Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Totentanz an der Donau“: Wer dieses Buch liest, der hört ein ganzes Dorf fluchen: Schauergeschichten, der neue Roman von Péter Nádas. Und ein Band mit Auskünften über das eigene Schreiben. „Schauergeschichten, der neue, fast sechshundert Seiten umfassende Roman von Péter Nádas, ist ein Kabinett der deformierten Weltwahrnehmungen, ein fortlaufender, durch keine Kapiteleinteilung gegliederter Text, der in kunstvoller Aneinanderreihung schonungsloser Introspektionen das trostlose Panorama eines ungarischen Dorfes um 1960 entwirft, dessen Bewohner einander das Leben unerträglich machen.“
- Péter Nádas, Schreiben als Beruf (Rowohlt Verlag)
- Péter Nádas, Schauergeschichten (aus dem Ungarischen von Heinrich Eisterer; Rowohlt Verlag)
„Zwei Kontinente der Lyrik“: Wenn alle Übersetzer sich zusammentun: Die vierbändige Sammlung spanischsprachiger Gedichte aus 900 Jahren ist ein Fest. „Unser Vorschlag: erst ein bisschen Feierlichkeit, weil in dem Ganzen mehr als zehn Jahre Arbeit stecken. Dann völlig anarchische Stöber- und Wanderlust zwischen den Jahrhunderten, auf der Suche nach nichts anderem als Schönheit und Staunen. Denn die vier Bände aus dem Verlag C. H. Beck sind eine der herausragenden verlegerischen Leistungen des Jahres. Zwei Stiftungen sowie der Deutsche Übersetzerfonds und die Ludwig-Maximilians-Universität München haben geholfen, sie zu ermöglichen. Diese ordentlich schweren Bände, fein gedruckt und gebunden wie für die Ewigkeit, stehen nicht neben, sondern weit jenseits der herkömmlichen Literaturproduktion: ein Fest, ein Ereignis.“
- „Spanische und hispanoamerikanische Lyrik“ (herausgegeben von Martin von Koppenfels; aus dem Spanischen von Martin von Koppenfels, Susanne Lange, Petra Strien und anderen; Verlag C. H. Beck)
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„Wert Papier“: Die Energiekrise krempelt auch die Verlagsbranche um. Müssen Bücher teurer werden, und soll der Staat einschreiten? Ein Besuch bei den Büchermachern der Republik. „Die Buchbranche muss an der Verteuerung der Herstellungskosten nicht zugrunde gehen, sie stellt sich seit zwei Jahren auf die ’neue Normalität‘ ein. Doch ’natürlich hat das auch Auswirkungen auf die Buchpreise‘, sagt Jo Lendle. ‚Die Buchverlage haben es versäumt, die Preise mit der Inflation Schritt halten zu lassen. Das lag an der Angst, irgendjemanden zu verlieren. Inzwischen steht der Buchhandel vor uns und fordert: Macht unsere Bücher teurer! Wir können dieser Diskussion jetzt nicht mehr ausweichen. Denn entweder machen wir die Bücher teurer, oder es geht gar nichts mehr.‘ Und fügt hinzu, dass es diese Notwendigkeit überhaupt nur gibt, weil die Branche dem gedruckten Buch als ihrem zentralen Medium treu bleibt.“
„Was lesen Sie?“: Die Autorin Karosh Taha spricht über ihre Lektüre: „Viele Sachen parallel, Matthias Nawrats Ein trauriger Gast habe ich gerade zu Ende gelesen, darin wird eindrücklich das Thema Tod verhandelt. Die Idee von José Saramagos Die Stadt der Blinden hat mich beeindruckt: die Blindheit als eine Epidemie. Aber ich habe den Figuren ihre Blindheit nicht abgenommen, wie waren noch zu sehr mit der äußeren Welt beschäftigt. Ich lese auch Gaston Bachelards Poetik des Raumes – mir gefällt die Idee, dass all die Orte, an denen wir waren, in uns geblieben sind.“
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„Kampf mit Körpern“: Im Roman Aufruhr der Meerestiere von Marie Gamillscheg wird eine junge Frau vielfach bedrängt. „Am Ende bleiben viele der Fäden, die Marie Gamillscheg gesponnen hat, in der Luft hängen. Und das ist auch gut so. Wir können so selbst darüber nachdenken, wie es mit Luise, der Bürgertochter, und ihrem Kampf um Selbstbestimmung weitergehen könnte. Gamillscheg aber beweist sich mit ihrem zweiten Roman, der auf der Longlist für den Deutschen Buchpreises stand, als interessante Stimme der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.“
- Marie Gamillscheg, Aufruhr der Meerestiere (Luchterhand)