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Umgeblättert heute: „Schon bald verfällt man seinem Epos“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Im Labyrinth der Sorgen“: Lebenslanges Lernen, und dann doch sitzengeblieben: Ian McEwan hat seinen persönlichsten Roman geschrieben, die Vermessung eines ganzen Lebens vom Aufbäumen bis zur Beuge. „McEwans meisterhaftes Erzähltalent geht mit einer alles durchwirkenden Faszination fürs Abgründige einher, ob nun Kinder die toten Eltern im Garten ein­betonieren und sich inzestuös einander zuwenden (Der Zementgarten) oder, nur leicht weniger makaber, ein zerstörerischer Liebeskreuzzug gegen eine Figur geführt wird (Liebeswahn).“

  • Ian McEwan, Lektionen. Roman (aus dem Englischen von Bernhard Robben; Diogenes Verlag)

„Auf Goebbels’ schwarzer Liste stand sie ganz oben“: Hertha Paulis Erinnerungen an ihre Flucht aus Wien nach dem „Anschluss“ liegen in einer neuen Ausgabe vor. „In Dialogen und plastisch gezeichneten Szenen schildert Hertha Pauli die so aufgeheizte wie bedrückende Situation in Wien, die Angst während der Flucht mit dem Zug nach Zürich und weiter nach Paris, den de­mütigenden Kampf um einen sicheren Aufenthalt.“

  • Hertha Pauli, Der Riss der Zeit geht durch mein Herz. Erinnerungen (Paul Zsolnay Verlag)“

„Im ruhigen Auge eines Taifuns“: Goethe im Tornister: Hanns Cibulkas Nachtwache bietet Tagebucheinträge aus der Zeit seines Kriegseinsatzes auf Sizilien. „Was mit 22 Jahren und was im Pensionsalter geschrieben wurde, kann nicht so ohne Weiteres unterschieden werden. Das lässt den Text zwischen authentischem Erlebnisbericht und in der Erinnerung grabender Aufarbeitung changieren. Da finden sich originelle Aperçus, etwa über das Verhältnis von Geographie und Geometrie der Trinacria oder zum Sprachschall, aber auch Anmerkungen zu Mythologie, Antike, Kultur und Geschichte, Auf- und Angelesenes, Lexikonwissen: ‚Catania liegt am Südfuß des Ätna.'“

  • Hanns Cibulka, Nachtwache. Tagebuch aus dem Kriege, Sizilien 1943. (hrsg. von Sebastian Kleinschmidt; Verlag Matthes & Seitz)

„Untadelige Bilanzen“: Der italienische Schriftsteller Stefano Massini hat die Geschichte der Lehman Brothers geschrieben – als 850-seitiges Versepos. „Eher unwillig nimmt man die ersten Seiten in Angriff: der Balladenton, das Bänkelsängerhafte, der Flattersatz. So soll von den Lehman Brothers erzählt werden, und das auch noch 850 Seiten lang? Doch dann geschieht das Wundersame: Stefano Massini kapert einen mit seiner eigenwilligen Form, und schon bald verfällt man seinem Epos.“

  • Stefano Massini, Die Lehman Brothers. Roman. (aus dem Italienischen von Annette Kopetzki; Carl Hanser Verlag)

„Horrortrip in Kirching“: Das Romandebüt des Ex-Titanic- Chefs Moritz Hürtgen. „Angenehmerweise, und trotz einiger Sujets, die sich dafür anbieten würden – Krise des Journalismus, Querdenkertum, Nazis in den Dörfern – will ‚Boulevard des Schreckens‘ nicht unbedingt etwas entlarven oder kritisch aufzeigen.“

  • Moritz Hürtgen, Der Boulevard des Schreckens. Roman. (Kunstmann)

„Die ganze Welt in einer Schlacht“: Helena Janeczek erzählt von den alliierten Soldaten vor Montecassino. „Die Bereitschaft zur allfälligen Empörung ist das Problem dieses Buches, die aufgeregte Bestätigung von Ansichten, von deren Richtigkeit ohnehin mindestens die halbe Welt überzeugt ist.“

  • Helena Janeczek, Die Schwalben von Montecassino. Roman. (aus dem Italienischen übertragen von Verena von Koskull; Berlin Verlag)

„Von SZ-Autoren“:

  • „Markus Zydra über Geldwäsche“: Andreas Frank/Markus Zydra, Dreckiges Geld. Wie Putins Oligarchen, die Mafia und Terroristen die westliche Demokratie angreifen (Piper)
  • „Michael Bremmer über Katzenabenteuer“: Michael BremmerVeronika Grüning, Gangs of Katzenstadt (dtv)

„‚Wladimir Putin handelt vollkommen rational'“: Der Politikwissenschaftler Carlo Masala über die Berechenbarkeit des russischen Präsidenten, den deutsch-französischen Konflikt und den Umgang mit Autokratien.

  • Carlo Masala, Weltunordnung. Die globalen Krisen und die Illusionen des Westens (C.H. Beck)
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