In der Monacensia im Hildebrandhaus, im einstigen Bildhauer-Atelier von Adolf von Hildebrand, stellten die Publizistin, Kulturwissenschaftlerin und Gründerin der Literaturhandlung Rachel Salamander, der Oberbürgermeister der Stadt München Dieter Reiter und die Leiterin der Monacensia im Hildebrandhaus Anke Buettner im Rahmen einer Pressekonferenz die in über vier Jahrzehnten aufgebaute Sammlung vor: „Für diese Pressekonferenz gibt es gleich zwei gewichtige Anlässe, nämlich 40 Jahre Literaturhandlung in München und diese Schenkung“, erklärte Dieter Reiter.

Die Fachbuchhandlung zur Literatur des Judentums wurde von Rachel Salamander im September 1982 in der Maxvorstäder Fürstenstraße 17 gegründet. Sie sei eine Pionierleistung gewesen, gleichsam der Wiederaufbau des jüdischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg, so Reiter. Über tausend Veranstaltungen fanden in der Literaturhandlung statt. Rachel Salamander erinnerte an die Anfänge, beispielsweise an Amoz Oz, der sie schon 1982 in der neuen Buchhandlung besuchte oder an den Hanser-Verleger Michael Krüger, der die erste Lesung moderierte. Damals, am 17. November 1982 war die Buchhandlung bis auf den letzten Platz randvoll – im Publikum saß u.a. auch Hans Magnus Enzensberger.
„Der Antisemitismus nimmt leider wieder zu. Mich macht es wütend, dass sich jüdische Mitbürger in unserem Land nicht sicher fühlen. Wir müssen miteinander sprechen, voneinander wissen und lernen. Wir müssen Grenzen überwinden und im Gespräch Vorurteile abbauen“, erklärte Dieter Reiter. Dazu seien Rachel Salamanders Buchhandlungen und ihre Initiativen ebenso wichtig wie die Aufbereitung ihres großen Archivs. „Das Archiv Salamander ist ein wegweisendes Geschenk, mit dem wir jüdisches Leben und Literaturgeschichte noch stärker in unser kollektives Gedächtnis verankern können“, so Reiter. Im Archiv Salamander (u.a. 20 Meter Aktenbestand) befinden sich Originalunterlagen sowie Film- und Tonaufnahmen u.a. von Grete Weil, Dan Diner, Saul Friedländer, David Grossman und Imre Kertész.
Das Archiv dokumentiert die Entwicklung der Literatur zum Judentum von 1945 bis heute. „Mehrfach in dieser Stadt ausgezeichnet und geehrt, will ich nun der Stadt etwas zurückgeben. Die Monacensia, vom Urgroßvater meines Mannes Stephan Sattler, Adolf von Hildebrand erbaut, ist für mich auch wegen ihrer jüdischen Geschichte das dafür prädestinierte Zuhause“, erklärte Rachel Salamander. Ihr bislang unsichtbares Archiv solle hier sichtbar gemacht werden und Synergien mit Beständen der Monacensia erzeugen. „Das Archiv Salamander erlaubt uns einen neuen Blick auf unseren eigenen Bestand“, erklärte Anke Buettner. Gleich mit der Übernahme beginnt die Monacensia das Archiv zu erschließen und es weiterzugeben. Vermittlungsprogramme werden erarbeitet. Neue Ausstellungen mit Beständen aus dem Archiv Salamander sind für 2024 und – zum 75. Geburtstag Rachel Salamanders – 2025 bereits in Planung. nb