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Die SWR-Bestenliste für den Februar ist da!

Renommierte Literaturkritiker*innen nennen monatlich – in freier Auswahl – vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie möglichst viele Leser*innen wünschen, und geben ihnen Punkte (15, 10, 6, 3).

1. Alois Hotschnig: Der Silberfuchs meiner Mutter (Kiepenheuer & Witsch)

Im Jahr 1942 kommt der junge Österreicher Anton Halbsleben als Besatzungssoldat in eine norwegische Kleinstadt und verliebt sich in eine Krankenschwester. Der gemeinsame Sohn rekonstruiert die Geschichte seiner Eltern – ein komplexer und sprachlich ambitionierter Prozess der Selbst- und Geschichtserforschung.

2.Monika Helfer: Löwenherz  (Hanser Verlag)

Die zeitgeschichtlichen Umstände sind in Helfers Romanen der Nährboden für die Atmosphäre. Vor sie tritt der Mensch. In Helfers neuem Roman ist es Richard, der Bruder der Ich-Erzählerin, dem ein Erinnerungsbuch gewidmet ist. Wie auch in den Vorgängerromanen balanciert Helfer kunstvoll zwischen Empathie und Lakonie.

3. Matthew Sweeney: Der Schatten der Eule Gedichte. Übersetzt aus dem Englischen von Jan Wagner (Hanser Berlin Verlag)

Im Herbst 2017 wurde dem irischen Dichter Matthew Sweeney eine unheilbare Krankheit diagnostiziert. »Der Schatten der Eule« ist ein Abschiedsbuch, verfasst innerhalb eines knappen Jahres. Trotzdem haftet den Gedichten nichts Verzweifeltes an; selbst dem Leiden nimmt er sich mit Zärtlichkeit an.

4.Mary Ruefle: Mein Privatbesitz Übersetzt aus dem Englischen von Esther (Suhrkamp Verlag)

Kurztexte, Reflexionen, Gedankensprünge. 2020 war Mary Ruefle für den Pulitzer Prize nominiert; in Deutschland ist sie so gut wie unbekannt. Charakteristisch für ihre verknappte, vor Einfallsreichtum flirrende Prosa ist vor allem der Umstand, dass sie ihre Leser jederzeit zu überraschen vermag.

5.Damon Galgut: Das Versprechen Übersetzt aus dem Englischen von Thomas Mohr (Luchterhand Literaturverlag)

Ausgezeichnet mit dem Booker Prize: Der Südafrikaner Dalmon Galgut hat den zentralen Konflikt seines Landes in eine packende Geschichte hineingeschrieben. Das Apartheidsregime hat das Land noch immer fest im Griff, selbst nach seinem offiziellen Ende. Seine Figuren verurteilt Galgut dennoch nicht.

6. Yasmina Reza: Serge Übersetzt aus dem Französischen von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel (Hanser Verlag)

Mit komödiantischem Gestus stellt Yasmina Reza die gängigen Werte auf den Prüfstand. In ihrem neuen Roman geht es um eine Jüdin, die als Antisemitin bezeichnet wird, und um den Umgang mit dem Holocaust-Gedenken. Der Höhepunkt ist eine Familienreise nach Auschwitz. So respektlos wie Reza schreibt darüber niemand.

7. Gavin Maxwell: Ein Ring aus hellem Wasser Übersetzt aus dem Englischen von Iris Hansen und Teja Schwaner (Blessing Verlag)

Gavin Maxwell stammte aus dem schottischen Hochadel, liebte den Whisky und schnelle Autos. Ein schwuler Snob, rastlos, an einer bipolaren Störung leidend. »Ein Ring aus hellem Wasser« ist der Bericht seines Lebens an der schottischen Westküste. Mit Ottern. Ein Klassiker des Nature Writing, nun neu zu entdecken.

7. Kathy Page: Alphabet Übersetzt aus dem Englischen von Beatrice Faßbender, (Wagenbach Verlag)

Ein geschickter Manipulator und Mörder, der aus dem Gefängnis heraus Briefwechsel mit Frauen beginnt: Ein spannendes Psychogramm, aber auch eine gesellschaftliche Studie aus dem England der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre, der Thatcher-Jahre also, die das Land umkrempelten.

7. Pier Paolo Pasolini: Nach meinem Tod zu veröffentlichen Gedichte. Herausgegeben, übersetzt aus dem Italienischen und mit einem Nachwort von Theresia Prammer (Suhrkamp Verlag)

Für den 1975 ermordeten Pasolini war die Lyrik die vom Kapitalismus unangetastete Ausdrucksform. Zu den unveröffentlichten Arbeiten, die sich im Nachlass Pasolinis fanden, zählt auch eine Reihe von Gedichten, die die österreichische Romanistin Theresia Prammer nun in vorbildlicher Weise ediert, übersetzt und kommentiert hat.

10. Michel Houellebecq: Vernichten Übersetzt aus dem Französischen von Stephan Kleiner und Bernd Wilczek (DuMont Buchverlag)

Ein Ereignis: Ein neuer Houellebecq, mehr als 600 Seiten dick. Und vielleicht sein letzter, wie er im Nachwort andeutet. Zumindest einer seiner bislang menschenfreundlichsten Romane. In einer Welt der nahen Zukunft erscheint das Private als einzig möglicher Rückzugsraum. Dort gibt es tatsächlich so etwas wie Glück. Erstaunlich.

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Die Jury: Gerrit Bartels (Berlin) │Helmut Böttiger (Berlin) │ Michael Braun (Heidelberg) │ Mara Delius (Berlin) | Gregor Dotzauer (Berlin) │ Martin Ebel (Zürich) │ Eberhard Falcke (München) │ Cornelia Geißler (Berlin) │ Sandra Kegel (Frankfurt) │ Dirk Knipphals (Berlin) │Sigrid Löffler (Berlin) │ Ijoma Mangold (Berlin) │ Klaus Nüchtern (Wien) │ Jutta Person (Berlin) │ Wiebke Porombka (Berlin) │ Iris Radisch (Hamburg) │ Ulrich Rüdenauer (Bad Mergentheim) │ Denis Scheck (Köln) │ Marie Schmidt (München) │ Christoph Schröder (Frankfurt) │ Julia Schröder (Stuttgart) │ Gustav Seibt (Berlin) │ Hubert Spiegel (Frankfurt) │ Nicola Steiner (Zürich) │ Daniela Strigl (Wien) │ Beate Tröger (Frankfurt) | Kirsten Voigt (Baden-Baden) │ Jan Wiele (Frankfurt) │ Insa Wilke (Berlin) │ Hubert Winkels (Köln)

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