europas und Deutschlands.
    Wolfgang Streeck, Zwischen Globalismus und Demokratie (Suhrkamp)
  • „Der schmale Grat zwischen Kritik und Dämonisierung“: Micha Brumliks akribische Aufarbeitung der Causa Achille Mbembe und der damit verbundenen Antisemitismus-Vorwürfe. „Shoah darstellt, fasst Unvorstellbares in Wort und Bild. Brumlik unterstützt das von Michael Rothberg aufgestellte Theorem des ‚multidirektionalen Erinnerns‘, das den Holocaust gewissermaßen vorwärts und rückwärts einordnet. Dieses modische ‚entanglement‘ mag Kulturwissenschaftlerinnen faszinieren, bleibt aber gedanklich vage und realpolitisch steril.“
    Micha Brumlik, Postkolonialer Antisemitismus? (VSA-Verlag)

 

  • „Geschichten vom Sturz ins Verderben“: Künftige Generationen werden neidisch auf unser Zeitalter schauen: Daniel R. Headrick legt eine nüchtern-lakonische und materialreiche Umweltgeschichte vor. „Doch so einfach macht er es sich und seinen Lesern zum Glück nicht. Ihn interessieren Wechselwirkungen und Kettenreaktionen: Wechselwirkungen verbinden beispielsweise Produktion und Naturausbeutung; wie wenig sich „Wirtschaft“ und „Umwelt“ trennen lassen, wird in diesem Buch an zahllosen Beispielen deutlich.“
    Daniel R. Headrick, „Macht euch die Erde untertan“.Die Umweltgeschichte des Anthropozäns (aus dem Englischen von Martin Richter; Wbg/Theiss Verlag)
  • „Eiscreme im Hörnchen, das ist das Glück“: Distinktion um ihrer selbst willen hilft halt auch nicht: Hanna Engelmeier sucht und findet Trost in Texten aller Art. „Engelmeier zeigt, dass Trost nicht in erster Linie gespendet, sondern angenommen werden muss. Darin liegt für Leser, die sich auch als Autoren verstehen, eine besondere Chance: Im Schreiben konstituieren sie sich, und das, was sie im Text festhalten, gewinnt an Macht. Es gelingt der Autorin in ihrem Essay, das Kleine zu achten, ohne das Große zu unterschätzen, was für manche Leser tröstlich sein dürfte, für alle anderen schlicht erfreulich.“
    Hanna Engelmeier, Trost. Vier Übungen (Matthes & Seitz Verlag)
  • „Monaden unter sich“: Der Corona-Roman des John von Düffel. “
    John von Düffel ist als Dramatiker wie als Romanautor ein genauer Beobachter der gesellschaftlichen Gegenwart; wie ein Seismograph versteht er es, Gefühls- und Denkwelten literarisch auszumalen. Vielleicht war bei diesem Roman die Verführung zu groß, auf dem Hintergrund von Corona schnell zur Stelle sein zu wollen und die Kruditäten der Pandemie zu be­leuchten. Das ist ihm leider nicht gelungen.“
    John von Düffel, Die Wütenden und die Schuldigen (Dumont Verlag)
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