Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Spirituelle Führungskräfte“: Einblicke ins Klosterleben: Henrike Lähnemann und Eva Schlotheuber bringen die Stimmen geistlicher Frauen im Mittelalter zu Gehör. „Was wissen wir eigentlich vom Leben und Wirken geistlicher Frauen in mittelalterlichen Klöstern? Im Grunde wenig, so der Ausgangsbefund von Henrike Lähnemann und Eva Schlotheuber. Mit diesem Buch lösen die beiden Autorinnen ein Desiderat gegenüber einem breiten Publikum ein, das in der Forschung bereits seit einigen Jahrzehnten wahrgenommen wird. Dennoch klaffen Forschungsergebnisse und populäre Wahrnehmungen weit auseinander, halten sich gerade bei geschlechter- und religionsgeschichtlichen Themen alte Klischees zu Rollenbildern.“
- Henrike Lähnemann /Eva Schlotheuber, Unerhörte Frauen. Die Netzwerke der Nonnen im Mittelalter. (Propyläen Verlag)
„Viele Frauen glaubten lange, Übergriffigkeiten erdulden zu müssen“: Nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch der Erkenntnistheorie: Miranda Fricker untersucht, welchen Schaden gängige Vorurteile und Klischees anrichten. „Fricker hat Themen, die in der feministischen Theorie und in benachbarten Disziplinen längst zum Inventar gehörten, mit bis dato seltener Entschiedenheit analytisch ausbuchstabiert.“
- Miranda Fricker, Epistemische Ungerechtigkeit. Macht und Ethik des Wissens. (aus dem Englischen von Antje Korsmeier; C. H. Beck Verlag)
„Der Gegenwart die Stirn bieten“: Auf der Parade der toten Dinge: Maria Stepanova legt den Band Winterpoem 20/21 vor. „Vieles in „Winterpoem 20/21“ ist von großer Zartheit und im Wechsel mit rauschhafter Inspiration. Und weil Gedichte in den Augen Stepanovas nichts anderes tun, als miteinander zu sprechen, hat sie zahlreiche Quellen, Rhythmen und Klänge in ihr Poem hineingewoben: neben Puschkin und Mandelstam vor allem Liebesbriefe und Reiseberichte, chinesische Dichtkunst und dänische Märchen. Sie alle beschwören die gefrorene Zeit. Wie in einem bösen Märchen, dem man am liebsten nur schnell wieder entronnen wäre, liegt die Welt dieses Winterpoems im Bann eines bösen Fluchs.“
- Maria Stepanova, Winterpoem 20/21. (aus dem Russischen von Olga Radetzkaja; Suhrkamp Verlag)
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„Der ewige Nomade“: Norman Maneas umwerfender neuer Roman und sein harter literarischer Kampf gegen die Lügen und die Angst. „Dass Manea, weit über 80, noch einmal einen ganzen dichten Roman zu diesen Koordinaten veröffentlicht, ist dann doch überraschend. Der Schatten im Exil ist Autofiktion und ist es doch nicht. Er präsentiert sich als Summe, vielleicht sogar als Abrechnung, und unterläuft gleichzeitig viele Erwartungen an Spätwerke.“
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Norman Manea, Der Schatten im Exil. Roman. (aus dem Rumänischen von Ernest Wichner; Hanser-Verlag)
„Zaubern mit Scherben“: Gabriel Zuchtriegels so famoses wie ungewöhnliches Buch Vom Zauber des Untergangs – Was Pompeji über uns erzählt. „Ist Gabriel Zuchtriegel, dieser ‚Archäologe mit Schlagseite‘, auch Sozialarbeiter, Marketing-Genie, Querulant, Überflieger, Aktivist? Ja. Denn all diese Spezialbegabungen sind für einen Archäologen, zumal den Chef von Pompeji, überlebenswichtig, um seinen Job im Sinne der von Zuchtriegel formulierten gesellschaftlichen Verpflichtung zu machen. Dazu passt dieses so ungewöhnliche wie grandiose Buch.“
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Gabriel Zuchtriegel, Vom Zauber des Untergangs. Was Pompeji über uns erzählt. (Propyläen-Verlag)
„Schmutzige Geheimnisse“: Für ein Sachbuch schließt sich eine Akademikerin einem Reinigungstrupp an. Gute Idee? „Minus-Bereich liest sich damit wie ein detailliertes Branchenporträt. Doch bleibt man ein wenig ratlos zurück: Was ist eigentlich das Ziel des Buches? Ein Plädoyer, netter zu Reinigungskräften zu sein? Sich für ihre Sache stark zu machen?“
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Jana Costas, Im Minus-Bereich: Reinigungskräfte und ihr Kampf um Würde. (aus dem Englischen von Richard Barth, Michael Müller und Stephan Gebauer; Suhrkamp)
„Das rosa Kaninchen und der vergessliche Kater“: Und ein Polizist, der 1933 eine Familie rettet: Zum 100. Geburtstag der Kinderbuchautorin und Illustratorin Judith Kerr. „Heute, an ihrem 100. Geburtstag, ist sie in ihrem Exilland längst zum National Treasure geworden. Sie hätte sich als Kind nie träumen lassen, dass sie zehn Millionen Bücher weltweit verkaufen würde.“