Gudrun Fähndrich, die KiWi-Pressechefin geht nach 26 Jahren im Verlag in den Ruhestand. Verlegerin Kerstin Gleba erinnert sich an die gemeinsame Zeit:

Gudrun geht. Was wie der Titel eines elegischen, vielleicht etwas kitschigen Romans klingt, ist leider knallharte Realität. Seit über 26 Jahren ist Gudrun Fähndrich die Pressechefin von Kiepenheuer & Witsch, und was für eine! Eine Legende! Sie wird uns sehr fehlen – als Kollegin, als Anwältin unserer Autorinnen und Autoren, als Repräsentantin des Verlages im sogenannten “Betrieb”.
Bestens vernetzt, war und ist Gudrun heimlicher Lieblingsgast der Kritiker:innen auf Empfängen und Buchvorstellungen. Warum? Weil Gudrun nicht nur eine kluge, kompetente, gewitzte und charmante Gesprächspartnerin ist, sondern auch herrlich spontan. Blitzgescheit verblüfft sie ihr Gegenüber gerne mit höchstoriginellen Einschätzungen der Situation. So manches Mal fanden wir ihre pointierten Kommentare am nächsten Tag gedruckt in einer Zeitung wieder – pures Gossip-Gold, das der ganzen Branche Spaß machte.
Von Gudruns Schlagfertigkeit und Unerschrockenheit können wir auch im Verlag ein Lied singen. In Konferenzen spricht sie aus, was manche denken, sich aber nicht zu sagen trauen, und sorgt damit immer wieder für Lachanfälle in der ganzen Runde. Das Kind in “Des Kaisers neue Kleider”, es könnte Gudrun heißen.
Gudruns Talent zur Heiterkeit ist für mich vielleicht das, was ich – neben ihrer großen Belesenheit, ihrer Expertise, ihrem untrüglichen Gespür für unsere Bücher – am meisten bewundere. Auch in schwierigsten Situationen verliert sie nie ihren Humor. 26 Jahre kennen wir uns schon, so lange arbeiten wir zusammen und haben so manchen persönlichen Meilenstein gemeinsam erlebt, gefeiert und erlitten. In den vollen Genuss von Gudruns nicht genug zu preisenden Vorzügen kam ich stets, wenn wir gemeinsam auf Lesereise mit einem und einer unserer Autor:innen waren. Besonders eine Tour wird mir für immer in Erinnerung bleiben: 2002 kam Ethan Hawke für vier Lesungen und einige Interviews nach Deutschland, um seinen Roman “Aschermittwoch” vorzustellen. Es gab große Auftritte in Köln (im Palladium mit Charlotte Roche), Hamburg, Frankfurt und Zürich. Ethan Hawke, dessen Kinder damals noch klein waren und der darum “nur” fünf Tage weg sein wollte von zu Hause, hatte zuvor darum gebeten, dass wir ihn nicht schonen, sondern alle Termine, die uns als sinnvoll erschienen, in diese fünf Tage steckten. Entsprechend sah sein Terminplan aus. Es ist Gudruns Professionalität, vor allem aber ihrem großen Charme und ihrer Herzenswärme zu verdanken, dass uns Ethan in den fünf Tagen trotz eines irre Pensums nicht weggekippt ist. Im Gegenteil: Erschöpft und glücklich ist er, mit einer übermüdeten, aber ebenfalls glücklich wirkenden Gudrun und mir im Schlepptau, an Tag 3 der Tour in Frankfurt auf der Buchmesse angekommen und gestand, dass er sich zwar wie ein Pudel auf einer Hundeshow fühle, allerdings wie der am besten versorgte der Welt.“
Wie er durften alle Autorinnen und Autoren, die Gudrun betreute – sei es Eva Menasse, Uwe Timm, Thomas Hettche, Feridun Zaimoglu oder Benjamin von Stuckrad-Barre und alle anderen – von Gudruns klarem Kompass und beherzter Fürsorglichkeit profitieren. Sie alle werden Gudrun vermissen. Am allermeisten aber wird Gudrun uns, ihren Kolleginnen und Kollegen, fehlen. Was uns tröstet: Wir werden uns nicht aus den Augen verlieren. Niemals geht man so ganz, heißt es in Köln. Wir sehen uns wieder, liebe Gudrun, danke für alles und mach es gut!
Kerstin Gleba, Verlegerin von Kiepenheuer und Witsch