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Umgeblättert heute: „Der Makrokosmos einer kranken Gesellschaft im Mikrokosmos einer Familiengeschichte“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Mord als Theaterstück“: Sind das jetzt Leichen oder Schauspieler? Scott Thornleys Ermittlerteam macht sich Gedanken über Kunst und Metakunst. Nennenswerte Erkenntnisse kommen dabei zwar nicht heraus. Dafür ist die Gewalt umso schockierender. „Schein und Sein, Authentizität und Inszenierung, Leben und Tod, Wahrheit und Lüge, alles nicht uninteressant, aber in MacNeices viertem Fall geradezu danbrownhaft schlicht an den Leser getragen.“
    Scott Thornley, Der gute Killer. Kriminalroman (aus dem Englischen von Andrea O’Brien; Suhrkamp Verlag)
  • „Das volle Ausmaß der Zerrüttung“: Alfred Bodenheimer, der mit seinen Romanen um den Rabbi Klein bekannt wurde, wechselt den Schauplatz: Nun wird in Jerusalem ermittelt. „Es ist Bodenheimers Kunst, den Makrokosmos einer kranken Gesellschaft im Mikrokosmos einer Familiengeschichte zu spiegeln.“
    Alfred Bodenheimer, Mord in der Straße des 29. November. Ein Jerusalem-Krimi (Kampa Verlag)
  • „Kein Flappergirl weit und breit“: Zu den vielen Krimis, die im Berlin der goldenen Zwanziger angesiedelt sind, gesellt sich nun ein Roman, der weitab der Klischees liegt. „Duczika malt das Gesellschaftspor­trät einer Stadt, in der jeder für sein eigenes Glück verantwortlich ist, in der Hunger die Menschen antreibt zu arbeiten und die Verlockungen des Konsums ihnen den Lohn sofort wieder aus der Tasche ziehen und sie nach mehr streben lassen.“
    Herman Heijermans, Duczika. Ein Berlin-Roman (aus dem Niederländischen von Ferri Leberl; Bäßler Verlag)
  • „Keiner wird gewinnen“: Der Schwedenkrimi lebt, aber Deutschland und Japan haben auch etwas zu bieten: Neue Bücher von Åsa Larsson, Kerstin Ehmer und Kotaro Isaka.
    Åsa Larsson, Wer ohne Sünde ist (C. Bertelsmann)
    Kerstin Ehmer, Der blonde Hund (Pendragon)
    Kotaro Isaka, Bullet Train (Hoffmann und Campe)

  • „Das Netz der Mörder“: Martin Sabrow erklärt, wie aus der Kriegsniederlage der Rechtsterror in der Weimarer Republik erwuchs. „Er erzählt in dieser Neuausgabe seiner Dissertation von 1992 die nicht allzu bekannte Geschichte eines rechten Geheimbundes, der mit einem charismatischen und antidemokratischen Ex-Marineoffizier an der Spitze ein Komplott zur Beseitigung der Weimarer Republik geschmiedet hatte. Das prominenteste Opfer war deren jüdischer Außenminister Walther Rathenau.“

    Martin Sabrow, Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution (Wallstein-Verlag)

  • „Puzzlealarm in Babylon“: Christian Bommarius über das Krisenjahr 1923. „Es ist erfreulich, wenn sich das Lesepublikum mit der Weimarer Zeit befasst; Reportagen-Montagen helfen dabei, sich in diese komplexe historische Vergangenheit hineinzuwagen. Doch Dutzende Puzzleteile und Mosaikstücke ergeben noch lange kein komplettes Bild. Starke Zitate ersetzen nicht die Analyse. Und zum Verstehen braucht es mehr als die Chronik von Gefühlen von Zeitgenossen.“

    Christian Bommarius, Im Rausch des Aufruhrs (dtv)

  • „Selbst die Wolken sprechen katalanisch“: Spanien, Gastland der Frankfurter Buchmesse, wirft sein Licht voraus: In dem tollkühnen Roman von Irene Solà ist praktisch alles möglich. „Man muss sich Irene Solàs Roman wie einen gewebten Teppich mit einem bunten, komplexen Muster vorstellen, wie eine archäologische Ausgrabung, die Schicht um Schicht freilegt. Sie erzählt keine lineare Geschichte und im Zentrum steht nicht der Mensch, aber alles ist miteinander verbunden.“
    Irene Solà, Singe ich, tanzen die Berge (a. d. Katalan. v. Petra Zickmann, Trabantenverlag)

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