Gunther Geltinger (Jg. 1974) und Leonard Prandini (Jg. 1993) erhalten die Dieter-Wellershoff-Stipendien für das Jahr 2022. Die Dieter-Wellershoff-Stipendien wurden in diesem Jahr bereits zum fünften Mal vom Literaturhaus Köln als Arbeitsstipendien ausgeschrieben und im Zuge der Autorenförderung mit Mitteln der Stadt Köln ausgestattet. Für dieses und die nächsten zwei Jahre setzt sich die Jury aus Kristina Geilhaupt (Buchhandlung Bittner), Ulrike Schulte-Richtering (Literaturhaus Köln) und Christian Werthschulte (Stadtrevue) zusammen. Ausschlaggebend für ihre Entscheidung waren die eingereichten Exposés und Textproben aus 16 Einsendungen. Die Stipendien sind mit jeweils 12.000 € dotiert.

Gunther Geltinger arbeitet seit 2006 als freier Autor und hat bereits zahlreiche literarische Beiträge sowie drei Romane publiziert, zuletzt erschien Benzin (2019). Die Entscheidung für sein Romanprojekt Fieber begründet die Jury folgendermaßen:
„Fieber spürt dem Bestreben und der gleichzeitigen Unmöglichkeit nach, Ereignisse wahr zu erzählen: Wer besitzt die Deutungshoheit über die gemeinsame Vergangenheit und wie bildet sich private und kollektive Erinnerung heraus? Gunther Geltinger entwirft zur Beantwortung dieser Frage ein atmosphärisch dichtes Textgeflecht, das mit Hilfe der Schilderung einer lieblos gewordenen Beziehung soziale Prozesse erhellt. Intergenerationelle Traumata unterstreicht er mit eindringlicher, komplexer Sprache.“

Leonard Prandini legte 2017 seinen Debütroman Alles Verlorene noch einmal in den Händen halten vor, 2020 wurde sein Drehbuch zum Film „Der Fakir“ (Regie: Simon Baucks) durch die Film- und Medienstiftung NRW gefördert.
Sein Romanentwurf Drive-by Lindlar überzeugte die Jury „mit atemloser, zugleich heiterer wie verstörender Prosa, die die Lesenden in eine Fantasiewelt mit Fragmenten einer westdeutschen Vergangenheit zwischen Autobahn, Kleinstadt und Rainer Werner Fassbinder entführt. Was als Spurensuche beginnt, entpuppt sich als fantastische Irrfahrt eines von Merkwürdigkeiten nur so strotzenden Plots. Grotesk-imaginäres Erzählen und lebendige Bilder lassen eine fiebrig-surreale Atmosphäre entstehen, die Tempo und Intensität schafft und dazu mit absurdem Humor brilliert.“
Die bisherigen Dieter-Wellershoff-Stipendiat*innen sind Joachim Geil und Tina Ilse Maria Gintrowski (2018), Ulrike Anna Bleier und Bastian Schneider (2019), Adrian Kasnitz und Tilman Strasser (2020) sowie Gundula Schiffer und Angela Steidele (2021).