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Die SWR-Bestenliste für den Mai ist da

Renommierte Literaturkritiker*innen nennen monatlich – in freier Auswahl – vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie möglichst viele Leser*innen wünschen, und geben ihnen Punkte (15, 10, 6, 3).

  • 1. Judith Hermann: Wir hätten uns alles gesagt (S. Fischer Verlage)

Die Frankfurter Poetikvorlesung von 2022 nun als Buch. Judith Hermann gibt ihren Lesern das Gefühl, ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Doch in Wahrheit schafft sie im Erzählen über ihre Arbeit nur neue. Die wahre Bedeutung ihrer Texte liegt im Ungesagten.

  • 2.Olga Tokarczuk: Empusion, Übersetzt aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein (Kampa Verlag)

„Der Zauberberg“ in Niederschlesien. Zu Beginn jedenfalls. Ein Sanatorium für Lungenkranke; ein Student aus Lemberg, der sich dort Heilung erhofft. Doch nach und nach schleicht sich eine andere, ganz neue Form von Unheimlichkeit ein. Dunkle Mächte schalten sich ein; der Roman wird zur Schauergeschichte. 

  • 3.Arnold Stadler: Irgendwo. Aber am Meer. Gedichte (C.H. Beck Verlag)
  • Ein Schriftsteller wird auf einer Lesung zum alten weißen Mann gemacht. Er reist – halb Flucht, halb Urlaub – nach Griechenland und blickt auf die Heimat des Odysseus. Stadlers Sätze können Widersprüche in sich vereinen. Hier umkreist ein Mensch sein Leben auf der Suche nach einem Standpunkt.
     
    4.Teresa Präauer: Kochen im falschen Jahrhundert (Wallstein Verlag)

Längst sind das Kochen, das Gastgebersein, die Präsentation von gutem, aber diskret präsentiertem Geschmack, zu Distinktionsmerkmalen einer neobürgerlichen Gesellschaft geworden. In indirekter Rede und mit ätzendem Spott schreibt Präauer über ein Abendessen und über die eigene Lebensvermarktung.

  • 5.Sheila Heti: Reine Farbe; übersetzt aus dem Amerikanischen von Thomas Überhoff (Rowohlt Verlag)

Eine Frau, die sich als Vogel sieht. Als der Vater stirbt, wandert seine Seele in sie hinein. Gemeinsam verwandeln sie sich in das Blatt eines Baumes. Heti überschreitet die Genregrenzen. Ihr neues Buch ist eine Mischung aus Märchen, Fabel, moderner Liebesgeschichte und philosophischem Traktat.

  • 6.Nico Bleutge: schlafbaum-variationen. Gedichte (C.H. Beck Verlag)

Für Nico Bleutge ist die Entzifferung dessen, was nicht nur sprachlich, sondern auch lautlich formuliert wird, Beglückung und Verantwortung zugleich. Jede Silbe hat eine Bedeutung. Natur und assoziative Klangfolgen gehen in diesen Gedichten eine enge Verbindung ein. Sie ernstzunehmen, ist ein poetischer Auftrag.
 

  • 7.Ulrike Draesner: Die Verwandelten (Penguin Verlag)

Eine komplexe Familiengeschichte zwischen Deutschland und Polen über mehrere Generationen hinweg. Draesner integriert die Biografien zweier Frauen in ein Netz von Erzählungen. Es geht um familiäre Prägungen und weibliche Identität in der Zerstörungsmaschinerie des 20. Jahrhunderts.

  • 7.A.L. Kennedy: Als lebten wir in einem barmherzigen Land, Übersetzt aus dem Englischen von Ingo Herzke, Susanne Höbel (Hanser Verlag)

London nach dem Brexit, kurz nach Ausbruch der Pandemie. Annie ist Lehrerin und hat noch Ideale. Sie erinnert sich an ihre Studienzeit, die kalten Thatcher-Jahre, ihre Mitgliedschaft in einer subversiven Theatergruppe, die von einem V-Mann unterwandert wurde. Eine politische Abrechnung mit humanem Kern.

  • 9.Douglas Stuart: Young Mungo; Übersetzt aus dem Englischen von Sophie Zeitz. Hanser Verlag

Mit „Shuggie Bain“ wurde der Schotte Stuart zum Booker Prize-Träger und zum Star. Sein zweiter Roman knüpft daran an: Zwei Jungen im Glasgow der 1990er-Jahre, die sich lieben. Die harte Außenwelt Glasgows steht dagegen, mit all ihren sozialen Verwerfungen und ihrer Tristesse. Ihr trotzt Stuart Schönheit ab.

  • 10.Toni Morrison: Rezitativ; Übersetzt aus dem Amerikanischen von Tanja Handels. Erzählung (Rowohlt Verlag)

Eine literarische Versuchsanordnung, aber mehr als ein Spiel: Twyla und Roberta lernen sich im Alter von acht Jahren in einem Kinderheim kennen. Eine von beiden ist schwarz, die andere weiß. Doch wer ist was? Die einzige Erzählung der Literatur-Nobelpreisträgerin, nun erstmals in deutscher Übersetzung.

 

Die Jury Gerrit Bartels (Berlin) │Helmut Böttiger (Berlin) │Gregor Dotzauer (Berlin) │ Martin Ebel (Zürich) │ Eberhard Falcke (München) │ Cornelia Geißler (Berlin) │ Sandra Kegel (Frankfurt) │ Dirk Knipphals (Berlin) │Martina Läubli (Zürich) │Sigrid Löffler (Berlin) │Jörg Magenau (Tübingen) │Ijoma Mangold (Berlin) │ Klaus Nüchtern (Wien) │ Jutta Person (Berlin) │ Wiebke Porombka (Berlin) │ Iris Radisch (Hamburg) │ Ulrich Rüdenauer (Bad Mergentheim) │ Denis Scheck (Köln) │ Christoph Schröder (Frankfurt) │ Julia Schröder (Stuttgart) │ Gustav Seibt (Berlin) │ Shirin Sojitrawalla (Wiesbaden) │Hubert Spiegel (Frankfurt) │ Nicola Steiner (Zürich) │ Daniela Strigl (Wien) │ Beate Tröger (Frankfurt) | Kirsten Voigt (Baden-Baden) │ Jan Wiele (Frankfurt) │ Insa Wilke (Berlin) │ Hubert Winkels (Köln)

 

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