Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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- Monique Roffey, Die Meerjungfrau von Black Conch. Roman. (aus dem Englischen von Gesine Schröder; Tropen Verlag)
„Es sprechen die Körper im Prozessionszug“: Auf weitem Feld mit nicht gerade viel theoretischer Orientierung: Karl-Heinz Göttert widmet sich Umzügen verschiedener Art. „Dass in Prozessionen sich die Kultgemeinde ihrer selbst versichert, ist gewiss richtig und wichtig, aber auch nicht überraschend. Darüber hinaus sagt Göttert wenig. Der Leser bekommt nicht den Eindruck, dass er religionsgeschichtlich gut unterrichtet wäre, sein Literaturverzeichnis ist in diesem Punkte dünn. (…) Dabei wird die Schwäche im Historischen nicht durch Stärke im Theoretischen kompensiert. Erst der kurze Epilog berührt grundsätzliche Fragen und auch das nur in knappen Referaten anderer Autoren, von denen Judith Butler die wichtigste ist. So werden diese Fragen aber nicht bearbeitet.“
- Karl-Heinz Göttert, Massen in Bewegung. Über Menschenzüge. (Aufbau Verlag)
„Kommen wir da raus?“: Karin Smirnoffs bedrückender Roman Wunderkind erzählt von drei Kindern mit großem musikalischen Talent, die in die Fänge eines Pädophilen geraten. „In diesem Buch wird erzählt, was das Zeug hält. Über 86 kleine Kapitel hinweg. Und zwar aus Kinderperspektive und im Versuch, eine Sprache für diese Perspektive zu entwickeln. Ob das überhaupt möglich ist und über einen Entwicklungszeitraum vom Kleinkind bis zum Fastschon-Teenager durchgehalten werden kann, bleibt mit der Lektüre fraglich.“
- Karin Smirnoff, Wunderkind. Roman. (aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein; Hanser Berlin Verlag)
„Mensch im Hotel“: Der größte Erotiker der deutschen Literatur: Hanjo Kestings grandioses neues Buch zeigt Thomas Mann als Genauigkeitsfanatiker und Weltmeister der Vorstellungsgabe. „Über Hanjo Kestings Thomas-Mann-Buch kann man das Beste sagen, was es zu einem solchen Werk zu sagen gibt: Es befeuert die Lust auf seinen Gegenstand. (…) Jedenfalls trägt dieser zwölfteilige Essay-Kranz die Leser mühelos voran, so kurzweilig sind die sechs Werkanalysen und die sechs biografisch-motivischen Stücke.“
- Hanjo Kesting, Thomas Mann – Glanz und Qual (Wallstein)
„Fatale Dynamik“: Der Soziologe Markus Schroer will den Blick der Gesellschaft auf ihre natürlichen Grundlagen verändern – aber ohne Öko-Romantik. „Das Buch ist, trotz der ökologischen Sorge, die den Autor umtreibt, aber kein aufdringliches Werk mit erhobenen Zeigefingern geworden, sondern ein nachdenkliches, das längst Gedachtes inspiziert, um Unbedachtes ins Bewusstsein zu rücken.“
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Markus Schroer, Geosoziologie – Die Erde als Raum des Lebens (Suhrkamp)
„Das ganz große Forum“: Lit.Cologne-Chef Rainer Osnowski zum Start des größten Literaturfestivals Europas. „
„Absage in Leipzig“: Die Leipziger Buchmesse hat das „Islamische Zentrum Hamburg“ von der Liste der Aussteller gestrichen. Der Verein sei „gemäß des Hamburger Verfassungsschutze eng mit dem iranischen Regime verbunden und unterstützt dessen menschenrechtsverletzendes Vorgehen“, teilten die Veranstalter auf Twitter mit. „Aus diesem Grund haben wir heute die Anmeldung des Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) zur Leipziger Buchmesse abgelehnt.“
„‚Alle waren bei der Stasi, alle sprechen Sächsisch, alle sind Nazis'“: Literaturwissenschaftler Dirk Oschmann schreibt in einem flammenden Buch gegen die „westdeutsche Erfindung“ des Ostens an und warnt vor den Folgen jahrzehntelanger Missachtung. „In seinem ‚Lagebericht‘ beschreibt der Autor ‚eine dreißigjährige Geschichte individueller und kollektiver Diffamierung, Diskreditierung, Verhöhnung und eiskalter Ausbootung‘ des Ostens durch den Westen. Oschmann will nicht wie andere den Osten erklären, sondern er erklärt den Westen, ‚der sich anmaßt, den Osten identitätspolitisch zu interpretieren und dabei faktisch zu isolieren‘.“
- Dirk Oschmann, Der Osten – eine westdeutsche Erfindung. (Ullstein Verlag)
„‚James Bond‘-Romane ohne ‚rassistische Wörter'“: Verlag plant für Neuauflage der Buchreihe Streichungen und einen Warnhinweis. „Die ‚James Bond‘-Romane des britischen Autors Ian Fleming sollen zum 70. Jubiläum der Buchreihe in einer Neuauflage erscheinen, in der Begriffe und Referenzen, die heutzutage als anstößig empfunden werden könnten, entfernt und geändert wurden. Das bestätigte das Unternehmen Ian Fleming Publications, das sich im Besitz von Flemings Nachfahren befindet und die Rechte an den Romanen und Kurzgeschichten über den Geheimagenten 007 verwaltet.“