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Umgeblättert heute: „Sawatzki geht es um die Rettung ihrer Seele“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Kickertisch und Sexulakunde im Gepäck“: Deutschland ist Ehrengast der wichtigsten Buchmesse am Persischen Golf. Für die arabische Literatur ist die Lage kritisch. „Umgekehrt ist das Interesse deutscher und ganz allgemein westlicher Verlage an Büchern aus der arabischen Welt gering. Groß war es zwar noch nie. Doch die Pandemie hat die Arbeit der Verleger und wenigen arabischen Literaturagenten erschwert. Westliche Verlage, die in normalen Zeiten Interesse an arabischen Titeln zeigten, haben ihre Veröffentlichungen in den vergangenen zwei Jahre zurückgehalten und beginnen erst jetzt damit, aufgeschobene Programme abzuarbeiten.“
  • „Kein Terror im Paradies“: Aus drei Perspektiven erzählt Anna Yeliz Schentke in ihrem Debüt Kangal die Geschichte einer Flucht von Istanbul nach Frankfurt. „In Anna Yeliz Schentkes Roman fallen keine politischen Namen, Ismi Lazim Degil („der, der keinen Namen braucht“) steht für den ­Präsidenten. Das ist auch nicht nötig. (…) Dass sich eine junge Frau, die für ihren Onlinewiderstand ­ den Namen eines Hundes gewählt hat, der ­es mit Wölfen aufnimmt, womöglich auch ihrer erwehren muss, ist nicht aus der Welt.“
    Anna Yeliz Schentke, Kangal (S. Fischer)
  • „Die Lehren von Evian“: Jürgen Ritte bringt im hundertsten Todesjahr von Marcel Proust ein kleines Buchwunderwerk über die Besuche des Schriftstellers am Genfer See heraus. „Wie produktiv macht doch ein doppeltes Autorenjubiläum die Buchbranche! (…) Jüngstes, keinesfalls letztes, aber besonders schönes Beispiel ist ­Jürgen Rittes kleine kultur- und literaturgeschichtliche Studie über die Aufenthalte des Schriftstellers am Genfer See.“
    Jürgen Ritte, Marcel Proust am Genfer See (Insel Verlag)
  • „Die Vorstellung von Freiheit“: In Martin R. Deans Roman Ein Stück Himmel wird eine alte Freundschaft durch ein Unglück auf die Probe gestellt. „Martin R. Dean hat sich bei einer Reihe von Experten kundig gemacht über die Leiden von Querschnittsgelähmten; zuweilen benutzt er in seinem Roman selbst die Fachsprache der Mediziner. Das stört. Den Zustand zwischen Hoffnung und Verzweiflung beschreibt er jedoch derart eindringlich, dass ihm die Anteilnahme der Leser gewiss ist.“
    Martin R. Dean, Ein Stück Himmel (Atlantis Verlag)
  • „Wat de Buer nich kennt, dat fritt he nich“: So exotisch klingt die Heimat: Zwei Bände stellen die Eigenheiten des Hessischen und Plattdeutschen vor. „Nach wie vor snacken, küren, kallen, babbeln oder schwätzen viele Menschen, und noch bedeutend mehr verstehen immerhin, was da gesagt wird. Viele, die beides nicht können, interessieren sich trotzdem – oder deshalb – für die heimatliche Exotik dieser Sprachwelten. Ihnen allen liefern die beiden Bände einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Einblick.“
    Lars Vorberger, Hessisch. Vom Babbeln und Schnuddeln (Dudenverlag)
    Reinhard Goltz, Plattdeutsch. Vom Klönen und Schnacken (Dudenverlag)

  • „Gefährliche Mythen“: Die italienische Philosophin Donatella Di Cesare ist vehement gegen Waffenlieferungen an die Ukraine. Aus guten Gründen, wie ihre Philosophie der Migration zeigt. „Das Angebot, das Di Cesare mit ihrer Philosophie der Migration macht, ist also nicht zuletzt auch als eine Migration des Denkens zu verstehen. Und möglicherweise – oder bestenfalls – trägt der abscheuliche Angriffskrieg trotz all seiner Waffen dazu bei, dass sich viele Menschen auf diesen geistigen Weg machen, um sich zumindest schon einmal gedanklich in ein anderes, friedvolleres Europa zu begeben.“

    Donatella Di Cesare, Philosophie der Migration (aus dem Italenischen von Daniel Creutz; Matthes & Seitz)

  • „Rauschhafte Unterwerfung“: Szczepan Twardoch hat einen tollkühnen Underdog-Roman geschrieben. „Der polnische Romancier Szczepan Twardoch schafft in seinen Romanen einen bemerkenswerten Spagat. Auf der einen Seite stellt er den Wunsch einer großen Leserschaft nach spektakulären historischen Bilderbögen zufrieden, auf der anderen gibt er eigenwilligen (und in Polen oft auch provozierenden) Überlegungen zu Politik, Nation und Klasse Raum.“

    Szczepan Twardoch, Demut (aus dem Polnischen von Olaf Kühl; Rowohlt Berlin)

 

  • „Die Überforderung“: Wenn ein Kind auf seinen Vater aufpassen muss: Andrea Sawatzkis bedrückender, offenherziger Roman Brunnenstraße. „Sawatzki, eine vielbeschäftigte Fernsehschauspielerin, veröffentlicht seit einigen Jahren unterhaltsame Bücher. Das neue ist anders, packt durch Authentizität und Klarheit der Sprache. Manchmal sagt man, um Einsatz und Leidenschaft zu charakterisieren, jemand tue etwas, als ginge es um sein Leben. Brunnenstraße kann man ablesen, dass es Sawatzki um die Rettung ihrer Seele ging.“
    Andrea Sawatzki, Brunnenstraße (Piper)
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