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„Authentisch, eigenwillig, schräg“

Peter Probst (Foto: Bernhard Haselbeck)
Peter Probst (Foto: Bernhard Haselbeck)

Ich habe Schleyer nicht entführt (Antje Kunstmann) heißt der neue Roman von Peter Probst, der am 14. September erscheint. Er handelt vom Erwachsenwerden in Bayern in den Siebziger Jahren. Anlass für Fragen:

Worum geht es in dem Buch?

Meine Geschichte spielt im Jahr 1977 in München. Ihr Held oder besser gesagt Anti-Held, Peter Gillitzer, lebt in einer sehr katholischen, sehr konservativen Familie in der Vorstadt. Sein großer Traum ist es, ein berühmter Schriftsteller zu werden. Dazu muss er etwas zu erzählen haben, das ist ihm klar. Demnächst wird er 18, da soll es endlich mit dem wilden Leben losgehen. Sein Problem ist, er ist zwar sehr abenteuerlustig, aber auch ziemlich unerfahren. Deswegen gerät er von einer Klemme in die nächste. Seine Freundin will eine Dreiecksbeziehung, der Förderer, der ihn bei einem Avantgarde-Theater unterbringt, verliebt sich in ihn. Die Mutprobe, mit der er in eine anarchistische Gruppe aufgenommen werden will, ist ein Desaster. Als er schließlich nach Rom flieht, wird es richtig gefährlich. Und zuhause spitzt sich mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer die politische Krise immer weiter zu…

Wie entstand die Idee, über dieses Thema überhaupt ein Buch zu schreiben? 

Ich mag Romane, die Zeitgeschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählen, aus der Sicht gesellschaftlicher Außenseiter oder aus der von Menschen, die aus Naivität in den Sog politischer Ereignisse geraten. 1977 war eines der herausforderndsten Jahre für die deutsche Nachkriegsgesellschaft. Da ich selbst damals bei einigen Abenteuern mehr Glück als Verstand hatte, bot es sich an, davon in einem autofiktionalen Roman zu erzählen.

Welche Wörter schreiben sich leichter: Die ersten oder die letzten? 

Die ersten. Bei den letzten fällt mir der Abschied oft schwer.

An wen richtet sich das Buch?

An alle, die das brisante Jahr 1977 als junge Menschen erlebt haben. Aber auch an die, die immer schon wissen wollten, wie ihre Eltern in ihrer Jugend wirklich waren.

Mit welchem Argument kann der Buchhandel das Buch ideal verkaufen? 

Das Buch erzählt ein Stück Zeitgeschichte aus der Perspektive eines jungen, lebenshungrigen Menschen und ist gleichermaßen ernsthaft und unterhaltsam.

Welche drei Wörter beschreiben es aus Ihrer Sicht perfekt?

Authentisch, eigenwillig, schräg.

Wie sähe ein Schaufenster zum Buch aus? 

Ich stelle mir eine Tapete im Stil der Siebzigerjahre in orange und braun vor. Dazu ein Poster mit Frank Zappa auf dem Klo und Fassbinders Motto „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.“

Wird es eine Fortsetzung geben? 

Wenn die Leserinnen es sich wünschen, sehr gern. Eine Idee hätte ich schon. Im Jahr 1989 sind für mich zwei Mauern gefallen, die zwischen Ost- und Westdeutschland und eine private. Ich habe meine Frau, Amelie Fried, kennengelernt. Beides sehr inspirierend für eine weitere Geschichte mit meiner Hauptfigur Peter Gillitzer.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet? Hier können Sie dies tun:

Wenn Sie sich an die Zeit zurückerinnern, in der Ihr Roman spielt, kommt es da vor, dass Sie nicht mehr wissen, was Sie wirklich erlebt und was Sie sich ausgedacht haben?

Das kann schon mal passieren, aber ich habe einen Bruder und eine Frau, die aufpassen, dass das Geschichtenerfinden bei mir nicht überhandnimmt.

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2 Antworten

  1. Lieber Peter,

    ich freue mich schon riesig auf deinen Roman!
    Und es ist schade, dass unser Sebastian ihn nicht mehr lesen kann – oder vielleicht doch, vielleicht gibt es auch im Himmel Bücher.
    Und dass Amelie auch – zumindest zwischen den Zeilen – auch eine Rolle spielt, freut mich umso mehr.
    Dieter Klug, Wolfratshausen

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