Anlässlich des BuchMarkt-Specials Religion (ab Seite 60) haben wir mit Folkert Roggenkamp von der Deutschen Bibelgesellschaft gesprochen und mal nachgefragt:
buchmarkt.de: Herr Roggenkamp, welche Themen werden das Jahr 2022 bei den konfessionellen Verlagen beherrschen?

Folkert Roggenkamp: Eine Glaskugel besitzen auch wir konfessionellen Verleger nicht. Wie alle anderen Verlage sind wir von Lieferengpässen und den drastisch gestiegenen Preiserhöhungen bei Papier und Pappe betroffen. Durch eine vorausschauende Planung konnten wir jedoch noch im dritten Quartal 2021 Papiermengen disponieren, die insbesondere die neue BasisBibel, von der wir in weniger als zwölf Monaten über 250.000 Exemplare verkauft haben, auch 2022 lieferbar halten wird. Bei unverändert günstigen, aber angemessenen Preisen.
Und was ist das Highlight im Programm der Deutschen Bibelgesellschaft?
In diesem Jahr feiern Christen in Deutschland das Erscheinen des Neuen Testaments in der Übersetzung von Martin Luther im September 1522. 500 Jahre Bibelübersetzung, und für Buchmenschen: der erste Bestseller, das wirkmächtigste Buch der Weltgeschichte, das „Buch der Bücher“, der kulturelle Grundstock des Abendlands. Wir begehen dieses einzigartige Jubiläum mit einer großen Preisaktion: zehn ausgewählte Ausgaben der Lutherbibel in der aktuellen Fassung von 2017 zum Sonderpreis! Limitiert bis zum Reformationstag am 31.10. und nur, solange der Vorrat reicht. Das wird ein Fest!
Die Mitgliederzahlen sinken, die katholische Kirche wankt von einem Skandal zum nächsten. Wie wird sich das Kirchenjahr entwickeln?
Kirchenpolitisch blicken wir mit Spannung auf den Mai, wenn der Deutsche Katholikentag hier in Stuttgart stattfindet. Nach den jüngsten Veröffentlichungen zum Thema „Sexueller Missbrauch“ wird es dort – und bis dahin – sicherlich eine breite öffentliche Auseinandersetzung geben, für die katholische Kirche ein Novum. Aber: auch die evangelische Kirche hat ihre Leichen im Keller. Niemand sollte glauben, dass Machtmissbrauch, ob in sexueller oder anderer Ausprägung, vom konfessionellen Bekenntnis abhängig ist.
Spüren auch Sie in den konfessionellen Verlagen Auswirkungen dieser Krise?
Nein. Der satzungsgemäße Auftrag der Deutschen Bibelgesellschaft lautet, die Bibel zu den Menschen zu bringen. Ein unmittelbarer Zusammenhang zu einem religiösen, christlichen oder speziell protestantisch geprägten Missionsgedanken ergibt sich daraus nicht. Sehr defensiv formuliert könnte man sagen: es ist unsere Aufgabe, das Wort Gottes den Menschen verfügbar zu machen. Was sie damit anstellen, wie sie damit umgehen, ist ihre Sache. Sie wären vielleicht überrascht, wie weltlich viele Mitarbeiter*innen der Deutschen Bibelgesellschaft ihre Aufgabe angehen. Verlage, die konfessionelle Schriften verbreiten, sind nicht zwangsläufig auch beseelt von deren Inhalten.
Aber die Zahl der Mitglieder der beiden Volkskirchen sinkt doch seit Jahren kontinuierlich?
Das ist richtig und folgt auch einem allgemeinen Trend der Individualisierung und der sinkenden Bereitschaft sich an Vereine und andere Institutionen dauerhaft zu binden. Nur: man muss weder christlich noch anderweitig religiös geprägt sein, um die Bibel mit Gewinn zu lesen. Dreitausend Jahre Menscheheitsgeschichte, Wissen, Erfahrungen und Gedanken sind in ihr enthalten, und das Christentum hat Deutschland, Europa und die ganze Welt geprägt wie kein anderer kultureller Einfluss. Nennen Sie mir einen Roman der westlichen Gegenwartsliteratur, der nicht auf biblische Motive zurückgreift.
Und was ist Ihr persönliches Highlight im Programm der Deutschen Bibelgesellschaft?
Im Mai erscheint bei uns eine ganz neue Kinderbibel, Die große Kinderbibel für alle, die schon selber lesen von Christiane Herrlinger und Mathias Weber. Kinderbibeln sind Nacherzählungen biblischer Stoffe und Geschichten, keine eigenen Bibelübersetzungen. Das gibt Raum für Kreativität und erlaubt literarischen Erfindergeist. Mit den Illustrationen von Mathias Weber, die bereits viele Menschen sehr ins Herz geschlossen haben, ergibt sich ein frischer, neuer Zugang zu den bekannten Geschichten. Mein ganz besonderer Lesetipp – auch für Menschen, die mit „der Kirche“ nichts anfangen können!







