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Umgeblättert heute: Neue Krimis

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Mutters Vorstellungen von Ehe und Treue“: Liz Nugent seziert eine dysfunktionale irische Familie aus der Sicht der drei Söhne – von denen einer tot und einer Mörder ist. „Genrekonventionen können findigen Autoren einen Rahmen bieten, der überbordenden Ideen Halt gibt. Die irische Schriftstellerin Liz Nugent ist so eine findige Autorin, und würde auf dem Umschlag ihres Buches Kleine Grausamkeiten nicht das Wörtchen ‚Kriminalroman‘ stehen, man vergäße glatt beim Lesen, dass es hier eigentlich um einen Mord geht, so klug seziert die Autorin dysfunktionale Familienstrukturen.“
Liz Nugent, Kleine Grausamkeiten (aus dem Englischen von Kathrin Razum; Steidl Verlag)

„Sechzehn Tote sind zu viel“: Paul Beatty erzählt von einem jungen Afroamerikaner in New York und versucht sich an einer Mischung aus Krimi, Satire und Gesellschaftsporträt. „Sein ganzes Potential entfaltet das Buch nur im englischsprachigen Original. Der Übersetzer Robin Detje gibt zwar alles, kriegt Beattys spezielle Mischung aus Hip-Hop-Jargon und reflektiertem Parlando aber nicht zu fassen: Insgesamt wird geflucht und überzeichnet, was das Zeug hält. Die Figuren können gleichwohl auch auf ausgesprochen eloquente Weise ausgesprochen kluge Dinge von sich geben.“
Paul Beatty, Tuff (aus dem Englischen von Robin Detje; Btb Verlag)

„Die Kosten des Ölbooms“: Elizabeth Wetmore hat die texanische Ölstadt Odessa mit achtzehn verlassen. Wenn man ihren Roman Wir sind dieser Staub liest, weiß man, warum. „Dass daraus literarisch keine Schwarz-Weiß-Malerei wird, verdankt sich der Ausdruckskraft der Autorin, obwohl auch sie das epidemisch eingesetzte historische Präsens verwendet. Wie souverän Wetmore Klischees umschifft, macht ihren Roman bemerkenswert. Er ist zeithistorisch verankert, greift aber dank seiner sprachmächtigen Bilder aus ins Überzeitliche.“
Elizabeth Wetmore, Wir sind dieser Staub (aus dem Englischen von Eva Bonné; Eichborn-Verlag)

„Die Zerstörung des Trugbildes“: 20 Jahre nach Eröffnung der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ braucht es neue Formen der Erinnerung. „Jetzt liegt der Katalog der zweiten Ausstellung von 2001 bis 2004 in dritter Auflage vor. Als kiloschweres Monument der Akribie, hervorragend gestaltet und in allen Details mit Fotos, Faksimiles und Texten authentisch und unanfechtbar. Aber zwanzig Jahre später, begleitet von einem Themenheft der Hauszeitschrift des Hamburger Instituts, das den zweiten Anlauf des Aufklärungswerkes feiert, mutet der Katalog doch eher museal an. Ein Kompendium für den stabilen Schreibtisch, eine Zierde im Bücherschrank. Der heilende Aufschrei, der die erste Ausstellung begleitete, ist nicht mehr vernehmbar.“
Hamburger Institut für Sozialforschung, Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 bis 1944

„Mit Feindbildern und eigener Wahrheit“: Cyrill Stieger über die Einwohner Ex-Jugoslawiens. „Stieger sammelt und analysiert oft unspektakuläre Impressionen aus dem Nachkriegsalltag. An den Orten, die Stieger besucht, geht alles seinen geregelten Gang. Gerade deshalb wirken viele seiner so anschaulichen Beobachtungen doch beklemmend.“
Cyrill Stieger, Die Macht des Ethnischen. Sichtbare und unsichtbare Trennlinien auf dem Balkan (Rotpunkt-Verlag)

„Krimis in Kürze“:
Doug Johnstone, Eingeäschert (Polar)
Inken Witt, Warten. Leben. Sterben (Piper)
Anne Mette Hancock, Grabesstern (Scherz)

 

„Das Gebot des ‚Nie wieder‘ und einige seiner Lesarten“: Natan Sznaider hat einen Schlüsseltext zur Debatte über Holocaust und Kolonialismus geschrieben. „Neugierig und unvoreingenommen zeichnet Natan Sznaider die Genese der Kontroverse nach. Damit bietet er seine Überlegungen als Schlüssellektüre für ein besseres Verständnis eines sich zuspitzenden Debattenklimas an, in dem Antisemitismusvorwürfe geradezu inflationär zirkulieren. Mit theoriegeschichtlichem Gespür und in einfacher Sprache zeigt er, wie es zu jener intellektuellen Starre in den Diskussionen um Holocaust und Postkolonialismus gekommen ist.“
Natan Sznaider, Fluchtpunkte der Erinnerung. Über die Gegenwart von Holocaust und Kolonialismus (Hanser)

„Ein Mann muss Dampf ablassen“: Das Wunder von Runxendorf, Michael Wäsers grausiger Roman über Fußball und Mord. „Wäser beschreibt eine Fassade der Heimeligkeit, hinter der sich Grausamkeit und Frauenverachtung nicht einmal besonders gut verstecken.“
Michael Wäser, Das Wunder von Runxendorf. Ein Mörder Roman (Axel Dielmann Verlag)

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