Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Gerettet von der Dea ex machina der Restitution“: So bewährt sich Erinnerung: Flix’ Marsupilami-Comic Das Humboldt-Tier verbindet Schoa-Gedenken und dekoloniales Bewusstsein. „Multidirektionales Erinnern ist schwer. Wie es aussehen kann, zeigt Flix’ jüngster Comic Das Humboldt-Tier. Wie schon 2018 in seinem Band Spirou in Berlin – dort ging es um die letzten Monate der DDR – nutzt Flix ausgerechnet den frankobelgischen Figurenkosmos von André Franquin, um deutsche Geschichte neu zu erzählen. Der Zeitpunkt ist günstig.“
- Flix, Das Humboldt-Tier. Ein Marsipulami-Abenteuer. (Carlsen Verlag)
„Ein Leben zwischen den Kulturen schärft den Blick“: Wenn die Hautfarbe über gesellschaftliche Zugehörigkeiten entscheidet: Die Anthropologin und Historikerin Doris Byer blickt zurück auf ihr Leben und ihre Forschung. „Durch seinen inflationären Gebrauch ist der Rassismus-Vorwurf heute zu einer stumpfen Waffe geworden. Wenn selbst Indianerspiele oder das Tragen afroamerikanischer Frisuren als ‚rassistische‘ Aneignung gebrandmarkt werden, verliert man leicht aus den Augen, was es tatsächlich heißt, aufgrund der Hautfarbe benachteiligt zu werden. Dies wieder einmal in Erinnerung zu rufen scheint angesichts der gegenwärtig ausufernden und in ihrem rigiden Moralismus oft bigotten Diskussion höchste Zeit. Doris Byer gelingt das in ihrem autobiographischen Rückblick in überzeugender Weise. Für die abschätzige Behandlung von Menschen allein aufgrund ihrer körperlichen Merkmale entwickelte die aus einer alteingesessenen Wiener Familie stammende Österreicherin schon früh ein ausgeprägtes Sensorium.“
- Doris Byer, Weiße Haut, Schwarze Seele (Matthes & Seitz Verlag)
„Mit der Metaphernkanone“: Wer nennt die Völker, kennt die Namen? Volker Brauns Mini-Epos des Luf-Bootes aus dem Berliner Humboldt-Forum. „Ein Buch, geschrieben wie für den Museumsshop des Humboldt-Forums: In einer Art Wechselgesang lässt Volker Braun Eduard Hernsheim und einen namenlosen Einheimischen aus Papua-Neuguinea zu Wort kommen. Der eine wird sich das Luf-Boot aneignen, das heute in der Ausstellung des Berliner Ethnologischen Museums zu sehen ist, der andere spricht für sein Volk, das den ‚Eisenschiffen‘ aus Nordeuropa nichts entgegenzusetzen hat.“
- Volker Braun, Luf-Passion. Deutsch/englische Ausgabe (ins Englische von Ann Cotten; Faber und Faber)
„Anwalt der Sprachvielfalt“: Jede Sprache ist ein eigenes Fenster zur Welt. Kaum jemand hat die Vielfalt der Sprachen so engagiert verteidigt wie der Romanist Jürgen Trabant. Heute wird er achtzig Jahre alt.
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„‚Arbeit an der gemeinsamen Wirklichkeit'“: Der Bremer Soziologe Nils C. Kumkar fordert in seinem Buch Alternative Fakten mehr Nüchternheit in der Debatte um Filterblasen und Verschwörungsmythen. Schon ein kleiner Trick könnte helfen.
- Nils C. Kumkar, Alternative Fakten. Zur Praxis der kommunikativen Erkenntnisverweigerung (Suhrkamp Verlag)
„Karussell der Gräuel: Mariana Enriquez macht argentinische Vergangenheit zum Genrestoff: Aber ist Horror der richtige Rahmen für Zeitgeschichte? „Die Autorin arbeitet mit Perspektivenwechseln und Zeitsprüngen, ein solcherart konzipiertes Werk kann schlechterdings nicht perfekt funktionieren, es gibt Längen und Unwuchten, aber der Gesamteindruck bleibt überwältigend – nicht zuletzt durch die sinnliche Prosa, die auch vor Schmerzpunkten nicht zurückweicht. Die Übersetzerinnen haben das Funkeln dieses Textes im Deutschen erhalten.“
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Mariana Enriquez, Unser Teil der Nacht. Roman. (aus dem Spanischen von Silke Kleemann und Inka Marter; Tropen)
„Investigative Psychologie“: Selbstjustiz in Schweden und ein Mord am Tag vor der Hochzeit …
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Femi Kayode, Lightseekers (btb-Verlag)
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Christoffer Carlsson, Was ans Licht kommt (aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann; Rowohlt)
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Chuah Guat Eng, Echos der Stille (aus dem Englischen von Michael Kleeberg; Wunderhorn-Verlag)
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„‚Das Unbehagen wächst täglich'“: Der Philosoph Jean-Pierre Wils über den Stillstand in der Beschleunigung, die Bedeutung der Improvisation in einer Schwellenzeit und den großen Riss in der Gesellschaft.
- Jean-Pierre Wils, Der Große Riss. Wie die Gesellschaft auseinanderdriftet … . Ein Essay (Verlag S. Hirzel)
„Rekonstruktion einer Krankheit“: Ein Stück Geistes- und auch DDR-Geschichte: Philipp Felsch arbeitet auf, wie die Italiener Giorgio Colli und Mazzino Montinari Nietzsches Handschriften entzifferten. „Der Berliner Kulturhistoriker und Hochschullehrer Philipp Felsch hat in einem spannend und informativ geschriebenen Buch von dem Weg berichtet, der zur ‚Rehabilitierung‘ des Denkers Friedrich Nietzsche geführt hat.“
- Philipp Felsch, Wie Nietzsche aus der Kälte kam. Geschichte einer Rettung (C. H. Beck)