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Umgeblättert heute: „Ein erschütterndes, hinreißendes Debüt“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Blumen des Bösen aus der Großgärtnerei Black Sabbath & Co.“: Verteidigung gegen den Verdacht des Dumpfbackentums: Hartmut Rosa verortet Heavy Metal in der Tradition der Schwarzen Romantik und im ländlichen Raum. When Monsters Roar and Angels Sing ist ein Hörerlebnis – und viel mehr als nur eine kleine Soziologie der Musikgeschichte. „Axel Wostry, der Leser des Hörbuchs, hätte mit seiner freundlichen, zugewandten Stimme sicher nicht das Zeug zum Metal-Shouter. Eher verfügt er über einen warmen, melodiösen Balladenton und liest damit Rosas Bekenntnisse und Reflexionen so involviert, dass er sogar überzeugender klingt als der Autor selbst, der am Ende noch kurz zu hören ist mit einer Danksagung, was sich dann merkwürdigerweise so anhört, als würde er sich ein fremdes Erzähl-Ich aneignen.“

  • Hartmut Rosa, When Monsters Roar and Angels Sing. Eine kleine Soziologie des Heavy Metal (gesprochen von Axel Wostry, Franziska Ball und Ron Williams; CC-live Verlag)

„Der Sohn soll zum Mann werden im ‚Chez Madame Claire’“: Mit scharfer Beobachtung und groteskem Witz: Der Dramatiker George Tabori erzählt aus seinem Leben. „Teilweise liest er sie in einer Produktion des Deutschlandfunks Kultur von 2002 aus dem Buch vor. Noch schöner aber sind in diesem Hörbuch die Passagen, in denen er die Szenen auf Fragen von Jörg Jannings hin aufs Neue frei erzählt. Die Stimme ist die eines alten Mannes, die immer lebendiger wird, je mehr sich Tabori dem Erinnerungsstrom überlässt.“

  • George Tabori, Autodafé. George Tabori erzählt aus seinem Leben. Autorenlesung (Der Audioverlag)

„Das Nena-Prinzip“: Irgendwie, irgendwo, irgendwann kommt man in deutschen Zügen immer an: Und sie bewegt sich doch!. „Unter humorvolle Erzählungen mit altbekannten Ärgernissen mischen sich kurzweilige Reisereportagen wie die des Schriftstellers Dennis Gastmann, der auf seiner abenteuerlichen Reise durch Usbekistan erfuhr, warum Pferdewurst wie Viagra wirkt. Tatsächlich bearbeitet das Hörbuch das in diesem Zusammenhang bereits vielfach bestellte Feld Humor, mal mehr, mal weniger gelungen: Für die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn jedenfalls lassen sich immer aufs Neue kreative Umschreibungen finden.“

  • Und sie bewegt sich doch! Bahngeschichten (Argon Verlag)

„Aber hier leben?“:Dana Vowinckel erzählt in Gewässer im Ziplock von einer jüdischen Familie, die darüber streitet, ob es in Deutschland noch auszuhalten ist. Ein erschütterndes, hinreißendes Debüt. „Aber dieses Buch ist schon so ungewöhnlich klar und mitreißend in seiner nahen Weltwahrnehmung. Eigentlich hat es keinen Sinn, immer dieselben alten Vergleiche zu bemühen: Aber man muss wirklich nicht neidisch auf die großen amerikanischen Familienromane schielen, wenn es eine solche Erzählerin in deutscher Sprache gibt.“

  • Dana Vowinckel, Gewässer im Ziplock (Suhrkamp)

„Zugreifen, bitte“: Auf ein Täfelchen Schokolade mit Jonathan Coe, der mit trockenem Witz von Großbritannien erzählt wie kein anderer. Jetzt hat er sein bisher persönlichstes Buch geschrieben. „Jonathan Coe gehört zu den bekanntesten britischen Autoren der Gegenwart, er wird gefeiert für seine oft trocken beschriebenen und gut beobachteten Verwebungen der britischen Geschichte mit dem Leben seiner Romanfiguren. So ist es auch in Bournville (…)“

  • Jonathan Coe, Bournville (ins Deutsche übersetzt von Cathrine Hornung, Juliane Gräbener-Müller; Folio-Verlag)

„‚Als Nation halten wir gerade die Luft an’“: Jonathan Coe im Interview über den Post-Brexit-Fatalismus, die beiden großen Ausreden für die aktuelle Misere und seinen Roman Bournville.

  • Jonathan Coe, Bournville (ins Deutsche übersetzt von Cathrine Hornung, Juliane Gräbener-Müller; Folio-Verlag)

„Wenn Nostalgie tödlich ist“: Sin Blachés und Helen Macdonalds faszinierender, allerdings auch etwas forcierter Roman Prophet. „Der Roman ist einerseits perfekt. Perfekt greifen seine Handlungsrädchen ineinander, dicht ist die bedrohliche Stimmung. Macdonald und Blaché tun andererseits des Guten oder sagen wir: des Großen, Größeren, am Größten zuviel. Da ähnelt Prophet interessanterweise Christopher Nolans effektvollem ‚Oppenheimer‘-Film. Die Bilder bzw. Metaphern wirbeln, bäumen sich auf, ein Superlativ folgt auf den anderen, das Pathos rauscht über die Seiten.“

  • Sin Blaché, Helen Macdonald, Prophet. Roman. (a. d. Engl. v. Thomas Gunkel; Hanser)

„Dazu noch die Sache mit Martin“: Ronja von Rönne schreibt über Trotz – flapsig, nicht auf Durchdringung aus, aber da steckt trotzdem einiges drin. „In den gelungenen Passagen empfiehlt sich das Büchlein als Vademecum, die positiven Energien des Trotzes für sich zu gewinnen, ohne sich von den lähmenden ins Bockshorn jagen zu lassen. Ronja von Rönne hat als junge Erfolgsautorin gelernt, Medienskandale anzuzetteln und aus ihnen – na ja – fürs Leben zu lernen.“

  • Ronja von Rönne, Trotz (dtv)

„Junge, Junge“: Ausgerechnet der um Reflexion bemühte Band Oh Boy stolpert über eine ungut zum Thema passende Grenzüberschreitung. „Das Irrwitzige ist auch, dass das genau eine Geschichte ist, wie sie in dem Sammelband Oh Boy, einer im Juli bei Kanon veröffentlichten und seit dem Wochenende vom Verlag nicht mehr ausgelieferten ‚Inventur der Männlichkeit‘, hätte geschildert werden können. Wird sie ja auch, jedenfalls Folgendes: Autor Moritz Valentin, neben Donat Blum der Herausgeber des Bandes, schildert in dem Text ‚Ein glücklicher Mensch‘, wie er gegen eine Frau sexuell übergriffig geworden ist. (…) Direkt nach der Veröffentlichung des Buches – 16 Texte ganz unterschiedlicher Leute, mit einem begeisterten Vorwort von Mithu Sanyal – meldete sich via Instagram allerdings die Frau, um die es dabei geht. Sie verwahrte sich gegen die Veröffentlichung, erklärte, das habe sie schon zuvor Moritz gegenüber getan, und forderte nun ein Boykott des Buches.“

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