Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Schreibmaschine des Bösen“: Wie ein wachsendes Glaukom, das die Welt verdüstert: Zum Tod des großen amerikanischen Schriftstellers Cormac McCarthy. „Fast alle Werke McCarthys verbindet die Schwärze, die gelegentlich sarkastische Effekte hat, während Humor zumindest nicht beabsichtigt scheint. (…) Zweifellos gehört McCarthy zu den ganz großen Schriftstellern, und manche hätten ihm den Nobelpreis gegönnt. Auch sein großer Einfluss ist unübersehbar, etwa bei T. C. Boyle oder Stephen King. Die von andern geäußerte Kritik, seine Bücher marginalisierten und diskriminierten bestimmte Menschen, vor allem Frauen, wirkt angesichts des beschriebenen Nihilismus niedlich kleinkrämerisch, denn es ist offensichtlich, dass in diesen Büchern der Mensch an sich vor der Auslöschung steht.“
„Das Baby aus dem Schlauchboot“: Die Stimme erheben: Der türkische Autor Zülfü Livaneli schreibt im Roman Der Fischer und der Sohn über das Drama der Flüchtlinge im Mittelmeer. „Eindringlich beschreibt Livaneli neben der Haupthandlung, wie menschliche Gier das Idyll um das Fischerdorf Schritt für Schritt zerstört. (…) Die Welt, die Livaneli uns nahebringt, hat ihr Gleichgewicht, hat ihre Menschlichkeit verloren. Ermutigend ist, dass Autoren wie er dagegen ihre Stimme erheben.“
- Zülfü Livaneli, Der Fischer und der Sohn. Roman. (aus dem Türkischen von Johannes Neuner; Verlag Klett-Cotta)
„Seine Dämonen trifft er im Böhmerwald“: Wenn das Trauma der Vertreibung durch die Generationen weitergereicht wird: Peter Bechers Roman Unter dem Steinernen Meer. „Es ist die große Stärke dieses Romans, dass er seinen Protagonisten von innen betrachtet und uns zugleich ein ums andere Mal den Kopf schütteln lässt über das, was diese Perspektive zutage fördert.“
- Peter Becher, Unter dem Steinernen Meer. Roman. (Vitalis Verlag)
„Die Zeitgeschichte ist ein übermächtiger Gegner“: Mauerbau von Fulbrichts Gnaden: Christoph Hein erzählt in Unterm Staub der Zeit von seinen Schuljahren in Westberlin. „Christoph Hein hat seit der Jahrtausendwende ein imponierendes Spätwerk vorgelegt, darunter eine bittere Gelehrtensatire (Weiskerns Nachlass) und der große historische Roman Trutz, der eindringlich von Menschen erzählt, die in die Mühlen der Totalitarismen des 20. Jahrhunderts geraten. Zwischendrin verfasste er immer wieder autobiographische Werke, wozu auch dieser Internatsroman gehört, reizvoll angesiedelt im spannungsgeladenen Berlin kurz vor dem Mauerbau.“
- Christoph Hein, Unterm Staub der Zeit. Roman. (Suhrkamp Verlag)
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„Am Urgrund des Seins“: Fernab des Berühmtheitszirkus, in der Leere New Mexicos, schuf Cormac McCarthy Weltliteratur. Nun ist er mit 89 Jahren gestorben. „Das Leben ist in den Büchern von Cormac McCarthy meist grausam und man hat schon viel erreicht, wenn man einfach nur überlebt. (…) Jetzt ist Cormac McCarthy im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Santa Fe gestorben.“
„‚Der Weltenbrand hat seine Reize, solange man nicht selbst drinsteckt’“: Judith Schalansky, Gewinnerin des Wortmeldungen-Preises, über heroische Denkmuster, verknappte Ressourcen und ihr Manuskript für 2114. Ein Interview von Judith von Sternburg
„Vom Entsetzen und von der Schönheit“: Zum Tod von Cormac McCarthy, einer großen Stimme der US-Literatur des 20. Jahrhunderts. „McCarthy lebte und arbeitete stets zurückgezogen, zuletzt in der staubigen Hitze von Tesuque, New Mexico, einem winzigen Flecken, den der gleichnamige Stamm der Pueblo-Indianer bewohnt. Die Natur, die archaische Kraft, die den Menschen bezwingt und überlebt: Das ist die wichtigste Ebene in allen Romanen McCarthys.“