Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Im Ofen ist das Feuer doch nur eingesperrt“: In den Zeiten des Klimawandels kommt uns das verkehrtherum vor, aber Susanne Stephans Literaturgeschichte aus der Perspektive des Bedürfnisses nach Wärme ist eine Fundgrube des Wissens. „Susanne Stephan hat ein faszinierendes, aspektereiches Buch geschrieben, auch wenn sie sich manchmal zu sehr den Brennstoff-Assoziationen überlässt und feurige Metaphern über Gebühr strapaziert. Immerhin entgeht sie der Versuchung, Fontanes ‚Generalweltanbrennung‘ – eine wichtige Formel im Stechlin – als Prophezeiung des Klimawandels zu lesen. Wenn sich ihre Literaturgeschichte auf eine Formel bringen ließe, dann: Der Brennstoff bestimmt das Bewusstsein.“
- Susanne Stephan, Der Held und seine Heizung. Brennstoffe der Literatur. (Matthes & Seitz)
„Am Küchentisch mit dem zukünftigen Präsidenten“: Mit Sinn für produktive Widersprüche: Timothy Garton Ash erzählt von europäischen Entwicklungen entlang persönlicher Begegnungen. „Es handelt sich nicht um eine herkömmliche Autobiographie, sondern um ein eigenwilliges Genre. Ash macht die Geschichte Europas, die er von der Zeit der totalitären Diktaturen bis in die Gegenwart erzählt, durch seine persönlichen Erinnerungen plastisch. So verbinden sich seine individuellen Erfahrungen – seine Begegnungen mit historischen Akteuren und seine Augenzeugenbeobachtungen von Ereignissen wie der Samtenen Revolution – mit der Deutung des Geschichtsverlaufs.“
- Timothy Garton Ash, Europa. Eine persönliche Geschichte (Carl Hanser Verlag)
„Ein Samenkorn vors Gefängnis pflanzen“: Felwine Sarr versucht sich am Roman: Die Orte, an denen meine Träume wohnen erzählen von einem afrikanischen Brüderzwiespalt. Der Rezensent beklagt „das verspielte Potential, das die motivische Ausgangskonstellation des Buches an Widersprüchen und Spannungen hätte hervortreiben können, wenn die Handlungsstränge gekonnter miteinander verschränkt wären und die Sprache mit etwas anderem als kraft- und gestaltlosen, oftmals in parataktischer Einfachheit gehaltenen Registrier- und Vermerksätzen überzeugen könnte.“
- Felwine Sarr, Die Orte, an denen meine Träume wohnen. (S. Fischer)
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„Völlig überflüssig“: Trotz hat man mit zwei und in der Pubertät, dann sollte das vorbei sein. Doch Ronja von Rönne erklärt ihn in ihrem neuen Buch zur lebenslangen Chance. Oje! „Ronja von Rönne scheint eine sympathische und kluge Person zu sein, aber sie hat ein flüchtiges, völlig überflüssiges Buch nicht zu Ende gedacht und in den Sand gesetzt. Kein Mensch braucht flüchtige Gedanken über eine so kindische Eigenschaft wie Trotz. Im Buch steckt aber ein großartiger Romanansatz: die mit ergreifendem Ernst skizzierte Geschichte des todkranken Freundes Martin.“
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Ronja von Rönne, Trotz. (DTV)
„Goudawelsch“: Bestseller-Blödler Heinz Strunk hat ein Bilderbuch geschrieben: Die Käsis. „Verkaufszahlen an der 500 000er-Grenze wie bei seinem Debüt, Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse oder den Deutschen Buchpreis wie bei seinen folgenden Romanen wird Strunk mit diesem Käse wohl nicht erreichen, auch nicht so begeisterte Besprechungen wie bei seinem im Juni erschienenen Erzählband Der gelbe Elefant.“
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Heinz Strunk, Die Käsis. (illustriert von vents137 und Typeholics; Lappan Verlag)
„‚Ich hatte das Geld halt’“: Der Schriftsteller Heinz Strunk ist jetzt Teilhaber eines Restaurants.
„Widerstand in Jeans“: Als Dichter in der DDR geriet er rasch in Konflikt mit dem Regime. Zum 90. von Reiner Kunze.
„‚Laut war es auf der Erde immer. Nur der Lärm war anders’“: Kai-Ove Kessler im Interview über die Stille des Urknalls, den Radau des Aufstands und sein Buch zur Kulturgeschichte des Lärms.
- Kai-Ove Kessler, Die Welt ist laut. Eine Geschichte des Lärms. (Rowohlt)
„Der Trost einer Geschichte, die vor uns anfängt und nach uns aufhört“: Die virtuose Schauspielerin Valery Tscheplanowa debütiert als Autorin mit einem autobiografischen Roman, der dem Tod den Schrecken nimmt. „Auch diesem literarischen Debüt merkt man das Körperliche an, das Benetzte, Bewegte, Geformte, Geküsste, Umarmte, Sinnliche – wobei es überhaupt nicht um Sex oder irgendwelche Schwelgereien geht, sondern um die Lebendigkeit von Erinnerungen und die Lebendigkeit von Toten.“
- Valery Tscheplanowa, Das Pferd im Brunnen. (Rowohlt Berlin)
„Flugs von A nach B“: Nils Mohl und Halina Kirschner zeigen, wie schön hemmungsloses Fahrradfahren ist. „Nils Mohl (…) und Halina Kirschner als Illustratorin gestalten die Wilde Radtour mit Velociraptorin als eine Art Wimmelalphabet. Das ist eine Gattung, die man sich vorher gar nicht vorstellen konnte, nun aber schon. Sie beruht darauf, dass der jeweilige Buchstabe vorkommt und bei dieser Gelegenheit auch interessante Wörter erläutert werden: Wörter, die Erwachsene natürlich kennen und stolz darauf sind (navigieren) und Wörter, bei denen sie ganz schnell und sicher schneller als das Kindchen die Erklärung lesen, um nicht zu dumm dazustehen (Nabenschaltung).“
- Nils Mohl / Halina Kirschner (Ill.), Wilde Radtour mit Velociraptorin (mairisch)