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Umgeblättert heute: „Im Reich des Kitsches“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Keine Angst vor schlaflosen Nächten“: Ein großes Jubiläum für eine lebende Legende der polnischen Literatur: Heute feiert der jüdische Autor Józef Hen seinen hundertsten Geburtstag.

„Wenn ihr wüsstet, wie lange wir tot sind“: Ein kleiner Freundeskreis mit großen Ambitionen: Christina Viraghs ebenso sinnlicher wie sezierender Roman Montag bis Mittwoch.

  • Christina Viragh, Montag bis Mittwoch. Roman (Dörlemann Verlag)

„Historie im Labor“: Ohne Reflexion und Distanz ist literarische Geschichtsarbeit nicht zu haben: Darum ist Bettina Balàkas Roman Der Zauberer vom Cobenzl misslungen. „Dass sich ein Roman nicht streng an Fakten hält, ist üblich. Historische Romane, häufig ins Triviale schwenkend, sind aber immer dann erledigt, wenn sie so tun, als könnten sie Vergangenheit gleichermaßen im Reagenzglas der Phantasie nachstellen. Ohne Reflexion, kritische Sichtung von Dokumenten und Distanz zum Geschehen ist literarische Geschichtsarbeit nicht zu haben. Ereignisse in der Vergangenheit sind zuallererst einmal fremd. (…) Wenn eine Autorin wie Bettina Balàka Wesen aus dem 19. Jahrhundert zu Identifikationsfiguren von heute erklärt, befinden wir uns im Reich des Kitsches.“

  • Bettina Balàka, Der Zauberer vom Cobenzl. Roman. (Haymon Verlag)

„Zwischen den Zeiten“: Eine Wechselbeziehung von Altem und Neuem hat sich in dieser Region nie stabilisiert: Per Leo ist dem spezifischen Charakter des Ruhrgebiets auf der Spur. „Per Leo schreibt eloquent, assoziativ, pointiert, auch polemisch. Wie die beiden Teile von Noch nicht mehr sich aufeinander beziehen, wird zur Frage an den Leser; wie aus dem Spiel mit Zeitbezügen eine Ruhrgebietsidentität erwachsen soll, bleibt Zukunftsmusik. Der Essay setzt Noten für eine Melodie, die noch nicht gefunden ist.“

  • Per Leo, Noch nicht mehr. Die Zeit des Ruhrgebiets. (Tropen Verlag)

„Auch die Tiere reden mit“: Romina Nikolić bietet uns in Unterholz Auszüge aus einem Langgedicht, die aber schon viel poetisches Glück schenken. „Morsch und mulchig ist die Wildnis, die hier beschrieben wird, fast moosig im Geruch das geheimnisvolle Unterholz der Erinnerung, die diese Worte transportieren. Und uns Lesenden das einfache, aber alles verändernde Wissen schenken, dass man als Mensch nur im Gesang fündig werden kann und erst dann behalten darf, was nicht festzu­halten ist.“

  • Romina Nikolić, Unterholz. Auszüge aus einem Langgedicht (Edition Muschelkalk / Wartburg Verlag)

„Wie die Zeiten verwoben sind“: Geschichtsvergessenheit führt geradewegs ins Unheil: Florian Illies’ Rede beim Bayerischen Buchpreis.

„Marmor und Mussolini“: Der Prix Goncourt geht an Jean-Baptiste Andrea. „Der prämierte Roman ist ein über fünfhundertseitiges Werk mit mehreren Ebenen und historischen Bezügen, angesiedelt ist es in Italien und im Vatikan. Die Tageszeitung Le Monde nennt es ‚ein metaphysisches Fresko zum Thema der Bildhauerei, eine Meditation über An- und Abwesenheit‘. Es ist die Geschichte des fiktiven Bildhauers Mimo Vitaliani, der nur 140 Zentimeter groß ist und der ihm seelenverwandten Viola. Es geht darin viel um Marmor und Mussolini kommt auch vor.“

„Hüter der Erinnerung“: Der polnische Schriftsteller Józef Hen wird 100 Jahre alt. „Es ist ein kleines Buch mit nur 300 Seiten und ein großes Verdienst, es wieder zugänglich zu machen. Hen widmet es seinen Enkeln, allen Nachgeborenen, die dieses Warschau nicht mehr kennen, es ist eine Essenz seines Lebens. Aber längst nicht sein Lebenswerk. Das besteht aus Romanen, Erzählungen, Kinderbüchern, Reportagen, Tagebuchaufzeichnungen, Biografien. Dazu kommen Drehbücher, die meist auf Basis seiner eigenen Werke entstanden.“

  • Józef Hen, Nowolipie. Meine jüdische Straße. (aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann; Arco)

„Philipp Stadelmaier über Post-Cinema“:

  • Philipp Stadelmaier, Die Kommentatoren des Post-Cinema. Serge Daney, Jean-Luc Godard und die Rephilologisierung des Kinos im digitalen Zeitalter (Transcript Verlag)

„Alte Männer in verfallenden Hütten“: Vier komplexe Texte ostasiatischer Eremiten aus drei Jahrhunderten schärfen die Sinne. „Die Klause der Illusionen heißt ein gerade erschienenes Buch mit vier winzigen Essays von Bai Juyi (772–846), Kamo no Chomei (1153–1216) und Matsuo Basho (1644–1694). Ersterer ist einer der bedeutendsten Dichter der Tang-Zeit, die beiden anderen gehören zu den bekanntesten japanischen Dichtern.“
  • Matsuo Basho, Kamo no Chomei, Bai Juyi, Die Klause der Illusionen. Aufzeichnungen aus drei Grashütten. (Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung)
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