Home > Bücher in den Medien > Umgeblättert heute: „Dieser Literaturnobelpreisträger machte Provinz zum Weltphänomen“

Umgeblättert heute: „Dieser Literaturnobelpreisträger machte Provinz zum Weltphänomen“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Sein ganzes Leben galt der Beschreibung dieser Region“: Dieser Literaturnobelpreisträger machte Provinz zum Weltphänomen: Johannes Vilhelm Jensens Neue Himmerlandsgeschichten. „Man sollte diese Geschichten mit dem sicheren Bewusstsein dafür lesen, dass es überall viel zu beobachten und dann zu erzählen gibt – man muss nur schräg genug an die Dinge rangehen. Und der schräge, erzählerisch jedoch zu hundert Prozent sichere Blick zeichnet Jensen aus.“

  • Johannes V. Jensen, Neue Himmerlandsgeschichten (aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg; Nachwort von Heinrich Detering; Guggolz-Verlag)

„Kämpfer des ‚Islamischen Staates‘ als Zeitarbeit“: Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère veröffentlicht seine eindrucksvolle Chronik des Prozesses zum Pariser Terror vom 13. November 2015. „Was das Buch V13 einem reinen Bericht voraus hat, ist seine Subjekti­vität. Die wäre nur mäßig interessant, verdoppelte sie sich nicht durch eine feine, ja spöttische Distanz: V13 schildert die Reaktion eines intelligenten, aber ge­wöhnlichen Prozessbeobachters, der sich durchaus zu Parteilichkeiten hinreißen lässt. Es scheint jedoch immer wieder eine kritische Perspektive durch, welche die Absurditäten des juristischen Spektakels und die Fallstricke der eigenen Involviertheit aufdeckt.“

  • Emmanuel Carrère, V13. Chronique judiciaire (mit einem Nachwort von Grégoire Leménager; P.O.L.)

„Ein Unternehmer im freien Fall“: Robinsonade im Niemandsland: In Steffen Menschings Hausers Ausflug geht es für einen zynischen Unternehmer plötzlich ums nackte Überleben. „Mensching legt reizvolle Fährten in Milieus und zu gesellschaftlichen Reibungspunkten, geht ihnen aber nicht nach, sondern verengt den Plot zum Kam­merspiel, was mit ein paar Ent­täuschungen einhergeht. Als der ein­zige wei­tere Protagonist auftaucht, ein Be­wohner des, wie Hauser inzwischen weiß, kurdischen Gebiets am Rand der Türkei, verliert der Roman an Fahrt, aus dem Überlebenskampf wird eine Geiselhaft, die Männer stapfen lange durch unwirt­liche Landschaft.“

  • Steffen Mensching, Hausers Ausflug. Roman. (Wallstein Verlag)

heute nichts

„Gute Aneignung, schlechte Aneignung“: Möglichkeitsräume erweitern, nicht verengen: Jens Balzers überzeugender Vorschlag für eine Ethik der Appropriation. „In dem schmalen und kleinformatigen Bändchen „Ethik der Appropriation“, das im Verlag Matthes & Seitz herausgekommen ist, verweist Jens Balzer darauf, dass eine Kultur, die nicht aus der Aneignung und Vermischung vorausgegangener kultureller Formen resultiert, undenkbar ist. Wer Appropriation generell zu einem Vergehen erkläre, raube der Kultur jede Beweglichkeit und jedes Leben.“

  • Jens Balzer, Ethik der Appropriation (Matthes & Seitz)
Anzeige
Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige