Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Kein Motiv am Grund des Brunnens“: Schöne Grüße von Truman Capote: Nicola Lagioias verstörender Genremix Die Stadt der Lebenden folgt einem Mord, der Italien erschütterte. „Man wird mit dem Umblättern der letzten Seite den Fall nicht grundlegender durchdrungen haben als die Experten, die sich seit Jahren mit ihm befassen. Aber beim Lesen flammen beunruhigend in einer tiefen Bauchgegend sich bemerkbar machende Momente der Empathie sogar mit den Tätern auf, glimmen flüchtige Funken einer größeren Erkenntnis, eines intuitiven Verständnisses für die Zusammenhänge.“
- Nicola Lagioia, Die Stadt der Lebenden (aus dem Italienischen von Verena von Koskull; btb Verlag)
„Warum man einen Jedermann lieben kann“: Die Krimireihe um DCI Alan Banks hat den 2022 verstorbenen Peter Robinson zum Bestsellerautor gemacht. Jetzt liegt sein letzter Band vor. Er lohnt sich. „Der Roman ist vielleicht nicht sein bester, da käme als Kandidat etwa In A Dry Season (dt. In einem heißen Sommer) von 2010 infrage, aber Robinson hält sein Niveau mit einem klassischen Whodunit auf zwei Zeitebenen (…)“
- Peter Robinson, Standing In The Shadows. An Alan Banks Crime Novel (Hodder & Stoughton)
„Wenn alle schweigen“: Die Australierin Tracey Lien blickt in ihrem Debütroman auf Sydneys Drogenviertel und seine asiatische Community. „Diese kollagenhafte Technik geht meistens gut, nur manchmal schießt die Autorin über das Ziel hinaus, dann wirken die formalen Spielereien irritierend, etwa bei der plötzlichen Ich-Perspektive des Kindes, die etwas zu experimentell daherkommt, verglichen mit dem sonst nüchternen Stil. Das Panorama, das Lien so zu malen beginnt, bringt sie dann aber gekonnt zurück auf die Kriminalhandlung (…)“
- Tracey Lien, All die ungesagten Dinge. Roman. (aus dem Englischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel; Piper Verlag)
„Hilflose Wahrheit“: Krimis in Kürze: Lindqvist, Reuland und James Lee Burke.
- John Ajvide Lindqvist, Refugium (dtv)
- Robert Reuland, Brooklyn Supreme (Polar)
- James Lee Burke, Verschwinden ist keine Lösung (Pendragon)
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„Da geht noch mehr“: Sechs Wochen nach dem Start des Kulturpasses wurden erste Zahlen zur Nutzung veröffentlicht. „130 000 18-Jährige haben sich bereits für den Kulturpass registrieren lassen, gemeinsam haben sie 2,9 Millionen Euro umgesetzt.“
„‚Wir unterschätzen, wie intelligent Kinder sind’“: Die US-Schriftstellerin Malinda Lo im Gespräch über ihren Jugendroman, der aus vielen Schulbibliotheken verbannt wurde, und über die Frage, warum sie dagegen ist, problematische Begriffe aus Büchern zu streichen.
„Ketzertum und Heuchelei“: Marko Martin porträtiert jüdische Intellektuelle im Feuer der Ideologien und Machtkämpfe des 20. Jahrhunderts. Erstaunlich, wie viele Themen inzwischen mit Wucht zurückgekehrt sind. „In diesem großartigen Buch finden wir Porträts von elf jüdi-schen säkularen Intellektuellen, die im 20. Jahrhundert, um zu überleben und ihr Werk fortzusetzen, oft unkonventionelle Wege wählen mussten: als Emigranten, Emigrantinnen, als Heimatlose, ehemalige Häftlinge oder Soldaten. Sie wiesen außerdem auf Missstände hin, die anderen oft bedeutungslos erschienen.“
- Marko Martin, Brauchen wir Ketzer? – Stimmen gegen die Macht (Arco Verlag)
„Julle verliebt sich in Axel und zwar sofort“: 31 Tagen im Sommer 1977: Stephan Lohses Das Summen unter der Haut. „In diesem Sommer können die Buchhändlerinnen ganze Tische mit Büchern bestücken, die ein Schwimmbad auf dem Cover haben. Der Trend ist glücklicherweise nur ein äußerlicher. Caroline Wahl schreibt in 22 Bahnen ganz anders als Arno Frank in Seemann vom Siebener oder Kristine Bilkau in Wasserzeiten. Und Lohses Summen unter der Haut leuchtet zwar schwimmbadkachelblautürkis, doch dass der Held schnell und weit schwimmen und tauchen kann, interessiert hier kaum jemand sonderlich außer ihn.“
- Stephan Lohse, Das Summen unter der Haut (Insel)