Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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- „Akribische Achtlosigkeit“: Italien im Jahr der Erdbeben: In ihrem Roman Rombo wagt sich Esther Kinsky an eine seismische Erinnerungsfotografie. „Kurioserweise bleibt an Rombo alles blass, selbst die kleinteilig beschriebene Natur.“
Esther Kinsky, Rombo (Suhrkamp Verlag) - „Auseinandersetzung mit einer Schicksalsmacht“: Nach einem Jahrhundert endlich wiederaufgelegt und glänzend kommentiert: Oskar Loerkes Roman Der Oger. „Vor hundert Jahren erhielt Der Oger ein gutes Dutzend anerkennender Rezensionen. Danach aber scheint er aus dem Bewusstsein des Publikums und der literarisch tonangebenden Zeitgenossen rasch verschwunden zu sein. In der extensiven Romandebatte der Zwanzigerjahre spielt er keine Rolle; vorbildlich wirkte er wohl nur für Hans Henny Jahnn, neuerdings vielleicht für Lutz Seiler. In literaturgeschichtlichen Epochendarstellungen wird er nicht erwähnt, was die Herausgeber beklagen, ohne indessen zu fragen, wie es zu dem raschen und gründlichen Vergessen kam.“
Oskar Loerke, Der Oger (hrsg. von Dieter Heimböckel und Claus Zittel; C. W. Leske Verlag) - „Hintergrundrauschen des Lebens“: Russland aus informierter Außensicht: Marente de Moors Roman über seltsame akustische Phänomene. „Die niederländische Schriftstellerin Marente de Moor hat ein Buch geschrieben, das in Russland spielt, in der Nähe der lettischen Grenze. Es geht um ein Paar, beide Zoologen, die 1984 von Leningrad in ein Dorf ziehen. “
Marente de Moor, Phon (aus dem Niederländischen von Bettina Bach; Hanser Verlag) - „Facetten der Aufklärung“: Ein Sammelband von Alexander Košenina mit seinen Beiträgen in der F.A.Z. widmet sich dem Phänomen des Selberdenkens. „Alexander Košenina hat in zahlreichen Beiträgen für die F.A.Z. Aufklärung als einen Prozess des Selbstdenkens beschrieben – frei von Moral, Konvention oder Zensur. In seinem neuen Buch ist nun eine Reihe von Feuilletons und Kritiken des in Hannover lehrenden Literaturwissenschaftlers versammelt, in denen er Köpfe von Basedow bis Wezel, Werke von Casanova bis La Roche und Themen von Epidemie bis Theater vorstellt.“
Alexander Košenina, Es denkt. Facetten der Aufklärung (Wehrhahn Verlag)Reisebuch -
„Reise in die Erinnerung: Nach fast sechzig Jahren ist Thomas Höpker zum zweiten Mal von Küste zu Küste durch Amerika gefahren. Ein Bildband bringt seine alten und neuen Fotografien zusammen“
Thomas Höpker, hrsg. von Freddy Langer: The Way it Was – Road Trips USA, Steidl - „Der Wind hat mir ein Lied gesungen“
Susanne Schaber: Triest – Poesie von Wind, Wasser und Stein, Picus - „Hymnen an die Stille.“
Stefanie Bisping: Lesereise Nordirland: Gärten, Geister und
Giganten, Picus - „Durchs Holstentor zum Powershoppen.“
Franz Lerchenmüller: Fast alles über Lübeck – Geschichte und Geschichten: Ein charmantes Sammelsurium, Vitolibro - „tokio leigt am Amazonas-“
Margit Kohl und Jochen Müssig: Weltreise durch Deutschland, Verlag 360° medien
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- „Immer für die Satten“: Besuch beim ungarischen Schriftsteller Péter Nádas, um zu fragen: Warum setzen sich in seinem Land die Nationalisten durch? Und besteht bei der Wahl am Sonntag die Aussicht auf einen Regimewechsel? „‚Orbán bewundert Stärke. Orbán ist ein ängstlicher Menschu‘, sagt Nádas. Wovor hat er Angst? ‚Er hat Angst vor allem, genau wie Putin.'“
- „Hochspannungsliebe“: Postkoloniales Juwel: Die letzte der magischen politischen Parabeln des Haitianers Jacques Stéphen Alexis. „Die letzte deutsche Ausgabe von L’espace d’un cillement liegt lange zurück, übersetzter Titel (Die Mulattin) wie Buchcover wirken heute wie ungenießbare Früchte zu lange gereifter Männerfantasien. Dass Alexis durch sein ungestümeres Spätwerk neu zu entdecken ist, verdankt sich dem Litradukt-Verlag, der sich seit Jahren um haitianische Literatur bemüht, und der Übersetzung von Rike Bolte, die zwar ab und an zu übersteuern droht, sich aber genau darin als passendes Pendant zum nervenaufreibenden Originaltext qualifiziert.“
Jacques Stéphen Alexis, Der Stern Wermut (aus dem Französischen von Rike Bolte; Litradukt)
- „Verkannter Knotenpunkt“: Eine Ehrenrettung der philosophischen Postmoderne. „Der Philosoph Daniel-Pascal Zorn hat dieser schlichten Geschichte nun auf mehr als 600 Seiten eine gewaltige und komplexe Gegenerzählung gewidmet. Anhand einer kollektiven intellektuellen Biografie von acht Philosophen zeichnet er die Denkbewegung eines unübersichtlichen und vielfältigen intellektuellen Projekts nach, das weniger eine geschlossene Schule darstellt als einen repräsentativen Knotenpunkt im Denken unserer Zeit.“
Daniel-Pascal Zorn, Die Krise des Absoluten – Was die Postmoderne hätte sein können (Klett-Cotta)
- „Von SZ-Autoren“: Barbara Vorsamer über Depressionen. „Anhand ihres eigenen therapeutischen Weges zeichnet sie nach, was hilft und was nicht, sie schreibt über Medikamente und frische Luft, Therapien und Freundschaften. Sie erklärt, was Angehörige tun können und was diese unbedingt Profis überlassen sollten, und sie gibt ein Versprechen: Zwar weiß auch sie nicht, wie Depressionen weg gehen. Aber sie weiß, dass sie weg gehen, denn das tun sie immer. Irgendwann. Es ist ein Buch, das Hoffnung macht.“
Barbara Vorsamer, Mein schmerzhaft schönes Trotzdem: Leben mit der Depression (DTV)
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- „‚Unbegreiflich, wo er das hernimmt'“: Zum Abschluss der Frankfurter Hofmannsthal-Ausgabe: Katja Kaluga und Konrad Heumann vom Freien Deutschen Hochstift im Interview über traumartiges Schreiben, fließende Identitäten, fortwährende Veränderlichkeit. „Langer Atem war erforderlich und vorhanden, um seit 1967 in 55 Jahren am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt die Kritische Ausgabe der Werke von Hugo von Hofmannsthals zu fertigen. 40 Bände in 42 (!) Teilbänden – die umfangreichste Kritische Gesamtausgabe zu einem deutschsprachigen Autor, einer deutschsprachigen Autorin des 20. Jahrhunderts. Ein solches Projekt würde heute gar nicht mehr begonnen, sagt Konrad Heumann, seit 1995 dabei.“